Willkommen

Ich-synton und Ich-dyston

Ichsynton bedeutet, dass man selbst mit dem, was man denkt und tut, im Einklang ist. Man hat das Gefühl: „Ja, das bin ich.“ Bei einem ichdystonen Verhalten entsteht hingegen das Gefühl, dass das eigene Fühlen, Denken und Handeln fremd ist („syn-“ = griechisch: zusammen, mit; „dys-“ = griechische Vorsilbe für „nicht“; „ton-„, abgeleitet vom Lateinischen „tonus“ = die Spannung). Zwangsvorstellungen werden beispielsweise häufig als Ich-dyston, also als fremdartig erlebt. Aber auch, wenn wir „böse“ werden, obwohl wir es ansonsten nicht sind, sagen wir manchmal: „Das bin nicht ich selbst.“ Weiterlesen

Elektrokrampftherapie (EKT) – moderne Form des Exorzismus?

Das Schlechte muss raus, der böse Geist muss ausgetrieben werden. Das ist eine uralte Vorstellung der Menschen. In vielen Kulturen gibt es daher den Exorzismus. In den USA ist der Exorzismus-Pastor Bob Larson ein Star. Der Journalist Stephan Nielsen erkundet den islamischen Exorzismus (Youtube: Stephan investigates Islamic Exorcism). Die Behandelten schütteln und biegen sich, damit das Unerwünschte herauskommt. Eine sexuelle Konnotation ist nicht zu verleugnen. In der Psychitarie erblüht die Elektrokrampftherapie (EKT) erneut. Sie wird zwar unter Kurznarkose durchgeführt, jedoch finde ich sie nach wie vor erschreckend. Manche Patienten haben 10 EKT-Termine und stecken viel Hoffnung hinein.Weiterlesen

Was ist ein Psychoanalytiker? Wer wird Psychoanalytiker*in und wer ist „analysierbar“?

Der Psychoanalytiker Hermann Beland beschreibt einen Psychoanalytiker so: „Ein Psychoanalytiker lässt sich definieren als einer, der dazu ausgebildet wurde und sich dazu weitergebildet hat, durch warmes und intensives Zuhören das Schicksal einer „nameless dread“ (Anmerkung: „namenlosen Angst“) aufzunehmen.“ Hermann Beland: Leidenschaftliches Zuhören bei namenloser Angst. Psychosozial-Verlag, 2020, S. 10, Leseprobe (PDF) Weiterlesen

Negative therapeutische Reaktion (NTR) – was ist das?

Kaum glaubt der Psychoanalytiker, dass der Patient „Fortschritte“ macht, erzählt der Patient, dass es ihm plötzlich schlechter gehe als je zuvor. Es scheint, als würde der Fortschritt auf der einen Seite einhergehen mit einem Rückschritt auf der anderen Seite. Sigmund Freud beschrieb die „Negative therapeutische Reaktion“ in seinem Beitrag „Das Ich und das Es“ bereits im Jahr 1923.Weiterlesen

Thomas Galli: Was die Kriminologie von der Psychoanalyse lernen kann

Die Zusammenhänge zwischen Psychoanalyse und Kriminologie sind zu vielfältig und komplex, um sie in einem Beitrag wie dem vorliegenden auch nur annähernd andeuten zu können. Spontan könnte man etwa daran denken, der Frage näher nachzugehen, inwieweit die Psychoanalyse als Form von Therapie und medizinischer Heilkunst geeignet ist, Straftäter zu „heilen“, das heißt ihre Straffälligkeit zu reduzieren. Weiterlesen

Der Schlaf des Analytikers (von Ralf Zwiebel). Und: Gähnen ist mehr als Abwehr

„Mein Analytiker ist letztens in der Sitzung eingeschlafen! Und dann sagt er auch noch, dass es mit mir zu tun haben könnte!“, erzählt ein Analysand entsetzt. In der Psychoanalyse liegt der Patient auf der Couch und der Analytiker sitzt im Sessel dahinter. Dieses Setting lädt auf gewisse Art zum Einschlafen ein. Auch Psychotherapeuten, die mit ihren Patienten im Sich-Gegenüber-Sitzen arbeiten, kennen Müdikeitsreaktionen. Doch dass es insbesondere ein Phänomen der Psychoanalyse sein könnte, davon schreibt der Psychoanalytiker Ralf Zwiebel (DPV) in seinem Buch „Der Schlaf des Analytikers“, das bereits 1992 erstmals erschien.Weiterlesen

Gespalten kommunizieren: „Ich denke nur an meine Angst.“

„Wenn ich mit anderen spreche, dann höre ich zu und gebe vernünftige Antworten. Doch in mir läuft ständig ein zweites Band mit: Ich bin mit meiner Angst beschäftigt“, sagt eine Frau. Manchmal fühlen wir uns, als bestünden wir aus zwei Kistchen: Die obere Kiste ist sozusagen die „Kommunikationskiste“, die untere Kiste ist die, in der unsere ängstliche und depressive Seele sitzt. Es ist oft ein verzweifeltes Gefühl, das wir haben, wenn wir innerlich von unseren Nöten bedrängt werden und äußerlich normal kommunizieren müssen. Weiterlesen

Partnerschaft: Alles wissen, alles erzählen?

Das Schwierigste, worüber man in einer Partnerschaft wohl sprechen kann, ist über die Beziehung selbst. Man denkt etwas über eine gemeinsame Szene, es ist einem etwas peinlich oder man denkt etwas Peinliches über den anderen – doch wie soll man es sagen? Loriot hat in seinem Sketch „Die Nudel“(Facebook) so gut auf den Punkt gebracht, wie schwierig es sein kann, im Moment zu sagen, was man am anderen oder an sich selbst entdeckt. „Da steht etwas zwischen uns“, sagen wir. In einer Partnerschaft taucht etwas auf, das man im Single-Leben für sich allein nicht hat: Ein zusätzliches inneres Kästchen, ein Raum in sich, in dem man über sich, den anderen und die Beziehung nachdenkt. Weiterlesen

Der Psychoanalyse-Zeitstrahl

Welcher Psychoanalytiker ist wann geboren, welche Gesellschaft gründete sich wann und wer war Lehranalytiker für wen? Weiterlesen

Das unbewusste Wissen der Mobbinggruppe: Pervertierte Empathie

Ein Mädchen erlebt zu Hause Missbrauch, doch niemand weiß davon. In der Schule wird es gemobbt. Eine Anführerin gründet einen „Anti-(NameDesMädchens)-Club“ und animiert die anderen, sich mit ihr gegen das Mädchen zu verbünden. Eine grausame Geschichte, kürzlich gehört im Radio. Was da passiert, ist rätselhaft und kann doch auf verschiedenen Ebenen verstanden werden. Wir vermeiden oder verachten mitunter die Menschen, die Krankheiten oder Schicksale erlitten haben, vor denen wir uns selbst fürchten. Wenn wir diesen Menschen begegnen, können wir spüren, wie es sich anfühlen muss, etwas bestimmtes zu erleiden.Weiterlesen