Willkommen

Depersonalisation und Derealisation: Wenn alles so komisch ist, hilft Kneifen

Es gibt Momente, da wird’s einem ganz komisch. In unangenehmer Weise meint man, neben sich zu stehen oder in einer anderen Realität zu sein. Die Angst, verrückt zu werden, ist ganz nah. Diesen Zustand nennen Psychotherapeuten „Depersonalisation“. Dieses Gefühl tritt häufig ab der Pubertät auf sowie bei psychischer Anspannung, Einsamkeit und körperlicher Erschöpfung. Besonders gut kennen es schwer traumatisierte Patienten, z.B. frühtraumatisierte Menschen mit einer schweren Angststörung. Da erscheint einem vielleicht die eigene Hand ganz fremd und die eigene Stimme klingt wie ein Hall von irgendwoher. Nach ein paar Momenten vergeht dieses Gefühl häufig wieder. Weiterlesen

Psychosen verstehen, Medikamente absetzen – wer kennt sich aus?

Wer in der Psychiatrie die Medikamenteneinnahme verweigert, hat oft einen schweren Stand. Ärzte und Therapeuten werfen den Patienten mitunter vor, sie könnten nicht vertrauen, hätten keine Krankheitseinsicht und würden sich trotzig wie ein Kind benehmen. Zum Glück gibt es Psychotherapeuten wie den New Yorker Psychiater Peter Breggin (geboren 1936) – er setzte sich sein Leben lang dafür ein, Psychosen zu verstehen und keine Psychopharmaka zu verordnen. Je stärker die Antipsychotika die Psychiatrie eroberten, desto weniger Raum blieb für psychologische Erklärungsmodelle und Psychotherapie. Weiterlesen

Schizophrenogene Mutter – gibt es sie noch?

Der Begriff „schizophrenogene Mutter“ kam in den 70er Jahren noch häufig vor. Man ging davon aus, dass die Mutter (bzw. die engste Bezugsperson) ein Kind schizophren „machen“ konnte. Der Begriff wurde von der Psychoanalytikerin Frieda Fromm-Reichmann (1889-1957) geprägt. Sie war die Analytikerin von Joanne Greenberg (geb. 1932), die schon als Jugendliche unter Schizophrenie litt. Später (1964) schrieb Joanne Greenberg unter dem Namen „Hannah Green“ das Buch „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ (Verlag Rowohlt). Heute hört man den Begriff „schizophrenogene Mutter“ kaum noch. Weiterlesen

Buchtipp: Richard Reichbart: Anatomy of a Psychotic Experience (Anatomie einer psychotischen Erfahrung)

Der Jurist und Psychoanalytiker Richard Reichbart (IPA) ist einer der wenigen Psychoanalytiker, die sich mit dem Paranormalen beschäftigen. Seine Lehranalyse hat der bei Jule Eisenbud, psi-encyclopedia, gemacht, bei dem er gelernt hat, auf paranormale Phänomene zu achten und sie in die psychoanalytische Arbeit mit aufzunehmen. Weiterlesen

Symbol und Symbolisiertes: Wenn der Abstand fehlt

Da habe ich ein gemaltes Herz von meinem Kind. Es „bedeutet“ Liebe, es deutet auf die Liebe zwischen mir und meinem Kind hin. Das gemalte Herz ist ein Symbol. Die Liebe ist echt. Aber sie ist so schwer zu beschreiben. Symbole zeigen, was „eigentlich“ gemeint ist. Die Liebe ist „das Symbolisierte“, das Herz ist das Symbol. Ich als „Subjekt“ kann das Symbolisierte verstehen und mich darüber freuen, dass mein Kind mich liebt. Dazu braucht es eine Denkleistung, ein Verstehen. Das, was so schwer in Worte zu fassen ist, die Liebe, wird durch das Symbol dargestellt. Das Symbol verbindet uns. Ein Bild für die Gefühle von Zweien. Bei Menschen mit einer Psychose oder einer schizoiden Störung ist das Verstehen von Symbolen oft eingeschränkt. Oder umgekehrt: Die Betroffenen geben allem Möglichen eine symbolische Bedeutung und sind dann z.B. vor Scham kaum noch lebensfähig. Weiterlesen

Apophänie: wenn man rasch Zusammenhänge und Bedeutungen sieht, wo keine sind

Im Film „A Beautiful Mind“ (2001) spielt der Schauspieler Russel Crowe den genialen Mathematiker John Nash (1928-2015, Wikipedia), der mit 30 Jahren an Schizophrenie erkrankt, sich später davon aber erholt. John Nash sieht im Film z.B. in Sternenbildern bedeutsame Muster. Er erkennt aus rätselhaften Zahlen im Pentagon, dass es sich um die Zahlen von Breitengraden halten muss. Die Grenze zwischen dem sinnvollen Erkennen von Zusammenhängen, die vorher nicht gesehen wurden und „Zusammengesponnenem“ ist oft schmal. Wann immer wir aus einzelnen Erlebnissen oder Elementen, die gar nicht zusammenhängen, Muster herstellen, von denen wir meinen, dass sie uns etwas erklären, erleben wir eine Apophänie. Beispiel: Wir sehen in den dritten und vierten Buchstaben der Autonummernschilder einer Stadt eine zusammenhängende Bedeutung. Weiterlesen

Wir brauchen mehr hochfrequente Psychotherapien für frühtraumatisierte und psychotische Menschen

„Ich brauche mehr Einzelgespräche“ – kaum einen Satz hörte ich öfter, als ich noch als Ärztin in einer psychiatrischen Tagesklinik arbeitete. Der Hunger nach haltgebender und empathischer Beziehung ist riesig. Wenn das Selbst wie „rupturiert“ (eingerissen) ist, braucht der Mensch einen anderen Menschen, der dabei hilft, das Selbst wieder „ganz“ werden zu lassen. Tageskliniken und vollstationäre Behandlungen in den Psychiatrien werden dem großen Bedürfnis der schwer Leidenden nach einer „zweiten Seele“ nicht gerecht. Wenn man sich die Videos der Säuglingsforscherin Beatrice Beebe anschaut oder an das Still-Face-Experiment denkt, dann sieht man, wieviel Gegenüber die menschliche Seele braucht, um gesund zu reifen. Schwer psychisch kranke Menschen haben oft einen großen Drang danach, diese Erfahrung einer engen Beziehung zu einem empathischen Menschen nachzuholen. Weiterlesen

Katatonie – wenn man sich stilllegt

Als „kataton“ (kata = griechisch: „von oben nach unten“, herab; tonus = Spannung) bezeichnet man einen Menschen, der nur noch da sitzt uns sich unter großer innerer Anspannung nicht mehr bewegt. Das kommt unter anderem bei sehr schweren Depressionen und Psychosen vor. Manchmal wippen die Betroffenen ihren Körper vor und zurück, weil das Schaukeln sie wenigstens etwas beruhigt. Manche Menschen spüren sich selbst und ihren Körper im starren Liegen oder Sitzen mehr als in der Bewegung. Weiterlesen

„Immer, wenn ich mich verliebe, werde ich psychotisch.“ Eine Anti-Liebeserklärung an den, den ich liebe

Man solle sich „in sich selbst zu Hause fühlen“ – dann könne man auch eine Partnerschaft eingehen, heisst es. Und doch ist das für manche Menschen ein Ding der Unmöglichkeit, weil das „Zuhause“ ein Ort von Geschrei, Missachtung und Grausamkeit war. Weiterlesen

Psychose und die Welt der unbelebten Dinge

Bei schweren psychischen Störungen spielen unbelebte Dinge oft eine sehr große Rolle: Messies häufen Müll an, zwanghafte Menschen sammeln Briefmarken, Fetischisten erregen sich an Stöckelschuhen und narzisstische Menschen brauchen dicke Autos. Bei Psychosen werden Dinge oft ganz speziell verwendet. Beispielsweise versuchen sich manche Psychotiker, sich mit Alufolie vor Strahlen zu schützen. Andere verwenden einen Schrank als Symbol für den psychischen Container oder nutzen ihn als Projektionsfläche und fürchten sich vor dem Dunklen darin.Weiterlesen