Kaum glaubt der Psychoanalytiker, dass der Patient „Fortschritte“ macht, erzählt der Patient, dass es ihm plötzlich schlechter gehe als je zuvor. Es scheint, als würde der Fortschritt auf der einen Seite einhergehen mit einem Rückschritt auf der anderen Seite. Sigmund Freud beschrieb die „Negative therapeutische Reaktion“ in seinem Beitrag „Das Ich und das Es“ bereits im Jahr 1923.Weiterlesen

Die Zusammenhänge zwischen Psychoanalyse und Kriminologie sind zu vielfältig und komplex, um sie in einem Beitrag wie dem vorliegenden auch nur annähernd andeuten zu können. Spontan könnte man etwa daran denken, der Frage näher nachzugehen, inwieweit die Psychoanalyse als Form von Therapie und medizinischer Heilkunst geeignet ist, Straftäter zu „heilen“, das heißt ihre Straffälligkeit zu reduzieren. Berücksichtigt man allerdings die Erkenntnis, die insbesondere Sigmund Freud in „Das Unbehagen in der Kultur“ ausgearbeitet hat, dass eine Kultur mit ihren Normen vom Einzelnen immer auch den (oft schmerzvollen) Verzicht einfordert, auf das Ausleben seiner Triebe zu verzichten, dann wird klar, dass das, was wir Kultur nennen, zumindest auch auf dem Leid der Individuen aufbaut. (Ein Gastbeitrag von Thomas Galli, Bild von Diana K. Weilandt) Weiterlesen
„Wenn ich mit anderen spreche, dann höre ich zu und gebe vernünftige Antworten. Doch in mir läuft ständig ein zweites Band mit: Ich bin mit meiner Angst beschäftigt“, sagt eine Frau. Manchmal fühlen wir uns, als bestünden wir aus zwei Kistchen: Die obere Kiste ist sozusagen die „Kommunikationskiste“, die untere Kiste ist die, in der unsere ängstliche und depressive Seele sitzt. Es ist oft ein verzweifeltes Gefühl, das wir haben, wenn wir innerlich von unseren Nöten bedrängt werden und äußerlich normal kommunizieren müssen. Weiterlesen
Das Schwierigste, worüber man in einer Partnerschaft wohl sprechen kann, ist über die Beziehung selbst. Man denkt etwas über eine gemeinsame Szene, es ist einem etwas peinlich oder man denkt etwas Peinliches über den anderen – doch wie soll man es sagen? Loriot hat in seinem Sketch „Die Nudel“(Facebook) so gut auf den Punkt gebracht, wie schwierig es sein kann, im Moment zu sagen, was man am anderen oder an sich selbst entdeckt. „Da steht etwas zwischen uns“, sagen wir. In einer Partnerschaft taucht etwas auf, das man im Single-Leben für sich allein nicht hat: Ein zusätzliches inneres Kästchen, ein Raum in sich, in dem man über sich, den anderen und die Beziehung nachdenkt. Weiterlesen
Ein Mädchen erlebt zu Hause Missbrauch, doch niemand weiß davon. In der Schule wird es gemobbt. Eine Anführerin gründet einen „Anti-(NameDesMädchens)-Club“ und animiert die anderen, sich mit ihr gegen das Mädchen zu verbünden. Eine grausame Geschichte, kürzlich gehört im Radio. Was da passiert, ist rätselhaft und kann doch auf verschiedenen Ebenen verstanden werden. Wir vermeiden oder verachten mitunter die Menschen, die Krankheiten oder Schicksale erlitten haben, vor denen wir uns selbst fürchten. Wenn wir diesen Menschen begegnen, können wir spüren, wie es sich anfühlen muss, etwas bestimmtes zu erleiden.Weiterlesen
Verachtung ist ein Gefühlsgemisch. Es mag eine Mischung aus Enttäuschung, Angst, Häme, Schmerz und Ärger sein. Oft ist der Wunsch nach Distanzierung dabei: „Ich bin nicht so wie mein Vater oder meine Mutter. Ich bin nicht so rassistisch wie die da. Ich verachte die Mitläufer von damals.“ Weiterlesen
„Desperation is the feeling that a situation is so bad that no matter what you do, it will never get better“, heißt es auf paintedbrain.org („Verzweiflung ist das Gefühl, dass eine Situation so schlecht ist, dass sie – egal, was Du tust – niemals besser wird“). Verzweiflung erscheint als etwas zutiefst Inneres. Obwohl sie so stark ist, fällt es schwer, sie in Worte zu fassen. Weiterlesen
Stalking ist wie eine Art Sucht: Man beobachtet den anderen und will über jeden Schritt Bescheid wissen. Doch wie genau man den anderen auch beobachtet: Es gibt keine Beruhigung. „In unserer Beratungsstelle lernen Stalker, wie sehr sie dem anderen damit Angst machen“, sagt ein Therapeut im Fernsehen. Doch darüber, was mit dem Stalker selbst ist, wird viel zu wenig gesprochen. Wer stalkt, der versteht sich selbst nicht mehr. Dabei ist es wichtig, sich selbst zu verstehen, um mit dem zwanghaften, suchtartigen Verhalten aufhören zu können. Stalking ist eine Frage der Beziehung. Weiterlesen
„Du bist ja hysterisch!“, werfen Männer manchmal ihren Frauen vor. „Hystera“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gebärmutter“. Jeder Mensch kann in einer Überforderungssituation heftig reagieren. Doch hysterische Persönlichkeitszüge können den Betroffenen viele Schwierigkeiten bereiten, wenn sie zu stark ausgeprägt sind. Die Betroffenen leiden aus klassischer Sicht besonders stark unter Körperreaktionen (von Reizdarm bis Hyperventilation), die sie selbst nicht beherrschen und die auch von anderen nicht eingeordnet werden können. Die Hysterie kann mit vielen Störungen wie z.B. der Hypochondrie, eng verknüpft sein. Weiterlesen
Das Schlimme hat so einen Sog. Dieser Lärm, verursacht durch das eigene Schreien. Diese Stille, verursacht durch alle, die schweigen. Diese Wut und diese Rachsucht auf alle, die nicht verstehen, die nicht gesehen haben und die auch heute nicht wissen, was sie tun. Das Schlimme zieht mich immer wieder an. Ich gleite hinein. Ich suche es und kann es doch nicht akzeptieren, nicht aushalten. Was heißt un-aus-haltbar überhaupt? Dass man sterben möchte, aber nicht kann? Ein Schwebezustand, in dem es nicht vor und nicht zurück geht. Man solle vertrauen. Alles sei auszuhalten. Sagen die, die noch nie das Nicht-Aushaltbare erlebt haben. Weiterlesen