Unverdaulich

Unvereinbar. Die Mutter, sie möchte helfen und Schlimmeres verhindern, doch sie übt Gewalt aus. Sie quetscht das Kind in der Vojta-Behandlung. Diese Brüste über dem Kind! Viel zu früh wird es gezwungen, Widerstand zu leisten, ein Ich zu entwickeln, sexuelle Erregung zu empfinden. Immerhin: Das Schreien wirkt fast wie ein Schmerzmittel. Die Mutter, die selten zärtlich sein kann, ist die Angreiferin. Sie spricht dem Kind tröstlich zu. Nun ist es vollends verwirrt. Liebe, Gewalt, Erregung – so vermischt, dass es nicht zu verarbeiten ist. Diese Gefühl, etwas nicht verarbeiten zu können, etwas nicht genießen oder annehmen zu können, jemandem nicht angstfrei begegnen zu können, eine unaushaltbare Ambivalenz zu verpüren, lässt das Kind nie mehr los.

Es kann das Unverdauliche nur anschauen. Es kann sich dem Rätselhaften nur mit dem Gefühl des Rätselhaften nähern. Es wird immer unverstanden bleiben. Es ist so schwer zu verstehen wie der Holocaust – nämlich gar nicht. Es bleibt nur Eines: das nicht Akzeptierbare zu akzeptieren. Das Nicht-Verdauliche nicht-verdaulich sein zu lassen. Den Stein anzuschauen. Und die Gefühle zu untersuchen, die dabei entstehen.

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Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 19. Dezember 2019
Aktualisiert am 22.7.2024

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