Neuroleptika
Ein Neuroleptikum ist ein Medikament, das gegen Psychosen wirkt. Bei einer Psychose kann der Betroffene die Realität von der Phantasie nur schwer unterscheiden: Er fühlt sich verfolgt, hat Wahnideen oder hört Stimmen. Es gibt hochpotente Neuroleptika, die stark gegen die Psychose wirken, also stark neuroleptisch sind. Sie wirken jedoch nur wenig beruhigend. Zu diesen hochpotenten Neuroleptika gehören einige Wirkstoffe aus der Gruppe der Butyrophenone wie das Haloperidol, Benperidol, Pimozid oder Fluspirilen.
Die niedrigpotenten Neuroleptika hingegen wirken stark beruhigend (sedierend), sind jedoch nur leicht gegen die Psychose wirksam. Wirkstoffe aus der Gruppe der Phenothiazine gehören dazu: Promethazin und Thioridazin beispielsweise. Den Phenothiazinen sehr ähnlich sind die Thioxanthene. Zu ihnen gehört z. B. der Wirkstoff Chlorprothixen.
Atypische Neuroleptika
Neuere Neuroleptika werden „atypische Neuroleptika“ genannt, weil sie weder zu den niedrigpotenten noch zu den hochpotenten Neuroleptika gehören. Im Gegensatz zu den „typischen“ Neuroleptika rufen sie kaum extrapyramidalmotorische Störungen (EPMS) hervor. Im englischsprachigen Raum werden die atypischen Neuroleptika auch als Neuroleptika der 2. Generation bezeichnet. Hierzu gehören z. B. das Olanzapin und Risperidon.
Beispiel Olanzapin: Es ist ein „atypisches Antipsychotikum“. Der Wirkstoff ist in dem Medikament mit dem Handelsnamen Zyprexa® (Firma Lilly) enthalten. Wer’s chemisch mag: 2-Methyl-10-(4-Methyl-Piperazin-1-yl)-4H-3-Thia-4,9-Diazabenzo[f]azulen (C17H20N4S). Psychiater verschreiben das Medikament, wenn der Patient an einer Psychose oder Manie leidet. Die mittlere Tagesdosis (MTD) beträgt 10-15 mg. Es ist ein Thienobenzo-Diazepin-Abkömmling. Wie es genau wirkt, weiß man nicht (Pharmazeutische-Zeitung, 2014). Wissenschaftler vermuten, dass Olanzapin sich auf die Serotonin- und Dopaminrezeptoren setzt und sie dadurch blockiert.
Viele Patienten können von Olanzapin schlecht schlafen und nehmen an Gewicht zu. Die Wirkung tritt erst nach Tagen oder Wochen ein. (Hier ist es schwer zu sagen, ob das Medikament wirkt oder ob die Symptome auch so nachgelassen hätten.) „In der Wirkung auf Schizophrenie-Symptome schnitt Olanzapin besser ab als Quetiapin, Haloperidol und Sertindol.“ (Thieme, Fortschr Neurol Psychiatr 2016; 84(07): 395, DOI: 10.1055/s-0042-110290, Originalstudie: JAMA Psychiatry 2016, 73: 199-210)
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Hilfe beim Absetzen von Neuroleptika (= Antipsychotika):
www.peter-lehmann.de
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am: 2.8.2008
Aktualisiert am 16.9.2016