Warum konnten wir es jahrelang zulassen, missbraucht zu werden? Warum sind wir wie versteinert, wenn die Chefin uns anschaut? Warum führen wir die Vojta-Therapie bei Babys durch, obwohl wir schon so lange wissen, dass sie möglicherweise psychisch schadet? Warum fahren wir als Geisterfahrer immer schneller? Weil wir im Bann sind. Wenn wir gebannt sind, sind wir wie gelähmt. Doch wenn wir die Idee bekommen, dass wir im Bann sind, dann dämmert es uns: Wie in einem Alptraum merken wir, dass wir träumen. Weiterlesen
Der Ausdruck „weiße Depression“ wurde von dem Psychoanalytiker André Green geprägt. Er meint damit eine Depression, die entsteht, wenn ein Kind eine depressive Mutter hat. Die depressive Mutter ist für das Kind emotional nicht anwesend, auch wenn sie körperlich da ist. Das Kind nimmt das Bild dieser -emotional abwesenden – Mutter in sich auf. Diese Mutter wirkt innerlich und äußerlich wie „tot“. Sie erscheint unerreichbar. Weiterlesen
Das Kind, es schaut sich immer um. Es duckt sich. Überall erscheint es zu früh, um zu testen, ob die Luft rein ist. Nie wieder, nie wieder, will es, wie als Kind, plötzlich überfallen und festgehalten werden. Das Kind ist jetzt in ganz anderen Situationen. Zusammen mit Menschen, die Sicherheit bieten. Kann sein Inneres es unterscheiden? Kann sein Inneres heilen? Eine Frage der Zeit? Der Wiederholung? Der neuen Erfahrung? Der Sinn-Schärfung? Der Differenzierungsfähigkeit? Schau, Kleines, es ist alles gut. Wirklich gut. Hier ist nichts Böses. Kein Angreifer mehr da. Sie sind alle weg. (Text & Bild: © Dunja Voos) Weiterlesen
Wer mitten im Berufsleben steht und eine Psychoanalyse-Ausbildung beginnen möchte, braucht erstmal Zeiträume für die Lehranalyse. Bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) heißt das: Vier Mal pro Woche 45 Minuten Lehranalyse plus Hin- und Rückweg müssen eingeplant werden, also grob gesagt zwei bis drei Stunden pro Tag. Das bedeutet für viele zunächst einmal weniger Zeit fürs Geldverdienen. Rein rechnerisch. Doch die Lehranalyse gibt oft Kraft, sodass man mehr Energie für seine Arbeit hat und seine Kräfte sinnvoller einsetzen kann. Andererseits kann die Psychoanalyse phasenweise sehr erschöpfend sein.Weiterlesen
Als ich meine Ausbildung zur Psychoanalytikerin bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV/IPA) begann, stellte ich mir vor, bei den Psychoanalytikern gäbe es so eine Art „Beziehungs-Himmel auf Erden“. So, wie ich immer wieder geneigt war, Pfarrer, Psychologen, Buddhisten oder Nonnen als „irgendwie bessere Menschen“ zu phantasieren, so dachte ich, in einem psychoanalytischen Institut herrsche mehr oder minder eine ständige Wohlfühlatmosphäre.Weiterlesen
Bodenlose Angst, bodenlose Frechheit, bodenloser Hass. Wenn es keinen Halt mehr gibt, geht der Riss durch und durch. Den Unterschied zwischen psychischer Gesundheit und Krankheit macht die Dicke des Bodens. Der Borderliner fällt nie ganz durch, doch für den Psychotiker ist zeitweise jede Hoffnung verloren. Durchlässig, prorös, arrodiert fühlt man sich. Manchmal kommen Durchfall, Schweiß und Übelkeit. Die Muskeln zittern. Niemand versteht. Grenzenlose Einsamkeit. Doch was macht den Boden aus? Wie kann er wieder eingezogen werden? Weiterlesen
„Ebenen-Wechsel sind zu vermeiden“ – ein Satz, den viele Journalisten in ihrer Ausbildung hören. Ein ungewollter Ebenenwechsel findet zum Beispiel statt, wenn wir versehentlich „Sie“ (Ansprache) und „sie“ (die anderen) an den verschiedenen Stellen nicht richtig schreiben. Das kann rasch verwirren. Auch Akkusativ-Objekte am Satzanfang führen den Leser in die Verwirrung: „Autos fahren die Kinder“ könnte heißen: Die Kinder fahren selbst aktiv Autos, also nicht Fahrräder. Es könnte aber auch heißen, dass selbstfahrende Autos nun die Kinder durch die Gegend kutschieren. Weiterlesen
Viele Kinder erleben Gewalt und werden durch die Erfahrungen, die sie in ihrer Familie machen, psychisch oder körperlich krank. Ist man erwachsen, kann diese Sorge immer wieder auftauchen: „Macht mich mein Partner krank? Er nörgelt an allem herum, was ich tue oder sage. Er engt mich so ein, dass ich kaum noch atmen kann.“ In der Folge verlässt man den Partner – doch das Alleinsein schmerzt und die lange Strecke ist länger als gedacht, sodass auf einmal der Gedanke kommt: „Kann mich das lange Alleinsein krankmachen?“ Weiterlesen
Nicht wenige Menschen glauben, Sigmund Freud hätte verbissen „Konversionstherapien“ durchgeführt, also homosexuelle Menschen zu heterosexuellen Menschen „gemacht“. Sie haben die Vorstellung, dass auch die Psychoanalytiker von heute glauben, Homosexualität sei etwas Krankhaftes. Sigmund Freud selbst sagte dazu unter anderem: „Man muß sich sagen, daß auch die normale Sexualität auf einer Einschränkung der Objektwahl beruht, und im allgemeinen ist das Unternehmen, einen vollentwickelten Homosexuellen in einen Heterosexuellen zu verwandeln, nicht viel aussichtsreicher als das umgekehrte, nur daß man dies letztere aus guten praktischen Gründen niemals versucht.“ (Sigmund Freud: Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität. Kleine Schriften II, 1920, Kapitel 38, Projekt Gutenberg)
Eine der wichtigsten Fragen im Leben einer Frau ist wohl: „Wer soll der Vater meines Kindes sein?“ Und damit fangen ganz viele Dramen an. Wenn der Schwangerschaftstest positiv ist und das Baby im Bauch heranwächst, findet nicht selten erst einmal ein Überlebenskampf statt. Die Gedanken der Mutter (und natürlich auch des Vaters) können wechseln zwischen liebevoller Zuwendung, Hass und Todeswünschen. „Eigentlich wollte ich immer ein Kind von meiner großen Liebe. Und jetzt weiß ich nicht, wie ich damit zurechtkommen soll, dass mein Kind im Bauch nicht von dem Mann ist, den ich so sehr geliebt habe“, denkt so manche Schwangere.Weiterlesen