Psychoanalyse bei einem Analytiker in Ausbildung – ist das gut?
„Ich würde nicht zu einem Psychoanalytiker in Ausbildung gehen“, sagt eine Bekannte. „Als Patient kann einem nichts Besseres passieren, als von einem Psychoanalytiker in Ausbildung behandelt zu werden“, sagt ein Supervisor. Was sind die Vor- und Nachteile in der Behandlung durch einen Ausbildungskandidaten? Wer sich für eine Psychoanalyse-Ausbildung entscheidet, hat in der Regel Psychologie oder Medizin studiert.
Auch Akademiker anderer Fachrichtungen können Psychoanalytiker werden – sie heißen dann „Laienanalytiker“. Ein angehender Psychoanalytiker verfügt in der Regel bereits über einige Jahre Berufserfahrung. Viele waren schon vor der Ausbildung als Psychiater oder Psychotherapeut tätig. Viele haben schon größere Kinder und somit ein gutes Stück Lebenserfahrung. Bevor der angehende Analytiker Patienten behandeln darf, muss er mindestens zwei Jahre die Lehranalyse besucht haben.
„Meine mangelnde Erfahrung gleiche ich durch verstärkte Gewissenhaftigkeit aus“, sagte mir einmal eine junge Kollegin in der inneren Medizin. Auch die meisten angehenden Analytiker sind besonders gewissenhaft. Jede Stunde wird akribisch aufgeschrieben und nach jeder vierten Stunde bespricht der angehende Analytiker „seinen Fall“ mit seinem Supervisor.
Der angehende Analytiker geht zudem während der Ausbildung selbst zur Lehranalyse – das bedeutet, dass in der Analyse auftretende Konflikte, die mit der Persönlichkeit und den Problemen des angehenden Analytikers zu tun haben, besprochen und bearbeitet werden können. Einmal pro Woche oder alle 14 Tage ist ein kasuistisch-technisches Seminar Pflicht, also eine Gruppensupervision, die von Lehranalytikern geleitet wird. Auch hier wird der Patient – natürlich anonym – von Zeit zu Zeit besprochen.
Irgendwann sitzt jeder angehende Analytiker das erste Mal hinter der Couch. Diesen Schritt gehen die meisten erst, wenn sie sich ausreichend reif dafür fühlen. Viele überlegen sehr lange, bevor sie das erste Mal hinter der Couch sitzen. Doch der Ausbildungskandidat hat so oft an sich selbst erlebt, wie sich Psychoanalyse anfühlt, was der Analytiker wann und wie und warum sagt, dass es bei vielen schon „eingeübt“ ist, bevor sie das erste Mal selbst hinter der Couch sitzen. Manche waren auch selbst einmal Patient und sind darüber überhaupt erst auf die Idee gekommen, selbst Analytiker zu werden.
Viele Augen schauen
Der Analytiker in Ausbildung ist nicht allein. In Gruppen- und Einzelsupervisionen wird von verschiedenen Seiten beleuchtet, was da in der Analyse passiert. Das kann auch verwirrend sein, weil der angehende Analytiker merkt, wie viele verschiedene Ansichten es gibt. Doch letzten Endes gibt die eigene Intuition und Erfahrung die Richtung vor.
Es fehlt die Erfahrung
Natürlich fehlt es angehenden Analytikern an Erfahrung. Sie können noch nicht auf andere Analysen zurückblicken und laufende Analysen mit früheren Analysen vergleichen. Es kann schwer sein, Spannung auszuhalten, wenn es noch an Erfahrung fehlt. Bei einem erfahrenen Analytiker ist das anders. Und doch ist es mit jedem Patienten wieder neu. Immer wieder muss neu ausprobiert werden, was für diesen einen Patienten gut ist und was nicht. Bei einem erfahrenen Analytiker fühlt sich der Patient möglicherweise mehr gehalten. Allein das Wissen, dass derjenige, der hinter der Couch sitzt, über viel Erfahrung verfügt, beruhigt. Aber ob der Analytiker jung oder alt ist: wichtig ist die Passung.
Manche Patienten bevorzugen einen älteren, erfahrenen Analytiker, andere mögen es eher, wenn der Analytiker noch jung ist. Geistig beweglich sind meistens auch sehr erfahrene Analytiker – ebenso gibt es jüngere, eher „solide“ Analytiker. Manche beginnen ihre Ausbildung erst mit Anfang 50, sodass der Analytiker erfahren erscheint, obwohl er in seinem Beruf noch jung ist. Man muss es ausprobieren – oft ist es schwer, einen Analyse-Platz zu finden. Der Vorteil bei Analytikern in Ausbildung liegt darin, dass sie selbst noch auf der Suche nach Patienten sind und man bei ihnen schneller einen Platz bekommt.
Muss der angehende Psychoanalytiker dem Patienten mitteilen, dass er noch in der Ausbildung ist?
Bei Psychologen und Ärzten in der Psychoanalyse-Aus-/Weiterbildung taucht immer wieder diese Frage auf: „Muss ich meinem Patienten sagen, dass ich kein fertiger Analytiker bin, sondern mich noch in der Aus-/Weiterbildung befinde?“ Bisher gibt es dazu unterschiedliche juristische Auffassungen. Die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychosomatik, Psychotherapie und Tiefenpsychologie (DGPT) empfiehlt jedoch, den Patienten darüber aufzuklären, wenn man die psychoanalytische Ausbildung/Weiterbildung noch nicht abgeschlossen hat. (Quelle: Telefonische Auskunft der DGPT, 2018)
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One thought on “Psychoanalyse bei einem Analytiker in Ausbildung – ist das gut?”
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