Willkommen

Die Perle in mir – wann mach‘ ich auf, wann mach ich zu?

Da ist eine Perle in mir. Ich bin eine Auster und lasse mich in der Tiefe des Meeres sanft hin- und herbewegen. Meistens ist meine Schale zu, denn ich befürchte, dass man mir meine Perle klauen könnte, wenn ich mich öffne. Weiterlesen

Der Schmerz des Unterschieds

Bild Nr. 873 Schmerz des Unterschieds von Dunja Voos

Ich dachte, es sei normal: das Geschrei, das Gezerre, das Gesperre, der Mangel, der Liebesentzug, der Alkoholgeruch, die Lügen, das Drama, die Nacktheit. Irgendwann dämmerte es mir. Ich fragte mich, ob das wirklich normal sei. Weiterlesen

Wenn ich schwimmen gehe

„Wieviele Bahnen schwimmst du?“ Ich dusche heiß. Ich laufe über das nasse Gras. Ich tauche ins warme Wasser. Ich sehe, wie die Sonne darin glitzert. Ich höre, wie ich unter Wasser ausatme. Ich spüre, wie meine Beine mich schieben, wenn ich kraule. Ich sehe die Kugeln der Trennseile an mir vorbeiziehen. Rot und weiß. Weiterlesen

Ausgeschlossen

Mutter und Vater sind ein Paar. Das Kind ist ausgeschlossen. Das Kind wird größer. Zusammen mit anderen geht es zur Schule. Die anderen gehen auf Parties. Die anderen heiraten und bekommen Kinder. Sie leben in Häusern, aus deren Fenstern abends gemütliche Lichter funkeln.Einsam geht das Mädchen daran vorbei. Weiterlesen

Wie lange?

Wie lange muss ich auf sicherem Boden leben, damit ich mich sicher fühle, wenn ich aus einem Erdbebengebiet komme? Weiterlesen

Wohin?

Von Kindes Beinen an beschäftigt mit einer Frage: Wohin? Von klein auf kein Widerhall. Kein Verstehen, keine Resonanz. Die Eltern, die Schutz bieten sollten: eine Bedrohung. Gewalt. Entwicklung ist so nicht möglich, Überleben hat höchste Priorität. Weiterlesen

Das leere Bett

Wie eine weite Wüste. Nur unbarmherzig weich. Ich streiche über eine Falte im Laken. Ich weiß nicht, wie ich die Decke um mich legen soll. Es ist die Abwesenheit des anderen, die mich quält. Weiterlesen

Die Welt voller Amuse-Gueules

„Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung“, sagt der Lehrer und legt seine warmen Hände um meine. „Na? Hamm’wers geschafft?“, sagt der beste Freund und klopft mir auf die Schulter. Weiterlesen

Alle weg. Im Gefühl überall fast zu Hause

Bild Nr. 864 alle weg von Dunja Voos

Irgendwann war alles weg. Die Menschen, mit denen ich zusammen stand. Das Haus meiner Kindheit, das Schwimmbecken im Garten: weg. Alles, was mir lieb und teuer war: weg. Weiterlesen

Ein Kind. Erlebt. Gewalt.

Dieser ohrenbetäubende Lärm. Doch das Kind, es kann nicht mehr schreien. Die Mutter drückt ihm den Atem ab. Das Kind liegt auf dem Rücken. Es ist vielleicht acht oder neun Jahre alt. Es sieht. Weiße Tropfen. Von der Tapete herunterrinnen. Es bekommt keine Luft mehr. Noch eine Sekunde. Und das Licht geht aus, denkt das Kind. Weiterlesen