Wenn wir bei einer überstrengen, vielleicht gewalttätigen, verletzlichen Mutter aufwuchsen, haben wir gelernt: „Ich muss mich nach ihr richten. Ich muss schauen, wie es ihr geht. Ich muss sie vorsichtig behandeln.“ Dieses Schema übernehmen wir dann häufig auch für alle anderen Menschen, während unsere eigene Gefühlswelt sich meistens auf nur ein einziges Gefühl beschränkt: Die Angst. Weiterlesen

Die Zusammenhänge zwischen Psychoanalyse und Kriminologie sind zu vielfältig und komplex, um sie in einem Beitrag wie dem vorliegenden auch nur annähernd andeuten zu können. Spontan könnte man etwa daran denken, der Frage näher nachzugehen, inwieweit die Psychoanalyse als Form von Therapie und medizinischer Heilkunst geeignet ist, Straftäter zu „heilen“, das heißt ihre Straffälligkeit zu reduzieren. Berücksichtigt man allerdings die Erkenntnis, die insbesondere Sigmund Freud in „Das Unbehagen in der Kultur“ ausgearbeitet hat, dass eine Kultur mit ihren Normen vom Einzelnen immer auch den (oft schmerzvollen) Verzicht einfordert, auf das Ausleben seiner Triebe zu verzichten, dann wird klar, dass das, was wir Kultur nennen, zumindest auch auf dem Leid der Individuen aufbaut. (Ein Gastbeitrag von Thomas Galli, Bild von Diana K. Weilandt) Weiterlesen
„Wenn ich mit anderen spreche, dann höre ich zu und gebe vernünftige Antworten. Doch in mir läuft ständig ein zweites Band mit: Ich bin mit meiner Angst beschäftigt“, sagt eine Frau. Manchmal fühlen wir uns, als bestünden wir aus zwei Kistchen: Die obere Kiste ist sozusagen die „Kommunikationskiste“, die untere Kiste ist die, in der unsere ängstliche und depressive Seele sitzt. Es ist oft ein verzweifeltes Gefühl, das wir haben, wenn wir innerlich von unseren Nöten bedrängt werden und äußerlich normal kommunizieren müssen. Weiterlesen
In Schulen und Kindergärten sind man es oft: Wann immer sich ein Kind weh tut, gibt’s Cool Packs. Doch helfen sie wirklich oder stillen sie nur unser Verlangen, etwas zu tun? Eine Studie aus den USA aus dem Jahr 1994 zeigte an 131 Knie-operierten Patienten, dass diejenigen, die kühlten, keine Vorteile gegenüber den Patienten hatten, die nicht kühlten. Auch ein Tierversuch von 1975 zeigte, dass das Kühlen keinen oder gar einen nachteiligen Effekt hatte: Die Schwellung nahm unter Umständen sogar zu. Die Forscher erklärten es sich damit, dass durch die Kühle eine Ischämie (= Minderdurchblutung) entsteht, die dann eine erhöhte Durchlässigkeit der Gefäße zur Folge hat. Diese erhöhte Permeabilität (= Durchlässigkeit) könnte möglicherweise zu der stärkeren Schwellung geführt haben.Weiterlesen
Meistens hören wir die positiven Berichte von Menschen mit Nahtoderfahrungen (NTE, Near Death Experiences, NDE): Da gibt es gute Begleiter, viel Licht, nie gesehene Farben, unaussprechlich gute Gefühle und ein Verlassen des Körpers. Danach haben viele keine Angst mehr vor dem Tod. Doch etwa eine von fünf Nahtoderfahrungen sind erschreckende, grausame Erfahrungen, über die kaum jemand spricht (Bush und Greyson, 2014). Weiterlesen
Als ich meine Praxis eröffnete, sagte mir ein Nachbar: „Ich will aber nicht, dass hier jetzt die Verrückten durch unseren Hof rennen.“ Er hatte regelrecht Angst vor den Patienten, die zu mir kommen sollten. „Auf deinem Praxisparkplatz stehen aber coole Autos“, sagte mir ein anderer einmal, der erstaunt war, dass auch Menschen mit sogenannten psychsichen Störungen teure Autos fahren und erfolgreich sind.Weiterlesen
Ein Mädchen erlebt zu Hause Missbrauch, doch niemand weiß davon. In der Schule wird es gemobbt. Eine Anführerin gründet einen „Anti-(NameDesMädchens)-Club“ und animiert die anderen, sich mit ihr gegen das Mädchen zu verbünden. Eine grausame Geschichte, kürzlich gehört im Radio. Was da passiert, ist rätselhaft und kann doch auf verschiedenen Ebenen verstanden werden. Wir vermeiden oder verachten mitunter die Menschen, die Krankheiten oder Schicksale erlitten haben, vor denen wir uns selbst fürchten. Wenn wir diesen Menschen begegnen, können wir spüren, wie es sich anfühlen muss, etwas bestimmtes zu erleiden.Weiterlesen