Erik Homburger Erikson und Milton Hyland Erickson – nicht verwechseln!
Sie klingen so ähnlich und sind doch so unterschiedlich: Erik Homburger Erikson und Milton Hyland Erickson. Während Erik Erikson (geboren 1902 in Frankfurt, gestorben 1994 in den USA) ein Psychoanalytiker war, war Milton Erickson (1901-1980, USA) ein Psychiater, der sich infolge seiner Erkrankung an Kinderlähmung intensiv mit der Hypnose als Therapieform beschäftigte. Erik Homburger Erikson hingegen war ein „Ich-Psychologe“ und ein Neo-Freudianer.
Der deutsch-indische Psychoanalytiker Sudhir Kakar beschreibt in seinem Buch „Die Seele der anderen“ (Beck, 2012), wie er Erik Erikson traf und erlebte: „Die Art und Weise, in der er mit jener undefinierbaren Eigenschaft namens Weisheit Menschen und Ereignisse betrachtete, öffnete mir den Verstand – und auch meinen Geist – auf eine Weise, die ich zuvor noch nie erlebt hatte … Selbst wenn ich den Eindruck hatte, dass jemand Unsinn redete, paraphrasierte Erikson den Betreffenden auf eine Art, die dem Beitrag einen Wert zuwies – einen Wert, den er selbst hinzufügte. Immer wieder sah ich diese freudige Überraschung im Gesicht eines Studenten – „Habe ich das gesagt?“ Jeder, der an einem Seminar Eriksons teilnahm oder mit ihm sprach, ging mit einem Gefühl, bestärkt, niemals jedoch herabgesetzt worden zu sein. Ich glaube, es war dieser angeborenen geistigen Großzügigkeit zu danken, dass er mir Beachtung schenkte.“ (S. 165)
Der Psychoanalytiker Erik Homburger Erikson (siehe Ärzteblatt) hat die psychosexuellen Phasen nach Freud etwas abgewandelt und ausgeweitet und somit Phasen für das ganze Leben beschrieben:
- Vertrauen gegen Misstrauen (1. Lebensjahr)
- Autonomie gegen Scham und Zweifel (2. und 3. Lebensjahr)
- Initiative gegen Schuldgefühl (4., 5. Lebensjahr)
- Werksinn gegen Minderwertigkeitsgefühl (6. Lebenjahr bis Pubertät)
- Identität gegen Identitätsdiffusion (13.-20. Lebensjahr)
- Intimität und Solidarität gegen Isolierung (20 bis etwa 45 Jahre)
- Generativität gegen Selbstabkapselung (45 bis 65 Jahre)
- Integrität gegen Verzweiflung (65 Jahre bis Tod)
„Mit seiner Betonung kultureller Zusammenhänge sowie ethischer, humanistischer und religiöser Faktoren rückt sein Denken in die Nähe von Vertretern der Neopsychoanalyse, etwa Karen Horney und Erich Fromm.“ Ärzteblatt, Mai 2019
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Links:
Erikson Institute, Chicago, Illinois, USA
Milton Erickson Foundation, Phoenix, Arizona, USA
Erik Homburger Erikson (1954):
Traummuster in der Psychoanalyse
Psyche, 1955, 8(10), 561-604
https://www.psychosozial-verlag.de/52812
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 16.12.2012
Aktualisiert am 22.7.2023


