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Paartherapie: Warum wir uns über die Zahnpasta-Tube streiten

„Lass‘ uns doch sprechen wie zwei erwachsene Menschen! Dieser Kinderkram ist ja nicht auszuhalten!“, sagt der Partner laut. „Es ist kindisch, worüber wir uns immer streiten. Es dreht sich immer nur um Kleinigkeiten!“, sagt die verzweifelte Ehefrau. Warum hängen wir uns an den Kleinigkeiten auf? Weil der „kleine Haken“ einen schweren Mantel trägt. Weiterlesen

Asymmetrische Liebe – wie damit leben?

Man liebt ihn immer noch, aber er ist schon tot. Die Mutter hat die Tochter immer mehr geliebt als den Sohn. Der Mann liebt die Frau „mehr“ als die Frau den Mann. Der Patient ist in die Therapeutin verliebt und es schmerzt ihn, dass sie glücklich verheiratet ist. Der Lehrer liebt den Mitschüler mehr, obwohl man selbst den Lehrer über alles liebt. Der Patient hängt emotional sehr am Analytiker, auch nachmittags, doch der Analytiker hat noch andere Patienten. „Emotionale Asymmetrien“ begleiten uns immer, überall, ein Leben lang. Doch worauf es ankommt, das sind die „Now Moments“, die emotionalen Berührungen, die uns überraschen und uns ganz und gar erfüllen.

Psychoanalytisches Feld: Zwischen Zweien breitet sich etwas aus.

Wenn zwei sich unterhalten, entsteht etwas Drittes. Im psychoanalytischen Behandlungszimmer entsteht eine spezielle Atmosphäre zwischen Analytiker und Analysand. Manchmal scheinen Mutter oder Vater des Patienten geradezu anwesend zu sein, manchmal ist deren Abwesenheit spürbar. Auch die Gestaltung des Raums, die Jahreszeit, das Tageslicht spielen eine Rolle. Bei Analytiker und Analysand entstehen gemeinsame Phantasien. Alles, was sich in der Analyse ausbreitet, wird als „Psychoanalytisches Feld“ bezeichnet. Geprägt wurde der Begriff Anfang der 60er Jahre von den Psychoanalytikern Madeleine Baranger (Psychoanalytikerinnen.de) und Willy Baranger und nochmals neu von Antonio Ferro (2003, Psychosozial-Verlag). Weiterlesen

„Ich weiß bei anderen besser, was sie fühlen und denken als bei mir selbst“

Es ist oft schwer zu sagen, was man selbst fühlt und denkt. „Bei anderen kann ich das ganz leicht“, sagt so mancher. Zu diesen Phänomenen gehört auch das „Krohns-Paradox“ bei Menschen mit einer Borderline-Störung: Während man glauben könnte, die Betroffenen seien nicht einfühlsam, so schaffen sie es doch, den anderen bis auf’s Tiefste zu verletzen. Um verletzen zu können, braucht man auch ein Gefühl dafür oder eine Theorie darüber, was im anderen vorgeht. Weiterlesen

Träumen Blinde?

„Ein violetter Apfel – das ist für mich genauso falsch wie für Sie“, hörte ich den blinden Bergsteiger AndyHolzer.com in einer Dokumentation einmal sagen. Auch Blinde können innerlich Dinge „abbilden“. Viele Vorstellungen, die wir haben, entstehen aus unserem Körperinneren. Wenn wir die Augen schließen und uns unseren Magen vorstellen, den wir ja auch nicht sehen können, haben wir dennoch ein Gefühl für ihn. Wir haben eine Vorstellung von Form und Struktur, von Fülle und Leere, von Magensäure, Hunger und Sattsein. Manche Blinde haben keinen REM-Schlaf, also ihre Augen bewegen sich nicht schnell hin und her beim Träumen. Dennoch träumen sie. (Do Blind People Dream? howtolucid.com/blind-dreaming)

Wir haben auch ohne zu sehen eine Vorstellung von Nähe und Abstand. Wir können streiten, lieben, Angst haben, uns berühren lassen und wir haben Kenntnis von der Lage unseres Körpers im Raum. Wir erfassen so vieles, ohne mit den Augen zu sehen. Und so träumen auch Blinde genauso intensiv wie Sehende, doch während visuelle Eindrücke nur schwach im Traum vertreten sind, träumen Blinde häufiger von Berührungen, Gerüchen und Geräuschen (Kerr et al., 1982).

Traumverlust beim Charcot-Wilband-Syndrom

Menschen, die einen Schlaganfall in der hinteren Hirnregion (im „Okzipitallappen“) erlitten haben, können manchmal nicht mehr träumen. Oft erst nach einigen Monaten kommt die Fähigkeit zu träumen zurück. Hier sprechen Mediziner vom „Charcot-Wilbrand-Syndrom“ (CWS), da es von dem Neurologen Jean-Martin Charcot (1825-1893), neurologienetz.de und dem Augenarzt Hermann Wilbrand (1851-1935), Wikipedia genau beschrieben wurde.

Obwohl die Patienten berichten, nicht mehr träumen zu können, kann man dennoch einen REM-Schlaf bei ihnen feststellen. REM = Rapid Eye Movement: Die Augen bewegen sich während des REM-Schlafes schnell hin und her. Bei Gesunden ist der REM-Schlaf mit lebhaften Träumen verbunden.

Wenn wir träumen, träumen wir vorrangig in Bildern. Dabei ist unser hinteres Gehirn, der Okzipitallappen, aktiv. Dort liegt die Sehrinde, die Gesehenes aufnimmt und verarbeitet. Sie ist normalerweise auch bei geschlossenen Augen aktiv, wenn wir uns Bilder vorstellen. Ist diese Region jedoch nach einem Hirninfarkt beschädigt, können die Betroffenen entweder gar nicht mehr sehen und nicht mehr träumen oder z.B. keine Gesichter oder Gegenstände mehr erkennen. Diese Störungen können sich nach einiger Zeit wieder verbessern.

Auch das Frontalhirn und der Hirnstamm sind am Traum beteiligt

Ein einziges „Traumzentrum“ im Gehirn gibt es nicht. Viele verschiedene Hirnareale sind beteiligt. Der REM-Schlaf bzw. die Traumimpulse gehen alle 90 Minuten vom Hirnstamm aus. Und auch das Vorderhirn (Frontalhirn, „Sitz der Persönlichkeit“ und der Emotionsverarbeitung) ist im Traum aktiv. Menschen, deren Frontalhirn verletzt ist, können ebenfalls häufig nicht mehr träumen (siehe Mark Solms im Beitrag von Wolfgang Merkel: „Flüchtige Botschaften der Seele“, Die Welt, 10.6.2006).

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Links:

Kerr, Nancy; Foulkes, David; Schmidt, Marcella (1982):
The Structure of Laboratory Dream Reports in Blind and Sighted Subjects
The Journal of Nervous and Mental Disease: May 1982
journals.lww.com/…

Do Blind People Dream? Everything You’ve Wanted To Know
howtolucid.com/blind-dreaming/

„Aber wenn ich noch ’ne Nacht drüber schlafen soll, kann ich doch nicht schlafen!“

Vor wichtigen Entscheidungen soll man immer mindestens eine Nacht drüber schlafen – so hat das Unbewusste noch Zeit, sich zu melden. Wie oft sieht am nächsten Tag alles ganz anders aus. Oder aber man fühlt sich mit seiner Entscheidung noch sicherer. „Aber wenn ich mich jetzt nicht entscheide und bis morgen warten soll, dann kann ich doch nicht schlafen!“, protestieren wir innerlich. „Die Gelegenheit könnte mir weglaufen! Ein anderer könnte zuschnappen! Der andere könnte es sich überlegen! Es kann etwas unwiderruflich verloren gehen!“ Diese Gedanken drängen ganz furchtbar. Motivationsforscher sagen: „Wenn Du eine Idee hast und Du setzt sie nicht gleich um, sinkt mit wachsender Zeit die Wahrscheinlichkeit, dass Du es noch anpackst.“ Auch das ist richtig. Doch wie soll ich entscheiden, wann ich warten soll und wann nicht?Weiterlesen

Filmtipp: Beautiful Mind

Der Film „Beuatiful Mind – Genie und Wahnsinn“ aus dem Jahr 2001 erzählt – mit Variationen – die wahre Geschichte des Mathematikers John Nash (1928-2015), der mit knapp 30 Jahren an einer Paranoiden Schizophrenie erkrankte. Der Film bezieht den Zuschauer in das psychotische Erleben des Mathematikers mit ein, weil wichtige Hauptpersonen zu Beginn des Films keinen Zweifel an deren Echtheit lassen. John Nashs langer Weg zur Gesundung gelingt ihm, indem er seine Wahn-Figuren als nicht real erkennt. Weiterlesen

Psychoanalytiker*in werden mit einem „Nicht-nur“ in Gedanken

Die intensiven Ausbildungen bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) und Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) führen nicht selten dazu, dass man zeitweilig fast nur noch für die Ausbildung lebt. Die Psychoanalytikerin Dr. med. Diana Pflichthofer (DPG) macht in dem Buch „Grenzen“ (DGPT, 2017) einen sinnvollen Vorschlag: „Deswegen folgt hier eine weitere mentalgymnastische Übung: Sollte man nicht eigentlich jedem Ausbildungskandidaten raten, ja es fast zur Bedingung machen, dass er, wenn er diese Ausbildung beginnt, mindestens noch eine andere Ausbildung mache, sei es in der Musik, der bildenden Kunst, im Sport oder wo auch immer – Hauptsache woanders? Wenn er bloß die Zeit dazu hätte!“ (Grenzen. Eine Publikation der DGPT. Psychosozial-Verlag 2017: S. 164)Weiterlesen

Welche Form hat die Psyche?

In der Liebesbeziehung oder in der Psychoanalyse erscheint sie manchmal fast greifbar. Sie ist mal fein wie ein Eihäutchen, mal gewaltvoll. Sie zieht sich ängstlich zusammen oder dehnt sich aus. Sie ist etwas, das leicht verletzt werden kann. Hermann Hesse beschreibt ihre Form sehr schön in „Narziß und Goldmund“: „Ihre Seele war ihm bekannt und lieb geworden … wie sehr diese Seele ihrem Leibe entsprach: sie konnte etwas tun, etwas sagen, einen Wunsch oder ein Urteil äußern, und ihr Wort und die Haltung ihrer Seele war vollkommen nach derselben Form geprägt wie der Schnitt ihrer Augen und die Bildung ihrer Finger!“Weiterlesen

Psychoanalyse-Ausbildung: Welcher Patient passt zu mir?

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