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Tandem-Modus und Spiegel-Modus in der Kommunikation

Wenn wir uns in der Kommunikation gegenüber sitzen (Face-to-Face), dann kommunizieren wir im Spiegel-Modus (englisch: Mirror-Image Prototype bei Hill, 1978). Schauen wir uns zusammen einen Film an oder gehen wir spazieren und sprechen dabei, kommunizieren wir im Tandem-Modus (englisch: In-tandem prototype), weil wir beide in die gleiche Richtung schauen. Psychotherapien finden oft im Spiegel-Modus, also im Gegenüber-Sitzen statt, während Psychoanalysen auch im Tandem-Modus, also im Liegen auf der Couch durchgeführt werden, sodass Patient und Analytiker beide zum Fenster herausschauen können.Weiterlesen

Apophänie: wenn man rasch Zusammenhänge und Bedeutungen sieht, wo keine sind (Psychose-Serie)

Im Film „A Beautiful Mind“ (2001) spielt der Schauspieler Russel Crowe den genialen Mathematiker John Nash (1928-2015, Wikipedia), der mit 30 Jahren an Schizophrenie erkrankt, sich später davon aber erholt. John Nash sieht im Film z.B. in Sternenbildern bedeutsame Muster. Er erkennt aus rätselhaften Zahlen im Pentagon, dass es sich um die Zahlen von Breitengraden halten muss. Die Grenze zwischen dem sinnvollen Erkennen von Zusammenhängen, die vorher nicht gesehen wurden und „Zusammengesponnenem“ ist oft schmal. Wann immer wir aus einzelnen Erlebnissen oder Elementen, die gar nicht zusammenhängen, Muster herstellen, die uns etwas erklären, erleben wir eine Apophänie – oder auch eine Schizophrenie. Beispiel: Wir sehen in allen dritten und vierten Buchstaben der Autonummernschilder einer Stadt eine zusammenhängende Bedeutung. Weiterlesen

Hyperreflexivität: das zu starke Nachdenken über sich selbst bei psychischen Störungen

Wenn wir „reflexiv“ sind, dann sind wir nachdenklich. Wenn wir sehr viel über uns nachdenken, dann sind wir „hyperreflexiv“. Eigentlich ist es kein „Nachdenken“, sondern ein fruchtloses Grübeln. Wenn wir unter einer psychischen Erkrankung leiden, dann scheint uns unser Leiden dazu zu zwingen, nur über unsere eigenen Sorgen nachzudenken, während die anderen Menschen unwichtiger werden. Wenn wir Zahnweh haben, sind uns die Rückenschmerzen des anderen egal. Auch über das, was wir gesagt und getan haben, verfolgt uns – wir fühlen uns schuldig und können dem anderen kaum zuhören. (Text & Bild: Dunja Voos)Weiterlesen

Präreflexives Selbstbewusstsein: das ganz normale Erleben vor dem Erzählen

Unter dem „präreflexivem Selbstbewusstsein“ (pre-reflexive self-consciousness) versteht man das bewusste Erleben, bevor wir darüber nachdenken. In der Stanford Encyclopedia of Philosophy heißt es (frei übersetzt von Voos): Das präreflektierende Selbst-Bewusstsein ist da, wann immer ich durch eine Erfahrung gehe, das heißt, wann immer ich die Welt bewusst wahrnehme. Dazu gehört z.B. die Erinnerung an ein vergangenes Ereignis, die Vorstellung eines zukünftigen Ereignisses, das Denken eines gerade auftretenden Gedankens. Auch Traurig- oder Fröhlichsein, Durst- oder Schmerzenhaben, gehören dazu.“Weiterlesen

Ich und mein Körper: Wir werden alt

Eines Morgens hörte ich im Deutschlandfunk einen Essay, der davon handelte, dass kaum jemand etwas über den alternden Körper der Frau schriebe. Erst wenn man bei der Google-Suche das Wort „Altern“ durch „Alzheimer“ ersetze, könne man fündig werden. Und ich dachte darüber nach, wie es eigentlich ist mit dem Altwerden. Häufig habe ich das Gefühl, im Außen nicht das zu finden, was ich selbst erlebe. Da loben viele das Buch von Sheila de Liz: „Woman on Fire“ (Rowohlt, 17. Auflage 2023). Beliebt ist auch die Apothekerin und Hormoncoachin Ann-Katrin Pause. Weiterlesen

Zwangsgrübeleien sind wie gestörter Schlaf am Tag: Du magst das fokussierte Bewusstsein nicht aufgeben

Wir träumen nicht nur in der Nacht. Auch tagsüber nehmen wir oft träumerische Zustände ein (mehr dazu bei Bion). Vieles geht tagsüber automatisch. Wir bekommen streckenweise nicht mit, dass wir gerade verträumt irgendwo hinblicken. Wir bewegen uns selbstverständlich, müssen nicht über jeden Schritt nachdenken, machen unseren Schreibkram und fahren Auto. Bei Zwangsgrübeleien ist dieses ruhige Leben jedoch wie ausgeschaltet. Der, der an Zwängen leidet, fühlt sich wie permanent wach und „bewusst“ und findet keine Ruhe. Wenn Du an Zwangsgedanken leidest, fällt es Dir wahrscheinlich schwer, einmal vom bewussten Denken abzulassen und in die Träumerei (Reverie) überzugehen. Vielleicht hast Du das Gefühl, Du müsstest immer aufpassen – und das macht Dich fertig. Weiterlesen

Das „Innere-Kind-Konzept“ ist streckenweise hilfreich

Das Arbeiten mit dem „inneren Kind“ ist spätestens mit dem Buch „Das Kind in Dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl (Kopp-Verlag, 2015) bekannt geworden. Es bedeutet, dass man sich selbst eine gute Mutter sein kann und die inneren Ängste und Regungen auch als etwas versteht, das aus der Kindheit erwachsen ist. Durch dieses Konzept gewinnst Du Abstand zu Dir selbst. Es kann sehr hilfreich sein, z.B. wenn Du Angst hast. Dann kannst Du Dir zum Beispiel sagen: „Ein Teil von mir hat Angst, mein inneres Kind hat Angst. Ich habe als Kind erlebt, wie meine Mutter mich anschrie und jetzt habe ich Angst, dass meine neue Vorgesetzte mich genauso anschreien könnte. Ich kann meine Angst in meine Hände legen, mein inneres Kind an die Hand nehmen und zusammen mit dieser Angst ins Bewerbungsgespräch gehen.“ Weiterlesen

John Bowlby: Bindungstheorie (Attachment Theory) und Bindungsstile

Sobald ein Ungeborenes das Licht der Welt erblickt, nimmt es Kontakt zur Mutter auf. Seine Stimme und Blicke erreichen sie und die Mutter weiß intuitiv, was zu tun ist. Dieses angeborene Bindungsverhalten sichert uns seit jeher das Überleben. Der britische...

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Pötzl-Phänomen: Wahrnehmung unterhalb der Reizschwelle

Unter dem Pötzl-Phänomen, benannt nach dem österreichischen Psychiater Otto Pötzl (1877-1962), versteht man das Auftauchen von Bildern in Träumen, die aus kurz dargebotenen Bildern im Wachzustand stammen. Man spricht auch von „subliminaler Wahrnehmung“, weil man unbewusst einen Reiz wahrgenommen hat, der unter der Reizstärke lag, die ein Reiz haben müsste, um direkt ins Bewusstsein zu gelangen. Das Thema „subliminale Wahrnehmung“ ist bei vielen Menschen mit einem unguten Gefühl behaftet. Viele kennen die Versuche mit subliminaler Limonaden-Werbung im Kino oder mit Filmen, durch die ein Affe läuft, der von den meisten Zuschauern nicht direkt wahrgenommen wird. Weiterlesen

Buchtipp: War das schon alles? Babyboomer jenseits der Lebensmitte

Marie-Luise Hermann ist promovierte Diplom-Psychologin, Psychoanalytikerin und Autorin. Sie arbeitete bis 2022 als Oberpsychologin in der Schweizer Privatklinik Clienia Littenheid. Geboren 1966, schreibt sie nun aus der Warte einer Frau, die sich selbst fast noch zu den Babyboomern (1955-1964 Geborene) zählen kann. Ich bestellte das Buch, nachdem ich in der Buchbeschreibung den Satz las, dass man die „Kraft verschütteter Wünsche freisetzen“ könne. Zusammen mit dem – wie ich finde – sehr ansprechenden Cover und dem Titel „War das schon alles?“ war meine Lust auf dieses Buch geweckt. Ich habe dieses sehr dichte Buch verschlungen und konnte mich in vielem wiederfinden. Der Vergleich mit anderen, das Gefühl, im Mittendrin zu sein und nun die Lebensjahre auch vom möglichen Ende her zu zählen, das „große Gähnen des Überdrusses“ (S. 35) und vieles andere sprach mich an. Weiterlesen