Alleinerziehend: „Die Väter zahlen nie genug“

„Die Väter zahlen in 90% der Fälle nicht den Kindesunterhalt, den sie gemessen an der Düsseldorfer Tabelle eigentlich zahlen sollten“, erklärt eine Beraterin des Jugendamtes. Kaum eine alleinerziehende Mutter, die nicht darüber klagt, dass der Vater zu wenig zahlt. Wie kommt das? Väter wollen für ihre Familie sorgen. Es ist ebenso ein „Ur-Instinkt“ wie der Wunsch der Mutter, ihr Kind zu ernähren.

Viele Väter erhöhen nach der Geburt ihr Arbeitspensum und machen sich viele Gedanken darum, wie es möglich werden kann, dass die Mutter nicht arbeiten muss und dass dem Kind viele Möglichkeiten offen stehen. Kommt es zur Trennung und bleibt das Kind bei der Mutter, leiden die Väter meistens enorm darunter, auf einmal drastisch weniger Kontakt zum Kind zu haben.

Die Bindung wird unterbrochen

Manche Väter haben noch nicht einmal das Sorgerecht für ihr Kind oder sie bekommen es entzogen. Viele Väter dürfen ihr Kind nur dann sehen, wenn es ihnen erlaubt ist. Das ist vollkommen unnatürlich. Die natürliche Bindung wird hier unterbrochen und dieser Bindungs-Bruch ist ebenso schmerzhaft wie ein körperlicher Schmerz.

Viele Mütter und Väter sind gerade am Anfang einer Trennung unglaublich verzweifelt. Mutter und Vater haben Angst voreinander und oft ist es die Mutter, die die Symbiose mit dem Säugling oder Kind verstärkt und sich weiter zurückzieht. Auch das ist in der psychischen Welt der Mutter ein psycho-logischer Schritt. Für die Väter aber ist das Kind, eben auch ihr Herzblut, erstmal schwer oder ganz unerreichbar geworden.

Zerbrochene Herzen

Das „Broken Heart Syndrome“ ist eine Erkrankung, bei der sich die Herzgefäße zusammenkrampfen, ohne dass sie – wie bei einem echten Herzinfarkt – verstopfen. Viele Eltern berichten in der stressigen Trennungszeit von Herzschmerzen. In der Tat reagiert auch das Herz auf die Trennung. Dem Vater wird also – bildlich gesprochen – das Kind, ein Stück seines Herzens, entrissen und gleichzeitig wird von ihm gefordert, er solle Geld an Mutter und Kind zahlen. Was bedeutet das?

Entsorgen und versorgen

Aus dem Familienvater und Versorger wird auf viele Weise ein „entsorgter Vater“. Der Vater, der weiterhin Geld an Mutter und/oder Kind zahlen soll, fühlt sich wie ausgelaugt. Er hat zunächst das Wichtigste in seinem Leben verloren, nämlich sein Kind, und soll dann auch noch dafür zahlen.

Die materielle, reale Welt von Mutter und Kind sei hier einmal außen vorgelassen, um die psychische Welt des Vaters anzuschauen. Auch der Vater möchte psychisch „satt“ sein – doch von ihm wird nur Entbehrung verlangt. Auch er möchte aus psychologischer Sicht etwas einbehalten.

Verzweiflung

Jeder Vater verarbeitet die Trennung anders. Manche Väter verspüren einen so großen Schmerz, dass sie sich ganz abwenden vom Kind. Andere engagieren sich bis zur Kraftlosigkeit und kämpfen um die Beziehung zum Kind. Nicht selten erhalten sie dann den Vorwurf, sie würden Mutter und Kind stören und sie seien Stalker. Manche verfallen in eine Art Depression und zeigen sich „gleichgültig“.

Sowohl Vater als auch die Mutter haben das Gefühl zu kurz gekommen zu sein. Es sind fast immer beide, denen „etwas fehlt“.

Die Väter bieten ihren Kindern viel

Doch die Väter gleichen viel aus, was die Mutter in ihrer finanziellen Not zu Hause nicht sieht. Ist das Kind beim Vater, ist oft alles ganz anders. Manche Väter sind aus Sicht der Mütter auch dann noch „geizig“. Andere Väter aber bieten ihren Kindern Urlaube, kaufen Kleidung, haben hohe Kosten durch Fahrten zum Kind, höhere Mietkosten durch Halten eines Kinderzimmers und vieles mehr. Ist das Kind beim Vater, fällt es ihm leicht, Geld für sein Kind auszugeben, weil in dieser Zeit das Mangelgefühl aufgehoben oder zumindest gelindert ist.

Verstehen

Für den Vater ist das Geld oft das einzige „Steuerungsmittel“, das ihm in seiner Ohnmacht zur Verfügung steht. In jeder getrennten Familie sieht es anders aus. Doch hinter dem Satz „Die Väter zahlen zu wenig“ stehen die verschiedensten Schicksale. Aus psychologischer Sicht spielen sich dramatische Szenen ab. Jugendamtsmitarbeiter, Erzieher, Rechtsanwälte und andere Beteiligte können diese Dramen verstärken. „Father hunting“ ist ein guter Begriff, den ich das erste Mal in Hans Hopfs Buch „Die Psychoanalyse des Jungen“ gelesen habe. Damit sind unter anderem die Schuldzuweisungen und Verurteilungen gemeint, von denen die Väter heute reichlich erhalten.

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2 thoughts on “Alleinerziehend: „Die Väter zahlen nie genug“

  1. Dunja Voos sagt:

    Liebe Frau S.,

    herzlichen Dank für Ihren Kommentar!
    Die vielen Fragezeichen, vor denen man als Mutter steht, machen unruhig und verzweifelt.
    Ich möchte Ihnen einmal ein paar Ideen zu dem geben, was Sie geschrieben haben:

    “ Bei der Scheidung setzte das Gericht den Umgang auf jedes 2. Wochenende Sonntag 4 Std. fest. Beginnend mit dem kommenden Wochenende. Er war einverstanden.“
    Ich denke, er war resigniert. Man stelle sich vor, man darf das eigene Kind nur jedes 2. Wochenende für 4 Stunden sehen. Das verursacht Hass, Ohnmacht und Verzweiflung. Und es macht es unmöglich, eine Bindung zu dem Kind aufrecht zu erhalten. In der Psychotherapie weiß man, dass man die Patienten 2-, 3- oder gar 4-mal pro Woche sehen muss, damit Bindung wirksam wird. Ich stelle mir vor, dass der Vater so starken Schmerz empfunden hat, dass er es vorzog, gar keinen Kontakt mehr zu haben. Vielleicht spiegelt es sich hierin wider:
    „zum Gedenkgottesdienst mit seiner Mutter für seinen vor 14 Jahren verstorbenen Vater.“ Da ist ein Vater verstorben und zwar vor 14 Jahren. Vielleicht ist er innerlich auch als „Vater gestorben“, weil alle 14 Tage Kontakt nach Vorschrift zu wenig sind.

    Und doch kämpft er:
    „Allerdings verklagt er mich gerade das 3. Mal auf Vollzeitarbeit.“ Vielleicht ist es sein Wunsch, dass sie ebenfalls weniger Kontakt zu Ihrem Kind haben. Sein Schmerz ist möglicherweise so groß, dass er Ihnen die „viele Zeit“ mit Ihrem Kind nicht gönnen kann.

    Das sind nur Ideen – sie müssen nicht stimmen. Ihnen selbst geht es sicherlich ebenfalls schlecht in all diesen Kämpfen. Auch Sie wollen verstanden werden. Aber das Verstehen von Vater und Mutter kommt oft zu kurz und führt dazu, dass sich beide in einen schmerzvollen Kampf begeben. Der Hintergrund ist aber fast immer die Liebe zum Kind und die Angst, das Kind real und/oder gefühlsmäßig zu verlieren.

  2. Y. S. sagt:

    Sehr geehrte Frau Voss,
    bei uns ist es genau anderes herum. Der Vater zahlt pünktlich. Gab dem Jugendamt seinen Unterhaltstitel erneut ab. Dafür haben wir von ihm keine Telefonnummer, außer vom Arbeitsplatz, wo er seine Assistentin die Telefonate abfangen lässt. Bei der Scheidung setzte das Gericht den Umgang auf jedes 2. Wochenende Sonntag 4 Std. fest. Beginnend mit dem kommenden Wochenende. Er war einverstanden. Wir wurden endlich geschieden. Am Freitag kam eine Email, er müsste seine Steuererklärung machen und zum Gedenkgottesdienst mit seiner Mutter für seinen vor 14 Jahren verstorbenen Vater. Ich fuhr die Kinder hin und holte sie am Nachmittag vor dem Gottesdienst wieder ab. Das ist nun 9 Jahre her. Die Kinder hat er nie wieder nehmen wollen und rief nie wieder an. Er zahlt wir sind nur Sollbeträge auf seinem Kontoauszug. Allerdings verklagt er mich gerade das 3. Mal auf Vollzeitarbeit (sogar schon bei OLG Bamberg 2010)und versteht nicht, dass ich als jetzt 50 Jährige einfach nie wieder das verdiene wie in der Ehezeit ohne Kinder oder davor. Damit lebt er Streitmacht aus und er sollte eigentlich wissen, dass uns meine Anwaltskosten schon den hälftigen Unterhalt eines Kindes im Jahr kostet. Und seine Kosten auch noch dazu damit hätte er 1 Jahr meinen Aufstockungsunterhalt wieder drinnen. Also Steuerungsmittel sind das nicht gegenüber der Kinder sondern mir gegenüber die sich bei uns auswirken. Er ist übrigens wieder seit 2010 verheiratet und ich denke glücklich. Manchmal Frage ich mich was habe ich ihm angetan, dass er seine Kinder nicht sehen will? Denn die trifft gar keine Schuld!

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