Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV), Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG), DGPT und IPA – ein Überblick

Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft für Psychoanalytiker. Die Vereinigung gehört zur Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV). Die DPV besteht aus 13 Instituten. Die Institute haben Ambulanzen, an die man sich mit psychischen Beschwerden wenden kann. An den Instituten kann man sich außerdem zum Psychoanalytiker ausbilden lassen.

Die DPV entstand 1950 nach einem langen Weg, der mit der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung, die 1908 gegründet wurde, begann. Seit 1910 gibt es zudem die Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPA). Im Jahr 1929 entstand das Frankfurter Psychoanalytische Institut (FPI). Die Berliner Psychoanalytische Vereinigung und das Frankfurter Psychoanalytische Institut verbanden sich damals zur „Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft“ (DPG).

Doch 1938 wurde die DPG aufgelöst, nachdem unter anderem jüdische Mitglieder zum Austritt aus der DPG gedrängt wurden. Am „Deutschen Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie“ (Göring-Institut) arbeiteten einige der verbliebenen Analytiker weiter.

Die DPG wurde 1945 neu gegründet. Sie hieß damals „Berliner Psychoanalytische Gesellschaft“ (BPG). Hier kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen dem Neo-Analytiker Harald Schlutz-Hencke und dem Analytiker Carl Müller-Braunschweig, der sich streng an Sigmund Freud hielt.

1950 trennten sich einige Analytiker von der DPG und gründeten die DPV. Hier wurde Carl Müller-Braunschweig Vorsitzender. Die DPV suchte den Kontakt zur IPV. In den 70iger Jahren hat sich auch die DPG wieder der Freudschen Psychoanalyse und der IPV angenähert. Heute gehören die DPV und die DPG zur „Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psyhotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V.“ (DGPT), dem Dachverband von vier psychoanalytischen Gesellschaften (DPG, DPV, DGIP [Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie] und DGAP [Deutsche Gesellschaft für Analytische Psychologie]).

Quelle: „Psychoanalytische Aus- und Weiterbildung in der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung“, Herausgeber: DPV, Berlin, 2008, http://www.dpv-psa.de/ausbildung/broschuere/

Da kann man schon mal mit den Namen durcheinanderkommen: Die „Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft“ (DPG) und die „Deutsche Psychoanalytische Vereinigung“ (DPV) sind zwei große psychoanalytische Verbände, die eine gemeinsame Geschichte haben. Der Psychoanalytiker Karl Abraham gründete 1908 einen Arbeitskreis, aus dem später die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft entstand. Zunächst aber hieß der Arbeitskreis „Berliner Psychoanalytische Vereinigung“ (BPV).

Eckdaten

  • 1910 wurde die Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPV) gegründet und die Berliner Psychoanalytische Vereinigung wurde hier Mitglied.
  • Im Jahr 1926 entstand der Name „Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft“ (DPG).
  • 1938 löste sich die DPG auf.
  • 1945 gründete sich die DPG neu unter dem Namen „Berliner Psychoanalytische Gesellschaft“. Erst seit 1950 heißt sie wieder „Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft“.
  • Die DPG gehört seit 2001 wieder zur Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV). Außerdem ist sie Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT).

Zuerst gab’s die DPG, dann die DPV

Der Psychoanalytiker Carl Müller-Braunschweig trennte sich mit einer Gruppe von Analytikern von der DPG und gründete 1950 die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV). 1951 wurde die DPV in die Internationale Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen. Sowohl bei der DPV als auch bei der DPG kann man sich zum Psychoanalytiker ausbilden lassen.

DGPT

Die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V. (DGPT) mit Sitz in Berlin ist der Dach-Berufsverband der Psychoanalytiker in Deutschland. Die Gesellschaft wurde 1949 gegründet und dient unter anderem der Verbreitung der Psychoanalyse. Der Verband vereinigt ärztliche und psychologische Psychoanalytiker. Zur DGPT gehören auch die Freien Psychoanalytischen Institute. Die DGPT ist der Spitzenverband folgender psychoanalytischer Gesellschaften: Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft e.V. (DPG), www.dpg-psa.de, Deutsche Psychoanalytische Vereinigung e.V. (DPV), www.dpv-psa.de, Deutsche Gesellschaft für analytische Psychologie e.V. (DGAP), www.cgjung.de und Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie e.V. (DGIP), www.dgip.de. Bereits in der Ausbildung zum Psychoanalytiker kann man der DGPT zu einem vergünstigten Beitrag beitreten.

Was ist ein FIPA?

„FIPA“ heißt „Fellow of the International Psychoanalytical Association“. „Fellow“ ist die englische Bezeichnung für „Mitglied einer Akademie, Partner, Kollege“. In Nordamerika tragen Psychoanalytiker den Zusatz „FIPA“ in ihrer Berufsbezeichnung, wenn sie bei der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV = englisch: IPA) ihre Ausbildung zum Psychoanalytiker gemacht und abgeschlossen haben. (Quelle: Find an Analyst, North America Psychoanalyst Search, ein Service der North American Psychoanalytic Confederation, NAPsaC).

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Links:

Eickhoff, Friedrich-Wilhelm (1995):
The formation of the German Psychoanalytic Association (DPV): regaining the psychoanalytical orientation lost in the Third Reich.
International Journal Of Psychoanalysis 1995, Oktober; 76 (Pt 5): 945-956, PMID: 8926142
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8926142
„He (Eickhoff) suggests that the foundation of the DPV was part of a conscious technical and scientific objective, namely the restoration of a psychoanalytical orientation that had become lost and buried in the Third Reich.“

Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 13.10.2012
Aktualisiert am 3.11.2025

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