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Buchtipp: „Unbehagen in psychoanalytischen Instituten“ von Sylvia Zwettler-Otte

Als ich meine Ausbildung zur Psychoanalytikerin bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV/IPA) begann, stellte ich mir vor, bei den Psychoanalytikern gäbe es so eine Art „Beziehungs-Himmel auf Erden“. So, wie ich immer wieder geneigt war, Pfarrer, Psychologen, Buddhisten oder Nonnen als „irgendwie bessere Menschen“ zu phantasieren, so dachte ich, in einem psychoanalytischen Institut herrsche mehr oder minder eine ständige Wohlfühlatmosphäre.Weiterlesen

Warum versteht man Texte über Psychoanalyse so schlecht?

„Ebenen-Wechsel sind zu vermeiden“ – ein Satz, den viele Journalisten in ihrer Ausbildung hören. Ein ungewollter Ebenenwechsel findet zum Beispiel statt, wenn wir versehentlich „Sie“ (Ansprache) und „sie“ (die anderen) an den verschiedenen Stellen nicht richtig schreiben. Das kann rasch verwirren. Auch Akkusativ-Objekte am Satzanfang führen den Leser in die Verwirrung: „Autos fahren die Kinder“ könnte heißen: Die Kinder fahren selbst aktiv Autos, also nicht Fahrräder. Es könnte aber auch heißen, dass selbstfahrende Autos nun die Kinder durch die Gegend kutschieren. Weiterlesen

Toxische Menschen: Über die Sorge, der andere oder meine Situation könnten mich krank machen

Viele Kinder erleben Gewalt und werden durch die Erfahrungen, die sie in ihrer Familie machen, psychisch oder körperlich krank. Ist man erwachsen, kann diese Sorge immer wieder auftauchen: „Macht mich mein Partner krank? Er nörgelt an allem herum, was ich tue oder sage. Er engt mich so ein, dass ich kaum noch atmen kann.“ In der Folge verlässt man den Partner – doch das Alleinsein schmerzt und die lange Strecke ist länger als gedacht, sodass auf einmal der Gedanke kommt: „Kann mich das lange Alleinsein krankmachen?“ Weiterlesen

Freud-Zitate: über Homosexualität

Nicht wenige Menschen glauben, Sigmund Freud hätte verbissen „Konversionstherapien“ durchgeführt, also homosexuelle Menschen zu heterosexuellen Menschen „gemacht“. Sie haben die Vorstellung, dass auch die Psychoanalytiker von heute glauben, Homosexualität sei etwas Krankhaftes. Sigmund Freud selbst sagte dazu unter anderem: „Man muß sich sagen, daß auch die normale Sexualität auf einer Einschränkung der Objektwahl beruht, und im allgemeinen ist das Unternehmen, einen vollentwickelten Homosexuellen in einen Heterosexuellen zu verwandeln, nicht viel aussichtsreicher als das umgekehrte, nur daß man dies letztere aus guten praktischen Gründen niemals versucht.“ (Sigmund Freud: Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität. Kleine Schriften II, 1920, Kapitel 38, Projekt Gutenberg)

Schwangerschaft: „Aber es sollte doch SEIN Kind sein!“

Eine der wichtigsten Fragen im Leben einer Frau ist wohl: „Wer soll der Vater meines Kindes sein?“ Und damit fangen ganz viele Dramen an. Wenn der Schwangerschaftstest positiv ist und das Baby im Bauch heranwächst, findet nicht selten erst einmal ein Überlebenskampf statt. Die Gedanken der Mutter (und natürlich auch des Vaters) können wechseln zwischen liebevoller Zuwendung, Hass und Todeswünschen. „Eigentlich wollte ich immer ein Kind von meiner großen Liebe. Und jetzt weiß ich nicht, wie ich damit zurechtkommen soll, dass mein Kind im Bauch nicht von dem Mann ist, den ich so sehr geliebt habe“, denkt so manche Schwangere.Weiterlesen

Regression im Dienste des Ichs, maligne Regression und Regression im Traum

Der Begriff „Regression“ stammt vom lateinischen Wort „regredi“ ab, was „zurückgehen“ bedeutet. Wer sich von altersentsprechenden Verhaltensweisen zurückzieht auf frühere Entwicklungsstufen, der regrediert. In kritischen Situationen neigen wir zur Regression. Wir haben dann verstärkt Angst vor dem Alleinsein, verkrümeln uns in unser Bett oder weinen leicht vor anderen. Die Fähigkeit, zu regredieren ist wichtig. So können wir entspannen, uns helfen und trösten lassen und wir können einschlafen. Weiterlesen

Objektbeziehungstheorie: Bindungen beeinflussen unsere körperliche und psychische Gesundheit

Unsere Beziehungen und die Gefühle, die mit diesen Beziehungen verbunden sind, formen unsere Psyche enorm. Wir haben ein Bild von uns selbst (Selbstrepräsentanz), von anderen (Objektrepräsentanzen) und Affekte, die aufkommen, wenn wir an diese Beziehungen denken. Die Objektbeziehungstheorie ist ein Zweig der Psychoanalyse, bei dem besonders das Thema „Beziehung“ im Mittelpunkt steht. Der Ursprung liegt in Sigmund Freuds Theorien über die Übertragung und Gegenübertragung. Weiterlesen

„Es ist wie es ist“ – Sätze, die den Zustand bei vielen Frühtraumatisierten schlimmer machen

„Erlauben wir dem jetzigen Moment, zu sein.“ – „Erlauben wir uns, da zu sein.“ – „Es ist, wie es ist“, hören wir. „Das heißt aber doch nicht, dass es gut ist!“, wagt einer zu sagen. Es gibt Sätze, die tun häufig den Menschen gut, die ein „Mindestmaß“ an psychischer Stabilität haben, die eine behütete Kindheit oder zumindest eine gute Mutter-Kind-Beziehung hatten. Viele Menschen jedoch, die in der Baby- und Kleinkindzeit Gewalt oder Vernachlässigung ausgesetzt waren, bekommen bei diesen Sätzen ein schwer mulmiges Gefühl. Ihr Körper „erinnert“ sich möglicherweise an furchtbaren Qualen von damals – und die Seele auch. Weiterlesen

Du darfst kommen, Du Böses, Du Unerwünschtes!

Ha! Ich hab’s! Ich habe keine Angst mehr. Komm‘ doch, Du Böses! Du Ungewolltes! Du darfst gerne kommen, liebe Verkrampfung, liebe Abneigung, lieber Hass. Wie oft habe ich gedacht: „Oh bitte nicht! Ich kann das jetzt nicht gebrauchen, nicht ertragen. Ich will das nicht so! Er/sie darf sowas nicht sagen, ich darf dieses oder jenes nicht denken oder fühlen.“ Die Wahrheit wollte ich so oft verbannen. Weiterlesen

Narzisstische Persönlichkeitsstörung – wenn Liebe verachtet wird

„Der Narzissmus ist das Interesse am Selbst.“ So einfach definiert es der amerikanische Psychoanalytiker Ben Bursten in seinem Buch „The Manipulator“ (amazon). Der Begriff leitet sich ab von Ovids Sage über Narziss, dem Jungen, der so in sein Spiegelbild im Teich verliebt ist, dass er davon nicht wegkommt und stirbt. Verachtung für andere, Überbetonung von Erfolg, Ehrgeiz und Eitelkeit sind narzisstische Verhaltensweisen. Auch Neid und Wut, wenn die selbstbezogene Haltung in Gefahr ist, gehören zum Narzissmus. Zu relativ nicht-narzisstischen Affekten zählen laut Bursten z.B. Schuld, Reue, Anteilnahme und Respekt. Weiterlesen