Die Nasenscheidewand-OP ist häufig unnötig

Wer vor einer Nasenscheidewand-Operation steht, fragt sich oft, ob das wirklich notwendig ist. Dass die Nasendurchgänge „zu eng“ seien, ist ein beliebtes Bild. Doch wer Yoga macht, kennt sich besser mit der Nase aus. Wenn wir unsere Nase kennenlernen wollen, dann müssen wir uns mit ihr beschäftigen. Viele Menschen nutzen Nasentropfen, die die Schleimhäute abschwellen lassen, damit sie wieder Luft bekommen. Doch um die Nase wieder in ihrem natürlichen Verhalten kennenzulernen, ist es hilfreich, sich von den Nasentropfen zu entwöhnen.

Wer Yoga und damit klassische Atemtechniken erlernt, der bekommt ein ganz neues Gespür für seine Nase. Eine einfache Übung ist es, einmal die Luft am Naseneingang zu beobachten: Wie fühlt sie sich an? Ist sie kühl, wenn sie in die Nase kommt? Kommt sie eher durch das rechte oder durch das linke Nasenloch? Strömt sie an den Nasenflügeln vorbei oder eher mittig an der Wand entlang?

Die Nasenlöcher wechseln sich ab

Etwa alle zwei Stunden wechseln sich die Nasenlöcher in ihrer Aktivität ab. Du kannst einmal darauf achten, welches Nasenloch Dir gerade enger erscheint. Schau in zwei Stunden nochmal, ob sich etwas verändert hat. Vielleicht bekommst Du morgens um sieben besser Luft durch das linke Nasenloch und um 10 Uhr besser durch das rechte. Vielleicht stellst Du sogar fest, dass Du Erkältungs-artige Symptome bekommst, kurz bevor Deine Regel beginnt. Die Nase kann zu Beginn der Regel regelrecht „zu“ sein (siehe Nasale Reflexneurose).

Wenn Du Dich erkälstest, fließt in den ersten Tagen wässriges (seröses) Sekret aus der Nase. Wenn Du auf Deinen Bauch achtest, merkst Du, dass er ebenfalls „wässrig“ gluckert. Auch die Darmschleimhaut scheint mehr wässriges Sekret abzugeben. Nach etwa drei Tagen kannst Du Schleim in Dein Taschentuch schnauben – der „seröse“ Schleim ist „mukös“, also „schleimig“ geworden. Oft fühlt man sich dann schon wieder etwas besser. Das furchtbare Anfangs-Kratzen im Hals ist dann zurückgegangen.

Wenn wir meinen, kaum Luft durch die Nase zu bekommen, kann es sein, dass die objektive Messung (Rhinomanometrie) anzeigt, dass da genügend Luft durchkommt – und umgekehrt. Die objektiven Befunde stimmen mit den subjektiven nicht immer überein (Hardcastle et al. 1988).

Erstaunliches

Achte auch mal nachts, wenn du aufwachst, auf Deine Nase. Wenn Du Heuschnupfen hast, merkst Du, wie Du beim Zubettgehen niesen musst. Doch nach einer Weile beruhigt es sich. Auch einige Zeit nach dem Aufwachen kommt der Niesreiz erneut. Doch während des Schlafs ist der Körper ruhig, es gibt kein Niesen. Auch die ersten Momente nach dem Aufwachen können noch ruhig sein. Das heißt: Eine gute Methode bei Heuschnupfen ist, seinen Körper möglichst in einen so ruhigen Zustand zu verbringen, der dem Schlaf ähnelt. Das gelingt z.B. durch spezielle Atemtechniken beim Yoga, was man jedoch täglich üben muss, um die Effekte zu spüren.

Die Nase ist mit unser kältestes Körperteil. Wenn wir sie zwischendurch bewusst wärmen, können wir damit Erkältungen vorbeugen und wir fühlen uns besser.

Die Nase kennenlernen

Wenn wir uns so mit unserer Nase anfreunden und sie kennenlernen, dann merken wir: Unsere Nase ist ein lebendiges, bewegliches Organ. Sie verändert sich ständig. Wenn die Nasengänge angeblich „zu eng“ sind, wirst Du dennoch feststellen, wie Du in manchen Momenten problemlos Luft bekommst durch eben diese angeblich engen Gänge. Das heißt: Wenn die problemlose Atmung für Sekunden möglich ist, dann ist kann sie auch für längere Zeit möglich sein. Wir können unsere Nase tatsächlich auch „trainieren“.

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Studien:

Navid M. Toyerskani and Thomas Frisch (Dänemark, 2011):
Are too many septal deviations operated on?
A retrospective patient’s satisfaction questionnaire with 11 years follow-up.
Rhinology 50: 185-190, 2012. DOI:10.4193/Rhino11.218, October 10, 2011 (PDF)

„Physical examination and various quantitative measures of the nasal airway do not necessarily correlate with symptoms.“
Hardcastle PF, White A, Prescott RJ. Clinical or rhinometric assessment of the nasal airway – which is better? Clin Otolaryngol Allied Sci. 1988; 13: 381-385. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1365-2273.1988.tb00770.x

Dieser Beitrag erschien erstmals am 13.3.2020
Aktualisiert am 26.7.2023

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