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Unter Verdacht

Das Kind, es durfte nie die Tür zumachen. Es wurde älter und entdeckte sich selbst. Der Vater, er kam immer hinein. Wut stieg auf in dem Kind. Es durfte nie allein sein. Eines Tages schloss es die Tür ab. Aber es schämte sich sehr. Wenn die Tür zu ist, so dachte es, weiß der Vater, was ich tue. Das Kind schämte sich, den Vater auszuschließen. Die Gedanken des Vaters waberten durch die verschlossene Tür. Das Kind war unter Verdacht. Noch mehr, als entdeckt zu werden, schämte es sich, die Tür zu verschließen. Die Scham wuchs und wuchs. Entdeckt werden wollte das Kind nicht. Verdächtigt werden auch nicht. Die Türe abzuschließen hätte Entdecktwerden bedeutet. Das Kind sah keine Lösung. Also vergrub es seine Sexualität. Bis heute.Weiterlesen

Psychosen verstehen, Psychopharmaka absetzen – wer kennt sich aus? (Psychose-Serie 7)

Wer in der Psychiatrie die Medikamenteneinnahme verweigert, hat oft einen schweren Stand. Ärzte und Therapeuten werfen den Patienten mitunter vor, sie könnten nicht vertrauen, sie hätten keine Krankheitseinsicht, sie würden sich trotzig wie ein Kind benehmen und vieles mehr. Zum Glück gibt es Psychotherapeuten wie den New Yorker Psychiater Peter Breggin (geboren 1936) – er setzte sich sein Leben lang dafür ein, Psychosen zu verstehen und keine Psychopharmaka zu verordnen. Je stärker die Antipsychotika die Psychiatrie eroberten, desto weniger Raum blieb für psychologische Erklärungsmodelle und Psychotherapie. Weiterlesen

Psychoanalyse: Bei psychischen Erkrankungen enden die guten Affekte so schnell

Eigentlich macht man ja eine Psychoanalyse, damit man erleuchtet oder auf immer glücklich wird, oder damit noch alle Lebenswünsche in Erfüllung gehen. Hat man begriffen, dass das nicht geht, dann kann man sich dem eigentlichen Ziel zuwenden: dass man in guten Kontakt mit sich selbst und anderen Menschen kommt, dass man sich also auch mit dem Analytiker harmonisch verbunden fühlen kann. Doch das Gute währt bei psychischen Erkrankungen oft so kurz. Die Psychoanalytikerin Paula Heimann (1899-1982) beschreibt in „Dynamics of Transference Interpretations“ (1956, Int J Psychoanal 37: 303-310), wie der Patient stellenweise wieder in guten Kontakt mit seinen inneren Objekten und auch mit dem Analytiker kommt. Doch kaum sei „die verlorene Liebe wiederhergestellt“, tauchten erneut Feindseligkeit und neue Probleme auf. Weiterlesen

Warum es mit der Dankbarkeit oft nicht klappt

Jetzt gibt es Dankbarkeits-Apps wie z.B. „GET.ON“, ein Programm der Leuphana-Universität, Lüneburg. Menschen, die eine Psychotherapie machen oder die Kirche besuchen, können manchmal verweifeln: Überall wird gesagt, dass man Dankbarkeit lernen, üben und ausweiten könne. Der bekannte Mönch David Steindl-Rast spricht im TED-Talk (2013) über das Glücklichwerden durch Dankbarkeit. Jeder Tag sei ein Geschenk, so Brother David. Doch nicht wenige Menschen empfinden die überwiegenden Tage in vielen Lebensphasen als quälend – ihnen erscheint das Leben oft wie eine Verdammung. Vielleicht gehörst Du dazu. Da will es mit der Dankbarkeit nicht klappen – vielleicht, weil es für die Dankbarkeit Grundvoraussetzungen gibt, an denen es Dir vielleicht sogar schon lange mangelt. Weiterlesen

Psychosen-Psychotherapie: Der Patient kommt nicht, weil er sich für zu gefährlich hält (Psychose-Serie 26)

Menschen mit Psychosen in der ambulanten Psychotherapie lassen ihre Sitzungen oft aus den unterschiedlichsten Gründen ausfallen. Ein Grund, der oft auftritt, ist das Gefühl, zu gefährlich zu sein. Wer unter dem impulshaften Gefühl leidet, er könnte den Therapeuten angreifen oder umbringen, bleibt lieber von der Stunde fern. Das Nicht-Erscheinen zur Stunde ist dann nicht als Widerstand anzusehen, sondern als Versuch des Patienten, sich selbst, den Therapeuten und die Therapie zu schützen. Eine Online-Sitzung kann dann manchmal hilfreich sein. Als Therapeut kann man diese Art der Selbstregulation des Patienten und seinen Wunsch, sich und andere zu schützen, würdigen. Weiterlesen

Operation ist auch Aggression: Warum lässt Du Dich oder Dein Kind operieren?

Vielleicht hast Du Dich auch schon mal unter größten Zweifeln operieren lassen. Am liebsten wärest Du noch aus dem Vorbereitungsraum geflohen, aber Du hast Dich nicht getraut. Die psychischen Vorteile einer Operation können darin liegen, dass Du berührt und getragen wirst, dass Du Dich fallenlassen kannst und je nach Art der Narkose schöne und erotische Träume hast. Du kannst Deinen Freundinnen davon erzählen und wirst geschont. Jeder sieht, wie schlecht es Dir geht. Gleichzeitig kann eine zweifelhafte Operation aber auch ein Akt der Aggression gegen Dich selbst sein: Du leidest und somit kannst Du Schuldgefühle eindämmen und Dich selbst in der Kasteiung freier von psychischem Leid fühlen. Weiterlesen

Körpersymptome als Aggression gegen den Partner oder Traumafolge?

Das Paar will ins Konzert und die Frau bekommt Migräne. "Vielleicht haben Sie die Migräne ja bekommen, weil Sie wütend waren auf Ihren Mann. So konnten Sie ihm das Leben vermiesen, ohne selbst schuld zu sein." Eine Zeitlang war es modern in der Psychoanalyse,...

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Identifikation mit dem Aggressor – ein komplizierter Begriff

Wenn man als Kind geschlagen wurde und später selbst sein Kind schlägt (obwohl man das eigentlich nicht will), hat wahrscheinlich eine „Identifikation mit dem Aggressor“ stattgefunden. Gemeint ist hier, dass man irgendwann so wird, wie der eigene Angreifer war. Man hat sich mit ihm „identifiziert“. Zudem benutzt man dieselben Argumente, die damals der Angreifer benutzte. Aus „Du bist ja selbst schuld und du hast es nicht anders verdient“, wird „Ich bin ja selbst schuld – ich habe es nicht anders verdient. Mein Vater (mein Angreifer/Aggressor) hatte schon recht.“ Doch ist der Begriff „Identifikation mit dem Aggressor“ nicht unglücklich gewählt?Weiterlesen

Radiophobie (Angst vor Strahlen), Aluhüte und die Psychose (Psychose-Serie 16)

Viele Menschen mit Psychosen haben Angst, von anderen verstrahlt zu werden. „Der ist ganz schön verstrahlt“, sagen wir, wenn wir jemanden für verrückt erklären. Radioaktive Strahlung ist nicht sichtbar, aber sie kann tödlich sein. Mit der Röntgenstrahlung können wir durch jemanden hindurch schauen und ihn von innen sehen. Nicht selten haben Menschen mit Psychosen schon in der frühen Kindheit körperliche Grenzüberschreitungen wie z.B. sexuellen Missbrauch erlebt. Manche Mütter sagten zu ihrem Kind: „Du bist für mich wie aus Glas“ oder „Der liebe Gott sieht alles.“ So fühlte sich das Kind vielleicht, als sei es ohne Grenze. Weiterlesen

Verstopfungsgefühl bei Radiusfraktur lindern

Wenn du eine radiusfraktur hattest und der gips ist ab, kann es sein, dass du manchmal an einer art „verstopfungsgefühl“ leidest. es ist, als würde irgendetwas im handgelenk verstopft sein. interessanterweise verläuft am unterarm auch der dickdarm-meridian. wenn du deinen unterarm massierst, spürst du vielleicht manchmal, wie sich luft in deinem bauch bewegt. um das verstopfungsgefühl im arm zu lindern, kannst du eine leichte übung machen, die ich auf youtube erkläre. frage aber deine ärztin oder deine physiotherapeutin, ob diese übung auch bei deiner art der verletzung gut ist.