Externalisierende Störungen werden häufiger bei Jungen als bei Mädchen diagnostiziert

Ärzte und Psychologen bezeichnen Verhaltensauffälligkeiten (meistens bei Kindern und Jugendlichen) als „externalisierende Störungen“. Eine „externalisierende Störung“ ist also etwas, was man von außen beobachten kann. Dazu gehören zum Beispiel motorische Unruhe (ADHS) oder aggressives Verhalten („Störungen des Sozialverhaltens“). „Internalisierende Störungen“ hingegen kann man von außen nicht sehen. Das sind Probleme, die innerlich bearbeitet werden, wie zum Beispiel Selbstzweifel, Depressionen oder Ängste. Eine „externalisierende Störung“ wird häufiger den Jungen zugeordnet, wohingegen Mädchen häufiger an „internalisierenden Störungen“ leiden.

Der Begriff „externalisierende Störung“ wird von einigen Wissenschaftlern als problematisch bewertet. Das, was bei den Jungen gelegentlich als „externalisierende Störung“ bezeichnet wird, ist nicht immer eine Störung – oft zeigt ihr Verhalten eigentlich etwas sehr Gesundes. Sie verhalten sich eben wie Kinder, denen es zu eng geworden ist, denen es an männlichen Vorbildern, gesunden Bindungen und Freiheit mangelt.

Links:

Marion Sonnenmoser:
Externalisierende Störungen bei Kindern und Jugendlichen: Kontrollverhalten,
Ungeduld und Ablehnung der Eltern können psychische Probleme verstärken

Deutsches Ärzteblatt, PP 1, Ausgabe April 2002, Seite 167

Trautmann-Villalba P, Gerhold M, Polowczyk M, Dinter-Jörg M, Laucht M, Esser G, Schmidt MH:
Mutter-Kind-Interaktion und externalisierende Störungen bei Kindern im Grundschulalter.
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2001; 29: 263–273

Hudson JL, Rapee RM:
Parent-child interactions and anxiety disorders: an observational study.
Behaviour Research and Therapy 2001; 39: 1411–1427

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