
„Der Patient braucht erst einmal Medikamente, um überhaupt therapiefähig zu werden.“ Nicht wenige Psychiater glauben, dass Patienten erst einmal Medikamente nehmen müssten, um für eine Therapie zugänglich zu werden. Ich frage mich sehr oft, was das heißen soll. Denn wenn der Patient noch keine Medikamente nimmt und seine Symptome sehr deutlich und schwerwiegend sind, ist es doch eine wunderbare Chance für den Patienten und den Therapeuten, genau damit zu arbeiten. Weiterlesen
Der Ausdruck „weiße Depression“ wurde von dem Psychoanalytiker André Green geprägt. Er meint damit eine Depression, die entsteht, wenn ein Kind eine depressive Mutter hat. Die depressive Mutter ist für das Kind emotional nicht anwesend, auch wenn sie körperlich da ist. Das Kind nimmt das Bild dieser -emotional abwesenden – Mutter in sich auf. Diese Mutter wirkt innerlich und äußerlich wie „tot“. Sie erscheint unerreichbar. Weiterlesen
Das Kind, es schaut sich immer um. Es duckt sich. Überall erscheint es zu früh, um zu testen, ob die Luft rein ist. Nie wieder, nie wieder, will es, wie als Kind, plötzlich überfallen und festgehalten werden. Das Kind ist jetzt in ganz anderen Situationen. Zusammen mit Menschen, die Sicherheit bieten. Kann sein Inneres es unterscheiden? Kann sein Inneres heilen? Eine Frage der Zeit? Der Wiederholung? Der neuen Erfahrung? Der Sinn-Schärfung? Der Differenzierungsfähigkeit? Schau, Kleines, es ist alles gut. Wirklich gut. Hier ist nichts Böses. Kein Angreifer mehr da. Sie sind alle weg. (Text & Bild: © Dunja Voos) Weiterlesen
In den Medien und in der Schule wird oft sehr einseitig über sexuellen Missbrauch aufgeklärt. Auch heute noch findet man ähnliche Sätze wie in einem Artikel der ZEIT von 2010: „Bei sexuellem Missbrauch geht es immer darum, dass Erwachsene etwas mit Kindern machen, was die Kinder nicht wollen“ (Kinder-ZEIT vom 22.4.2010: „Nein zu Kindesmissbrauch!“). Da sollen Kinder lernen, „Nein!“ zu sagen und „schlechte Gefühle“ rechtzeitig zu erkennen. Möglicherweise sind solche Präventions-Versuche besser als nichts. Doch viele Menschen, die als Kinder selbst missbraucht wurden, können über solche „Nein!“-Beiträge nur den Kopf schütteln – so sehr gehen sie an der Realität vieler Betroffener vorbei. Weiterlesen
Bodenlose Angst, bodenlose Frechheit, bodenloser Hass. Wenn es keinen Halt mehr gibt, geht der Riss durch und durch. Den Unterschied zwischen psychischer Gesundheit und Krankheit macht die Dicke des Bodens. Der Borderliner fällt nie ganz durch, doch für den Psychotiker ist zeitweise jede Hoffnung verloren. Durchlässig, prorös, arrodiert fühlt man sich. Manchmal kommen Durchfall, Schweiß und Übelkeit. Die Muskeln zittern. Niemand versteht. Grenzenlose Einsamkeit. Doch was macht den Boden aus? Wie kann er wieder eingezogen werden? Weiterlesen