Die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) hängt oft mit extremen Gewalterfahrungen in der frühen Kindheit zusammen. Die DIS aus psychanalytischer Sicht.

Wenn Du etwas Einschneidendes erlebst, z.B. einen Unfall, bemerkst Du vielleicht, wie in Dir zwei Filme ablaufen: Einerseits kannst Du klar denken, andererseits merkst Du, dass Du vielleicht wie betäubt und weggetreten bist.

Wenn wir einen schweren Unfall haben, empfinden wir vielleicht kaum Schmerzen – oder wir erinnern uns später nicht mehr daran. Obwohl unter Dissoziation oft etwas Krankhaftes verstanden wird, so ist die Fähigkeit zur Dissoziation auch eine Stärke, die uns in extremen Situationen schützt. „Dissoziation“ heißt wörtlich „Auseinanderfallen“. Bei der Dissoziation gehen Denken und Fühlen auseinander. Besonders häufig von Dissoziationen betroffen sind schwer traumatisierte Menschen.

Die Dissoziation kann uns davor bewahren, von zu starken Gefühlen übermannt zu werden. Mit der Dissoziation ist es manchmal vielleicht wie mit unseren nächtlichen Träumen: Sie geschehen uns. Wenn Du etwas Schlimmes erlebt hast und es war zu viel (es hat Deine „Reizverarbeitungskapazität überschritten“, Spitzer/Freyberger, S. 400), dann kannst Du vielleicht detailliert von dem Geschehen erzählen, doch empfindest Du nichts dabei. Die Gefühle, die man bei den Erzählungen erwarten würde (z.B. starke Angst oder Scham), scheinen nicht da zu sein.

Weiterlesen als Mitglied.

Jetzt Mitglied werden

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Links:

Michael J. Diamond (2020): Return of the repressed: Revisiting dissociation and the psychoanalysis of the traumatized mind. Journal of the American Psychoanalytic Association, Vol. 68, Issue 5, Okt 2020: journals.sagepub.com … , doi.org/… „Because psychoanalysis had “repressed” the salience of dissociation as actively motivated (though passively experienced), an unnecessary schism has occurred between trauma theories and mainstream North American psychoanalysis, and within psychoanalysis itself. … it is necessary to comprehend the triadic nature of trauma, which entails economic/drive, structural conflict and deficit, and object-relational factors. For a treatment model that addresses defensive dissociation in the here and now, primary and secondary dissociation must be distinguished, with each differentiated from splitting and repression. Technique requires addressing unconscious, repressed fantasies associated with the “trauma,” object-relational patterns that interfere with linking, and psycho-economic issues that have disrupted ego functioning.“

Grossmark, R (2016):
Psychoanalytic companioning. Psychoanalytic Dialogues 22(6): 629-646

Danielle Knafo, Michael Selzer (2024):
From Breakdown to Breakthrough. Psychoanalytic Treatment of Psychosis. Routledge, 2024

Über die dissoziative Identitätsstörung erzählt „DieBonnies“ auf Instagram.

CB Brenneis (1994):
Memories of childhood sexual abuse. Joural of the American Psychoanalytic Association 42: 1027-1053

aufgeklaertdiestimmederbetroffenen.blogspot.com

Alexander Jatzko (Juni 2024):
Traumafolgestörungen in der Bildgebung. doi.org/10.13109/leid.2014.3.1.12 , vr-elibrary.de/…: „Bei der Posttraumatischen Belastungsstörung zeigt sich, dass Bereiche des bewussten Denkens bei Konfrontation mit dem Trauma weniger durchblutet und damit weniger aktiv sind.“

Ira Brenner 1994:
The dissociative character: A reconsideration of „multiple personality“. Journal of the American Psychoanalytic Association 42: 819-846. DOI: 10.1177/000306519404200307 , pubmed… : „He (Brenner) redefines dissociation as a defensive altered state, due to autohypnosis, which augments repression or splitting. Depending on the degree of integration of the ego, it may result in a broad range of disturbances of alertness, awareness, memory, and identity. Four vignettes are presented which illustrate a transient hypnoid state, „characterological“ dissociation in an upper-level dissociative character, and two cases of MPD, including one emerging in analysis.“

Grayson, R. S. (2002)
Dissociation of Trauma: Theory, Phenomenology, and Technique. Ira Brenner, M.D. Madison, CT: Int. Univ. Press, 2001. 270 pp.. Psychoanalytic Quarterly 71:833-837, pep-web.org/… : „Brenner has been studying and treating these patients with an intensive, analytically based approach for over twenty years. He states that he has evaluated or treated more than 300 patients with DID. He presents his seasoned ideas about many aspects of dissociative disorders, well supported by clinical data.“

Leben mit dissoziativer Identitätsstörung. ARTE, youtube.com…

International Society for the Study of Trauma and Dissociation. www.isst-d.org

Dissociative Experiences Scale

Jörg M. Fegert und Frank Urbaniok (2024):
Ritueller sexueller Missbrauch. Der Nervenarzt, Volume 95, pages 1071-1078 (2024), Open Access
link.springer.com/…: „Teilweise wird von Therapeut:innen eine QAnon-ähnliche Ideologie vertreten. Demnach soll eine geheime, im Untergrund arbeitende (satanische oder anders weltanschaulich geprägte) sektenähnliche Organisation aus ideologischen Gründen systematisch Kinder quälen,missbrauchen und töten. Es gibt trotz zahlreicher Ermittlungsverfahren bislang keinen einzigen Fall, in dem sexuelleMissbrauchshandlungen aus ideologischen Motiven durch eine mächtige subversiv arbeitende Organisation nachgewiesen wären.“

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist vojtatherapie_bei_babys_ein_aufschrei_klein-1.jpg

Dunja Voos:
Vojta-Therapie bei Babys – ein Aufschrei. Hilfe bei einem speziellen Trauma. Selbstverlag, Februar 2021, amazon

Sigmund Freud: „Sie finden bei Janet eine Theorie der Hysterie, welche den in Frankreich herrschenden Lehren über die Rolle der Erblichkeit und der Degeneration Rechnung trägt. Die Hysterie ist nach ihm eine Form der degenerativen Veränderung des Nervensystems, welche sich durch eine angeborene Schwäche der psychischen Synthese kundgibt. Die hysterisch Kranken seien von Anfang an unfähig, die Mannigfaltigkeit der seelischen Vorgänge zu einer Einheit zusammenzuhalten, und daher komme die Neigung zur seelischen Dissoziation. “ Sigmund Freud: Über Psychoanalyse, 1910, Projekt Gutenberg

Ruth Riesenberg-Malcolm:
Unerträgliche seelische Zustände erträglich machen. Psychoanalytisches Arbeiten mit extrem schwierigen Patienten. Verlag: Stuttgart, Klett-Cotta, 2003, zvab.com

Dissoziative Identitätsstörung: Interview mit Psychotherapeutin Michaela Huber, youtube.com/…

Andreas Mokros
Rituelle sexuelle Gewalt. Eine kritische Auseinandersetzung mit fragwürdigen empirischen Belegen für ein fragliches Phänomen. Psychologische Rundschau, Volume 75, Issue 3, Juli 2024
doi.org/… , econtent.hogrefe.com/…

Richard Kluft:
The Psychoanalytic Psychotherapy of Dissociative Identity Disorder in the Context of Trauma Therapy
Psychoanalytic Inquiry, Vol. 20, 2000, Pages 259-286, doi.org/… , www.tandfonline.com/… : „Psychoanalysis and the study of dissociation and the dissociative disorders have had a long, if uneasy, uncomfortable, and often mutually avoidant relationship (Berman, 1981; Kluft, 1995b). Ernest Jones (1953) reports that the index case of the „Studies on Hysteria“ (Breuer and Freud, 1893-1895), Fraulein Anna O, suffered a condition with ‚the presence of two distinct states of consciousness: one a fairly norlmal one, the other that of a naughty and troublesome child‘ … Breuer and Freud initially hypothesized that ‚the splitting of consiousness which is so striking in the well-known classical cases under the form of ‚double consciousness‘ is present to a rudimentay degree in every hysteria …“

Richard David Precht:
Wer bin ich und wenn ja wie viele? Goldmann-Verlag, Neuauflage 2024. amazon

Es waren viele Männer – und die Mütter. Zwei Frauen berichten von sadistischer Gewalt, die sie als Kinder ­erlitten. Über Jahre. Sie sagen: Hätten Menschen genauer hingesehen, hätten sie etwas bemerken können.
Christine Holch (Text), Patricia Morosan (Foto), 25.02.2019, chrismon.de/…

Die Nickies – ein Blog von vielen. einblogvonvielen.org/…

Beitrag vom 21.4.2026 (begonnen am 29.12.2012)

4 thoughts on “Die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) hängt oft mit extremen Gewalterfahrungen in der frühen Kindheit zusammen. Die DIS aus psychanalytischer Sicht.

  1. Sumsi sagt:

    ….eine DIS ist KEINE Krankheit,es wird nur leider immer wieder so hingestellt…..von DIS Menschen kann man vieles lernen!
    Man sollte diese Menschen besser „ehren“ anstatt sie durch Unkenntnis zu stigmatisieren!!
    Das musste nun mal „gesagt“werden.

    Frdl.Gruesse

  2. Riabe sagt:

    Schade, dass hier nur das steht, was auf Wikipedia und 2000 anderen Seiten ebenfalls über die DIS zu finden ist.
    Bei der PTBS erwähnen Sie, dass das Wort „Störung“ eigentlich nicht passt. Das tut es hier auch nicht. Dissoziative Identitätsstruktur wäre mMn treffender. Denn es ist ja eben jene, welche dissoziativ ist, und nicht gestört: im Gegenteil, manche Identitätsabspaltungen sind sogar sehr gesund.
    Vielleicht kommt ja irgendwann ein Text dazu, der es erlaubt, ihn an Freunde und Verwandte zu schicken; um die DIS für „Fremde in der Fachsprache“ verständlich zugänglich zu machen, ohne eigene Geschichte einweben zu müssen.
    Ich wäre sehr froh darum. Denn obwohl vertraut mit Fachdeutsch und der Diagnose, bzw Psychoedukation, ist es enorm schwierig, die eigene Lebensrealität zu erklären, ohne sich zu sehr zu offenbaren. Die DIS überfordert, meiner Erfahrung nach, nämlich auch die besten Freunde…

    Freundliche Grüsse
    RiaBe

  3. Polyperson sagt:

    Ist es möglich, dass meine Innies sich Geschichten ausdenken, die meinen in ihn steckenden Gefühlen eine Form geben, die mich die Gefühle aus der Distanz fühlen lässt, ohne mir weh zu tun?

  4. Melinas sagt:

    Ja, das ist wahr – so habe ich es in meinem Blog auch beschrieben. Ich finde in meinen selbstgeschriebenen Geschichten mich – auf eine neue Weise – sozusagen die Gefühle dazu, die ich damals irgendwie scheinbar nicht fühlte oder irgendwo weggesperrt waren. Es sind Puzzleteile, die ich da finde. Im Buch „Weltenchaos“ sind da viele davon drin – auch verschachtelt. Aber noch mehr von diesen Gefühlszuständen-Geschichten habe ich in letzter Zeit geschrieben. Sozusagen eine Art Biographie in Geschichten – meiner.

Schreibe einen Kommentar