Wenn Eltern unter der Geschlechtsangleichung („Geschlechtsumwandlung“) des Kindes leiden

Es ist schon dunkel geworden, als ich Bürotür hinter mir zuziehe. Ich bin spät dran. Mein älterer Kollege anscheinend auch. Doch irgendwie ungewöhnlich: Er sitzt auf der Treppe und raucht. Als ich näher komme, sehe ich, dass er weint. „Ich habe meinen Sohn verloren“, sagt er leise. „Oh mein Gott“, denke ich. „Er wird sich zu einer Frau umoperieren lassen. Schon sehr bald“, sagt er. Erschüttert setze ich mich neben ihn. Ich versuche, meine Gedanken zu sortieren. „Wissen Sie, wo ich Hilfe finde?“, fragt er mich. (Text & Bild: © Dunja Voos)

Was ist mit den Verwandten?

Da liest man tagein, tagaus über Homosexualität, Trans-, Bisexualität und Geschlechtsangleichungen, doch ist man dabei meistens mit dem Leid der Betroffenen selbst beschäftigt. Bis zum damaligen Zeitpunkt kam es mir nicht in den Sinn, dass auch Eltern und Angehörige in einem ungeahnten Ausmaß leiden. Stolz hatte mein Kollege immer von seinem Sohn erzählt – das Verhältnis zu ihm war gut. Er hatte sich immer einen Sohn gewünscht. Warum hatte er nicht bemerkt, wie unglücklich sein Sohn war? Was da alles in der Kommunikation „schiefgegangen“ sein könnte, was nicht bemerkt und ausgesprochen wurde, lässt sich nicht so schnell nachvollziehen. Jetzt jedenfalls sitzt der Vater vor mir, den es fast zerreißt. An seiner Identität als Vater rüttelt es gewaltig. Wo findet er Hilfe?

Ähnlich immergleiche Infos wie beim Thema „Sexueller Missbrauch“

Auf dem Gebiet der Transsexualität und die Auswirkungen auf die Eltern ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig – gerade psychoanalytische Sichtweisen kommen auch hier oftmals zu kurz. Im Internet finden sich zwar Broschüren und Hilfsangebote auch für Eltern, aber sie gehen kaum in die Tiefe. Oft wird den Eltern der Rat gegeben, das Kind zu respektieren und zu akzeptieren. Doch auch die Eltern haben ihre Geschlechtsidentitäts-Geschichte. Sie haben ein Kind groß gezogen und dabei auch eine Identität als Vater und Mutter entwickelt. Die Probleme der Eltern sind so individuell, dass auch ihnen wohl am besten mit einer eigenen Psychotherapie oder Psychoanalyse geholfen ist. Adressen gibt es z.B. bei der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V., www.dgpt.de.

Links:

Julian Gill Peterson:
Core Gender Identity: The Transgender Child and the Inversion of Freud
Posted on March 7, 2014
juliangillpeterson.wordpress.com

Adressen von Selbsthilfegruppen für Eltern transsexueller Kinder in Nordrhein-Westfalen:
trans-nrw.de/selbsthilfegruppen/

Psychotherapeutenliste auf trans-infos.de
www.trans-infos.de/psychotherapeuten

Ratgeber für Eltern von ATME e.V.
Aktion Transsexualität und Menschenrecht, 7/2012
atme-ev.de/texte/Eltern_Ratgeber-Version-1_0.pdf

Informationen für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern
transsexualitaet-info.de/?page_id=241

Schreibe einen Kommentar