In einer aufwendigen Studie, der Hanse-Neuropsychoanalyse-Studie, konnten Wissenschaftler bei 20 depressiven Patienten nachweisen, dass die psychoanalytische Therapie Veränderungen im Gehirn bewirkt. Schon nach 7 Monaten verringerte sich die Hirnaktivität in den Regionen, die für Angst und Furcht zuständig sind. Das Projekt trägt den komplizierten Namen „Neurobiologische und psychometrische Veränderungsprozesse bei psychoanalytischen Behandlungen von depressiven Patienten“. Die Studie wurde am 28.6.2012 im Open-Access-Journal „PlosOne“ veröffentlicht.
Zusammenfassung der Studie
Studien mit bildgebenden Verfahren haben gezeigt, dass sich das limbische System und der präfrontale Kortex („Vorderhinrinde“) bei Kurzzeittherapien, interpersonalen oder kognitiv-behavioralen Psychotherapien verändert. Die Wirksamkeit von psychodynamischen Langzeitbehandlungen wurden mittels bildgebender Verfahren bisher jedoch noch nicht erfasst.
Die Autoren Anna Buchheim (Universität Innsbruck) und ihre Kollegen haben nun 16 depressive Patienten, die keine Medikamente einnahmen, untersucht. Daneben gab es eine passende Kontrollgruppe von 17 depressiven Patienten, die sich dieser Behandlung nicht unterzogen.
Die Studienteilnehmer erhielten 15 Monate lang eine psychoanalytische Therapie, zu der sie 2- bis 3-mal pro Woche gingen. Zwei Mal wurden die Patienten mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) untersucht.
Reaktionen auf Bilder im MRT
Während der Untersuchung im MRT wurden den Patienten Bilder verschiedener Bindungs- und Beziehungsszenen vorgestellt. Diese wechselten sich mit neutralen Bildern ab. Außerdem präsentierten die Forscher den Patienten spezielle Sätze, die aus einem Bindungs-Interview stammten. Die Forscher analysierten, wie das Gehirn der Patienten auf die angebotenen Bilder und Sätze reagierte. Auch die 17 Studienteilnehmer der Kontrollgruppe wurden so im Magnetresonanztomografen untersucht. Während bei den behandelten Patienten am Ende des 15-monatigen Zeitraums deutliche Unterschiede im Vergleich zum Studienbeginn erkennbar waren, konnten die Forscher bei den unbehandelten depressiven Patienten keine Unterschiede feststellen.
Bestimmte Hirnregionen verringern ihre Aktivität
Die Studienteilnehmer zeigten zu Beginn der Studie erhöhte Aktivitäten des linken vorderen Hippocampus, der Amygdala, des subgenualen Cingulums sowie des präfrontalen Kortex (Hirnrinde des Vorderhins).
Nach 15 Monaten psychodynamischer Therapie war erkennbar, dass diese Hirnregionen nicht mehr so übermäßig aktiv waren. Dieser Rückgang der Aktivität war insbesondere mit einer Verbesserung der Depression verbunden. Der Rückgang der Aktivitäten im medioalen präfrontalen Kortex hing allgemein mit einem verbesserten psychischen Wohlbefinden zusammen.
Abstract und kostenloser Volltext der Studie:
Wiswede, Daniel et al. (2014):
Tracking Functional Brain Changes in Patients with Depression under Psychodynamic Psychotherapy Using Individualized Stimuli.
Plos One, Published Ocotber 2, 2014,
DOI: 10.1371/journal.pone.0109037
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0109037
Buchheim A, Viviani R, Kessler H, Kächele H, Cierpka M, et al. (2012):
Changes in Prefrontal-Limbic Function in Major Depression after 15 Months of Long-Term Psychotherapy.
PLoS ONE 7(3): e33745. doi:10.1371/journal.pone.0033745
Published online: 28. März 2012
Beteiligte (unter anderen)
Anna Buchheim, Uni Innsbruck
Gerhard Roth, Bremen
Horst Kächele, Ulm
Weitere Beteiligte sind auf der Homepage des Psychologischen Instituts der Universität Innsbuck zu finden.
Das Projekt wird gefördert vom Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst und von der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung IPV.
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Von Godehard Weyerer
Deutschlandfunk, 28.6.2012
Psychoanalyse – deutliche Wirkung im Gehirn bewiesen
Focus Online vom 16.9.2009
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 28.7.2012
Aktualisiert am 27.5.2014
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