Was für eine Befreiung. Wenn man merkt, dass man den, den man am meisten liebt, auch hassen darf. „Mama, ich hasse Dich!“ Dass das Kind sich traut, das zu sagen, kann bedeuten, dass es sich gewiss ist, dass die Mutter deswegen nicht wegläuft. Es ist leicht, jemanden zu hassen, den man kaum kennt. Aber es ist oft schwer, jemanden bewusst zu hassen, der einem nahesteht. Mit Erlaubnis zu hassen, kann auf gewisse Art Lebensfreude hervorrufen und von depressiver Stimmung befreien. Hass ist auch Vitalität. Hass enthält viel Kraft, die für Gutes genutzt werden kann. Weiterlesen
Selbst liegt man mit seiner „frühen Störung“ auf der Couch, lebt in Einsamkeit, ringt um seine Bindungs- und Lebensfähigkeit und die Psychoanalytikerin ist seit Jahren glücklich verheiratet und hat Kinder. So muss sich ein Krebspatient fühlen, dessen Arzt selbst gesund ist, glaubt man. Sicher hat der Analytiker/die Analytikerin selbst nur eine reife ödipale Störung und kann nur durch Zuhören erfassen, wie es ist, mit einem komplexen Trauma zu leben, das die Eltern gleich schon in der Säuglingszeit setzten. Meint man.Weiterlesen
Wenn wir eine schmerzhafte Blase am Fuß haben, ist die Sache eindeutig: Mit unserem klaren Verstand denken wir, dass wir jetzt ein Pflaster brauchen und vielleicht eine Schmerztablette nehmen werden. Unsere Seele funktioniert dabei einwandfrei. Ein körperlicher Schmerz kann uns den Unterschied zwischen Soma (= Körper) und Psyche ganz deutlich machen. Besonders bei Schmerzen in Armen, Beinen oder Rücken, wo die quergestreifte (die willentlich beeinflussbare) Muskulatur sitzt, sind wir meistens – aber natürlich längst nicht immer – Herr unserer Sinne. Körperliche Schmerzen können unser Bewusstsein sogar schärfen. Kopf- und Zahnschmerzen hingegen sind oft so kompliziert, weil sie unserer Psyche so nah sind. Weiterlesen
„Da haben wir wieder so eine abhängige Persönlichkeit: Die Patientin meint, nicht ohne uns leben zu können“, sagt die Stationsschwester genervt. Die Klinik gibt der Patientin Struktur, doch sobald sie entlassen ist, leidet sie wieder unter übergroßer Angst. Dieser Mechanismus führt oft zum „Drehtür-Effekt“: Die Patienten kommen immer wieder, weil sie zu wenig innere Struktur haben. Diese innere Struktur erhalten wir insbesondere durch einen anderen Menschen, der sich für uns interessiert und der uns begleitet. Hatten wir gleich zu Beginn unseres Lebens einen Mangel an Einfühlsamkeit, dann fehlt uns innerlich etwas. Weiterlesen
Die „Schlafzimmertür“ ist in der Psychoanalyse ein häufig auftauchendes Symbol. Es bezieht sich im engeren Sinn auf die Schlafzimmertür der Eltern, die uns (normalerweise) verschlossen bleibt. Hinter der verschlossenen Schlafzimmertüre sind die Eltern, die ihr Geheimnis haben. Dort hat die „Urszene“ stattgefunden, der Geschlechtsverkehr, durch den auch wir entstanden sind. Die verschlossene Schlafzimmertür weckt Phantasien in uns, sie macht uns neugierig, sie schützt uns, ermöglicht uns die eigene Entwicklung und lehrt uns auch das ärgerliche und trostlose Gefühl des Ausgeschlossenseins. Die verschlossene Schlafzimmertür steht für etwas, das wir nicht erreichen können. Wir können uns höchstens unseren eigenen Partner suchen und mit ihm einen eigenen Raum errichten. Weiterlesen
Es ist die Abhängigkeit, gegen die sich die Patienten in der Psychoanalyse besonders am Anfang am meisten wehren. Zu spüren, dass wir eben nicht so unabhängig sind wie wir uns oft fühlen, ist eine harte Erkenntnis. Der Psychoanalytiker Roger Ernle Money-Kyrle (1898-1980) prägte den Begriff der „Facts of Life“, der Grundtatsachen des Lebens, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.Weiterlesen
„Ich habe eine riesige Trennungsangst!“, sagen manche und fürchten sich sehr vor Trennungen. Doch was sie damit meinen, ist die „unorganische“ Trennung. Eine Trennung, die zu früh oder plötzlich kommt, ist oft kaum aushaltbar. Weiterlesen
Große Freude: Für diesen Blog habe ich im November 2018 den Großen Förderpreis der Stiftung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV-Stiftung) erhalten. Auf der DPV-Herbsttagung 2018 in Bad Homburg konnte ich ihn entgegennehmen. Ich freue mich riesig – auch mit meinen Mit-Preisträgern, Dr. Cécile Loetz und Dr. Jakob Müller, die dieses Jahr den Psychoanalyse-Podcast „Rätsel des Unbewussten“ www.psy-cast.de gegründet haben. Danke auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, denn durch Sie und den regen Austausch ergibt der Blog seinen Sinn.
So mancher kennt noch die ewig gleichen Kriegsgeschichten von Oma und Opa. Wie langweilig uns das wurde! Wenn ein Patient jahrelang zur Psychoanalyse geht, erzählt er immer wieder dasselbe. Wird das nicht langweilig? In der Psychoanalyse dreht man sich meistens nicht im Kreis, auch wenn es sich oft so anfühlt. Meistens ist es eine Spirale, bei der man fast an denselben Punkt kommt, aber doch schon eine Windung weiter nach oben gegangen ist. Weiterlesen
Hier aktualisiere ich regelmäßig eine Adressliste mit tiefenpsychologisch orientierten Kliniken – sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Weiterlesen