Es ist die Abhängigkeit, gegen die sich die Patienten in der Psychoanalyse besonders am Anfang am meisten wehren. Zu spüren, dass wir eben nicht so unabhängig sind wie wir uns oft fühlen, ist eine harte Erkenntnis. Der Psychoanalytiker Roger Ernle Money-Kyrle (1898-1980) prägte den Begriff der „Facts of Life“, der Grundtatsachen des Lebens, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.Weiterlesen
„Ich habe eine riesige Trennungsangst!“, sagen manche und fürchten sich sehr vor Trennungen. Doch was sie damit meinen, ist die „unorganische“ Trennung. Eine Trennung, die zu früh oder plötzlich kommt, ist oft kaum aushaltbar. Weiterlesen
Man liebt ihn immer noch, aber er ist schon tot. Die Mutter hat die Tochter immer mehr geliebt als den Sohn. Der Mann liebt die Frau „mehr“ als die Frau den Mann. Der Patient ist in die Therapeutin verliebt und es schmerzt ihn, dass sie glücklich verheiratet ist. Der Lehrer liebt den Mitschüler mehr, obwohl man selbst den Lehrer über alles liebt. Der Patient hängt emotional sehr am Analytiker, auch nachmittags, doch der Analytiker hat noch andere Patienten. „Emotionale Asymmetrien“ begleiten uns immer, überall, ein Leben lang. Doch worauf es ankommt, das sind die „Now Moments“, die emotionalen Berührungen, die uns überraschen und uns ganz und gar erfüllen.
Wenn zwei sich unterhalten, entsteht etwas Drittes. Im psychoanalytischen Behandlungszimmer entsteht eine spezielle Atmosphäre zwischen Analytiker und Analysand. Manchmal scheinen Mutter oder Vater des Patienten geradezu anwesend zu sein, manchmal ist deren Abwesenheit spürbar. Auch die Gestaltung des Raums, die Jahreszeit, das Tageslicht spielen eine Rolle. Bei Analytiker und Analysand entstehen gemeinsame Phantasien. Alles, was sich in der Analyse ausbreitet, wird als „Psychoanalytisches Feld“ bezeichnet. Geprägt wurde der Begriff Anfang der 60er Jahre von den Psychoanalytikern Madeleine Baranger (Psychoanalytikerinnen.de) und Willy Baranger und nochmals neu von Antonio Ferro (2003, Psychosozial-Verlag). Weiterlesen
Der Film „Beuatiful Mind – Genie und Wahnsinn“ aus dem Jahr 2001 erzählt – mit Variationen – die wahre Geschichte des Mathematikers John Nash (1928-2015), der mit knapp 30 Jahren an einer Paranoiden Schizophrenie erkrankte. Der Film bezieht den Zuschauer in das psychotische Erleben des Mathematikers mit ein, weil wichtige Hauptpersonen zu Beginn des Films keinen Zweifel an deren Echtheit lassen. John Nashs langer Weg zur Gesundung gelingt ihm, indem er seine Wahn-Figuren als nicht real erkennt. Weiterlesen
Wer die Psychoanalyse an einem Institut der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) erlernen möchte, der muss sich erst einmal einsortieren. Als Basis dient den Ärzten die Weiterbildungsordnung zum Psychoanalytiker nach der Ärztekammer (unabhängig von der DPV), sodass der Arzt (Facharzt der unmittelbaren Patientenversorgung) später als Psychoanalytiker im Kassensystem arbeiten kann. Zusätzlich haben viele Ärzte und Psychologen auch das Ziel, später einmal „DPV-Analytiker“ zu sein, also der Vereinigung anzugehören. Weiterlesen
Acetylcholin (ACh) ist ein Botenstoff im vegetativen Nervensystem, also in dem Nervensystem, das wir nur wenig willentlich steuern können. Das vegetative Nervensystem wird auch als „autonomes Nervensystem“ bezeichnet. Damit gemeint sind die zwei großen Systeme „sympathisches und parasympathisches Nervensystem“. Vereinfacht kann man sagen: Der Sympathikus ist für Aktivität, Wachheit und Flucht zuständig. Bei Überreizung macht er uns Stress. Der Parasympathikus ist für das Ruhen und die Verdauung zuständig. Er entspannt uns. Weiterlesen
Chunk = englisch „Klumpen“, wird eine Einheit genannt, die das Gehirn über die Sinne pro Sekunde aufnehmen kann. Man sagt, dass wir 7 Chunks pro Sekunde verarbeiten können. Der Psychologe und Physiker Walter von Lucadou erklärt es ganz einfach: „Ein Schüler, der gerade erst lesen lernt, braucht viel Zeit für jedes Wort, weil jeder Buchstabe für sich einen Chunk darstellt. Für geübte Leser dagegen ist das ganze Wort ein Chunk, manchmal sogar ein ganzer Satz“ („Die Geister, die mich riefen“, Bastei-Lübbe, Köln 2012: S. 61).
Peinlichkeit ist so eng verwandt mit Scham und fühlt sich oft doch ganz anders an. Im Wort „Peinlichkeit“ steckt die „Pein“, also die „Qual“, der „Schmerz“. Ist uns etwas peinlich, dann versetzt es uns einen Stich. Es fühlt sich spitz an. Die Scham ist da irgendwie „breiter“. Weiterlesen
Die „Folie à deux“ ist ein „Verrücktsein zu zweit.“ Verliebte kennen es oder Mutter und Kind in den ersten Lebenswochen. Die „Folie à deux“ kann der Himmel auf Erden, aber auch die Hölle sein, z.B. wenn zwei Menschen, die einander nicht gut tun, nicht voneinander loslassen können. Eine „Folie à deux“ kann auch in der Psychoanalyse entstehen, wenn Patient und Analytiker quasi aneinander haften, wenn es keine innere und/oder äußere Triangulierung mehr gibt und keinen Ausweg. Weiterlesen