Generalisierte Angststörung: Panikattacken und dissoziative Zustände mischen sich

An der Supermarktkasse überfällt dich wieder dieses komische Gefühl. Dir wird heiss und kalt und wenn Dich jemand fragt: „Was hast Du?“, kannst Du eigentlich gar nicht antworten. Es kann sein, dass Dir übel ist. Du fühlst Dich verlassen und wackelig in dieser Welt.
Manche nennen es „Panikattacke“, andere sprechen von Depersonalisation oder von einem „dissoziativen Zustand.“ Im Gegensatz zur Furcht, die auf etwas Bestimmtes gerichtet ist und sich konkret anfühlt, ist deine Angst vage und schwammig. Es ist Dir vielleicht noch nicht einmal klar, ob es sich um etwas Inneres handelt oder um etwas Äußeres. Die Worte „Angst“ und „Enge“ hängen zusammen und während einer Angstattacke möchtest Du vielleicht nur noch weglaufen – raus an die frische Luft. Vielleicht warst du schon lange vorher verkrampft, sodass du dich auch in deinem Körper gefangen fühltest.
Weiterlesen als Mitglied.
Verwandte Artikel in diesem Blog:
- Dissoziative Störungen hängen oft mit frühen Kindheitstraumata zusammen – was hilft?
- Angst, laut loszuschreien?
- Was wäre das Schlimmste, das Du Dir vorstellen kannst?
- Panikattacken in der Nacht
- Hypochondrie als Zeichen für frühe Traumata
Links:

Dunja Voos (2022):
Tritt aus dem Schatten Deiner Angst
Dein Sieben-Schritte-Programm
Humboldt-Verlag
amazon
Dunja Voos:
Schwere Angststörung – was kann ich tun?
youtu.be/iA07LA0r4Y8
Nirit Soffer-Dudek (2014)
Dissociation and dissociative mechanisms in panic disorder, obsessive–compulsive disorder, and depression: A review and heuristic framework.
Psychology of Consciousness: Theory, Research, and Practice, Vol 1(3), Sep 2014, 243-270
psycnet.apa.org/… „… and that depersonalization and derealization are the dissociative factors particularly relevant to both depression, because of sleep alterations, and to panic, because of a combination of physiological and cognitive factors.“
Susan Ball et al.
Dissociative Symptoms in Panic Disorder
The Journal of Nervous & Mental Disease 185(12):p 755-760, December 1997.
journals.lww.com/…
Richard A. Bryant and Paula Panasetis:
The role of panic in acute dissociative reactions following trauma
British Journal of Clinical Psychology, Volume 44, Issue 4, November 2005, Pages 489-494
doi.org/10.1348/014466505X28766
bpspsychub.onlinelibrary.wiley.com …
„These findings are consistent with proposals that acute dissociation is associated with panic symptoms that occur during the traumatic experience. Possible mechanisms for the association of panic and dissociation are discussed.“
Ines Kunz:
Anststörungen: Häufigkeit, Symptomschwere, biographische und aktuelle Risikofaktoren sowie Persönlichkeitsprofile unter besonderer Berücksichtigung von hysterischen und Borderline-Strukturen. Dissertation, Universität Mannheim 2006, archiv.ub.uni-heidelberg.de/…
Kate Walters et al. (University College, London, 2008):
Panic disorder and risk of new onset coronary heart disease, acute myocardial infarction, and cardiac mortality.
European Heart Journal, October 2008
www.ncbi.nlm.nih.gov/…
Jordan Smoller et al. (2007):
Panic Attacks and Risk of Incident Cardiovascular Events Among Postmenopausal Women.
Archives of General Psychiatry 2007
archpsyc.ama-assn.org/…
I Kawachi et al. (Harvard School of Public Health, Boston, USA, 1994):
Symptoms of anxiety and risk of coronary heart disease. The Normative Aging Study.
Circulation. 1994; 90: 2225-2229
doi: 10.1161/01.CIR.90.5.2225
circ.ahajournals.org/content/90/5/2225.short
Ripke, Annekatrin Asja (2007):
Experimentelle Studie zur Thrombozytenaktivierung durch psychisch induzierten Stress bei Patienten mit vermehrten Ängsten.
Dissertation, Universität zu Lübeck, 2007
www.zhb.uni-luebeck.de/epubs/ediss337.pdf
Hudson JL and Rapee RM:
Parent-child interactions and anxiety disorders: an observational study.
Behaviour Research and Therapy 2001; 39: 1411-1427
Mariana Leky: Erste Hilfe. Roman, Dumont, S. 122-124: „… ‚Man kann vor allem Angst haben … man kann zum Beispiel Angst haben, sich zu waschen. Oder sich nicht zu waschen. Oder davor, ans Telefon zu gehen. Oder vor zu niedrigen Tischen oder davor, vor anderen Leuten zu essen, oder vor großen oder kleinen Räumen. … Man kann vor Hochhäusern Angst haben oder vor Tiefgaragen oder vor dem eigenen Herz … oder vor Tieren mit Haaren oder nackten Tieren, oder davor, Briefe zu öffnen … Man kann Angst vor Blumen oder vor Bärten haben … Man kann auch Angst vor dem eigenen Bauchnabel haben. Man kann sogar Angst vor den eigenen Haaren haben … dann kann man sich nicht mehr kämmen. … Und alle haben erst eine bestimmte Angst und können irgendwann gar nichts mehr‘, sagt die Therapeutin.“
Preter, Maurice and Klein, Donald F.:
Lifelong opioidergic vulnerability through early life separation:
A recent extension of the false suffocation alarm theory of panic disorder
Neuroscience & Biobehavioral Reviews, Volume 46, Part 3, October 2014, Pages 345-351
www.sciencedirect.com/…
Ley, R (1994):
The „suffocation alarm“ theory of panic attacks: a critical commentary
Review: J Behav Ther Exp Psychiatry 1994 Dec;25(4):269-73.
doi: 10.1016/0005-7916(94)90034-5
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/7706503/
Beitrag vom 21.2.2026 (begonnen am 2007)
VG-Wort-Zählpixel im ersten Abschnitt: 4213368a3be548b1a44b2754ce7cc5b3
7 thoughts on “Generalisierte Angststörung: Panikattacken und dissoziative Zustände mischen sich”
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
Das freut mich, lieber Herr Unkauf :-) Vielen Dank.
Sehr guter Artikel der auch aufzeigt das es Auswege gibt. Die anderen Artikel lassen einen häufig zurück mit einem Gefühl der Hilflosigkeit
Vielen Dank für diesen aufschlußreichen Artikel: im Rahmen einer integrativen, oder wie Klaus Grawe, auf den sich mein Vorredner bezieht, „allgemeinen“ Psychotherapie ist es sicher wichtig, neben den aktuellen Auslösesituationen auch die kindlichen Früherfahrungen mit in den Blick zu nehmen. Dennoch denke ich, dass Verhaltenstherapie und hier insbesondere die Expositionsverfahren die Psychotherapie der Wahl bei Angsterkrankungen sind. Es ist auch nicht so, dass es zu einer Symptomverschiebung kommt, sondern die Effekte ziemlich stabil sind. Aber ich gebe Recht: es ist wichtig, nicht nur das aktuelle Verhalten, sondern die gesamte Person mit ihrer individuellen Biographie im Blick zu haben!
Sehr geehrter Gast,
vielen Dank für Ihren Hinweis.
Eine Studie, die zeigt, dass psychodynamische Therapien bei generalisierter Angststörung so wirksam sind wie die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) wurde von Falk Leichsenring und Kollegen 2009 veröffentlicht:
Short-Term Psychodynamic Psychotherapy and Cognitive-Behavioral Therapy in Generalized Anxiety Disorder: A Randomized, Controlled Trial
Am J Psychiatry 2009;166:875-881. doi: 10.1176/appi.ajp.2009.09030441
The American Journal of Psychiatry, VOL. 166, No. 8
http://www.dsm.psychiatryonline.org/article.aspx?articleID=101023&atab=7
Die Studien, die ich auf der Unterseite „Psychoanalyse wirkt“ gelistet habe, zeigen allgemein die Wirksamkeit von psychoanalytischen Therapien bei verschiedenen Störungen, u.a. bei Angststörungen (https://www.medizin-im-text.de/2011/28/psychoanalyse-wirkt).
Die Kritik von Klaus Grawe an der Psychoanalyse ist sehr umstritten – mehr Informationen hierzu finden Sie in meinem Blog hier: https://www.medizin-im-text.de/2010/6130/klaus-grawe-und-der-ruf-der-psychoanalyse.
Dunja Voos
Es würde mich interessieren, auf welchen Daten die Aussage fusst, bestimmte psychoanalytische Methoden seien für die Behandlung von Angststörungen „Mindestens genauso geeiget“ wie die Verhaltenstherapie. Die Metaanalyse von Grawe et al. [1] beispielsweise zeichnet hier ein anderes Bild…
[1] Klaus Grawe, Ruth Donati, Friederike Bernauer: Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur Profession. Hogrefe, Göttingen 1994.
Meiner Erfahrung nach gibt es außer den oben beschriebenen psychotherapeutischen Methoden, durchaus noch weitere, die für Angstörungen eingesetzt werden können. Das sind vor allem die energetische Psychotherapie, die mit Klopfakupressur arbeitet, die Kinesiolgie, die auch die durch die Angstörung entstandenen Blockaden im Energiesystem löst und nicht zuletzt auch die Hypnose. Auf welche Methoden ein Patient am besten reagiert, ist sehr individuell. Und so kann ich mich dem Artikel nur anschließen: ein angstfreieres Leben ist wirklich möglich.
Danke für die grundlegenden Infos, wir suchen zurzeit noch Betroffene, die unter http://angst-stoerung.net/ ihren Erfahrungsbericht veröffentlichen möchten.
Liebe Grüße