Wer eine Ausbildung zum Psychoanalytiker nach den Richtlinien der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) macht, der muss jede Analyse mit seinem Patienten nach der vierten Stunde supervidieren lassen. In der DPV-Ausbildung muss man mindestens zwei Patienten je 300 Stunden behandeln (mit vier Sitzungen pro Woche). Diese beiden Patienten-Behandlungen müssen von unterschiedlichen Supervisoren begleitet werden, wobei die Supervisoren den Status „Lehranalytiker der DPV“ haben müssen. Weiterlesen
Ich habe einen guten Gang. Der liegt weit unterirdisch. Die anderen sehen ihn nicht. Ich muss ihn verheimlichen, denn er ist mein Überlebensgang. Nur manchmal, da könnte er etwas Luft vertragen. Weiterlesen
Die meisten Einzelkinder, die ich kenne, haben sich ihr Leben lang Geschwister gewünscht. Über die spezielle Einsamkeit von Einzelkindern wird selten gesprochen. Auf Einzelkindern lastet der Blick der Eltern viel schwerer. Sie haben gegenüber den Eltern keine Verbündeten. Die „Verwöhnung“, die die Einzelkinder oft erfahren, lässt sie sich manchmal nur noch einsamer fühlen. Einzelkinder wünschen sich vielleicht viel, so das gängige Bild. „Doch eigentlich habe ich mir immer nur Eines gewünscht: ein Geschwisterkind“, sagt eine ältere Frau. Die vielen Wünsche kommen oft daher, dass das, was sich das Einzelkind wirklich wünscht, nicht in Erfüllung geht. Weiterlesen
„Behandlungsvoraussetzungen und Krankheitsverarbeitung“ lautet die Überschrift der Achse I der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD). Hier kann der Therapeut folgende Punkte beschreiben: Weiterlesen
Die Psyche besteht aus psychoanalytischer Sicht aus „Es, Ich und Über-Ich“. Psychoanalytiker sprechen vom Strukturmodell (= Instanzenmodell). Wer sich mithilfe stabiler Eltern gesund entwickeln konnte, der hat schließlich ein reifes Ich, ein reifes Überich (nicht allzu streng und nicht allzu locker) und einen beobachtenden und wahrnehmenden Kontakt zum „Es“. Diese Ich-Reife ermöglicht, dass man mit seinen Emotionen gut umgehen kann. Man wird nicht umgehauen von eigenen Affekten wie Wut oder Angst, sondern kann sich selbst steuern – mal mit mehr, mal mit weniger Mühe. Weiterlesen
Viele sprechen über das „Gesetz der Anziehung“ oder das „Gesetz der Resonanz“. Dazu gehört die Vorstellung, dass man das, was man sich wünscht, anzieht, wenn man es sich nur häufig genug vorstellt („visualisiert“). Es ist ähnlich wie mit dem roten Auto, das man sich gerade gekauft hat: Plötzlich sieht man nur noch rote Autos. Es gibt Tage, da glückt alles und alles fügt sich zusammen. Man hat das Gefühl, man tut gar nichts dazu – es fällt einfach alles passend vom Himmel. Man handelt einfach entsprechend, wenn man sich etwas von ganzem Herzen wünscht. Aber es gibt auch ein unschönes Gegengesetz: Das Gesetz des Entgleitens. Weiterlesen
Manchmal wundern wir uns, dass wir in schweren Zeiten relativ gut einschlafen und am nächsten Morgen gut aufwachen. Das kann daran liegen, dass wieder eine Ordnung hergestellt wurde, auch, wenn der Vorgang schmerzlich war. Wenn du dich jedoch kurze Zeit danach wieder sehr schlecht fühlst, kann es auch ein anderer Mechanismus sein. „Dieses große Wohlgefühl beim Aufwachen, vielleicht nach einem schönen Traum, ist zwar unglaublich angenehm, aber es ist nicht gut für Körper und Geist. Es verschwendet Lebensenergie“, sagte mir einmal ein chinesischer Mediziner. Weiterlesen
Kinder, die in „Bildungsferne“ aufwuchsen, die Gewalt, Armut und Vernachlässigung erlebt haben, haben oft nur geringe Fähigkeiten, sich zu spüren, auszudrücken oder zu mentalisieren. Sie wuchsen bei psychisch kranken Eltern auf und haben in ihrem Umfeld kaum etwas anderes erlebt als Desaster.Weiterlesen
Feindselige Beziehungen sind relativ einfach: Hier schaue ich, dass ich zu meinem Recht komme und dass der andere nicht zu viel Gutes abbekommt. Schwierig wird es für uns oft dann, wenn wir eine Beziehung eingehen mit jemandem, den wir wirklich mögen. „Es ist, als verließe ich mich selbst“, sagt eine Studentin in der Psychotherapie und beschreibt die Situation, in die sie kommt, wenn sie jemanden mag: „Dann ist es nur noch wichtig, dass Frieden herrscht. Meine eigenen Bedürfnisse stelle ich hinten an und Missstände spreche ich nicht an. Ich bin in einer guten Beziehung wie gelähmt.“ „Aggression“ bedeutet nicht nur wütendes Schreien oder gewaltsamer Kampf. Aggression (vom Lateinischen: aggredi = herangehen) heißt, dass man auf jemanden zugeht. Weiterlesen
Der britische Psychoanalytiker Wilfred Bion (1897-1979) stellte viele Theorien über das Denken und Fühlen auf. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Thema „Psychose“ und mit der Frage, warum psychotische Patienten oft nur schwer denken und fühlen können. Bions ehemaliger Analysand James Grotstein (1925-2015) beschreibt seine Theorien sehr verständlich. In seinem Buch „A Beam of Intense Darkness“ (Karnac, 2007) schreibt Grotstein: Weiterlesen