Depressionen bei Kindern und postpartale Depression der Mutter hängen zusammen

Nicht nur Erwachsene leiden unter Depressionen – auch bei Kindern und Jugendlichen kommen sie vor. Die Ursachen sind vielfältig. Einige Studien weisen darauf hin, dass schon das frühe Zusammenspiel zwischen Mutter und Kind Einfluss darauf haben kann, ob Kinder später depressiv werden oder nicht. Zu diesen Studien gehört die Untersuchung von Lynne Murray und Kollegen.

Erhöhte Cortisolwerte bei Kindern von Müttern mit postpartaler Depression

Eine Studie aus dem Jahr 2010 liefert ein Beispiel für den möglichen Zusammenhang zwischen postpartaler Depression bei der Mutter und erhöhten Cortisolwerten bei den großgewordenen Kindern. Erhöhte Cortisolwerte im Speichel sind dann zu finden, wenn man sich chronisch gestresst fühlt oder wenn zum Beispiel eine Depression vorliegt.

Dr. Lynne Murray von der Universität Reading, Großbritannien, hat mit ihrem Team Mütter und Kinder im ersten sowie im fünften Lebensjahr zusammen beobachtet. Zu den Studienteilnehmerinnen gehörten 29 Mütter mit postpartaler Depression und 20 Mütter, denen es gut ging. Die Wissenschaftler untersuchten, in welchem Maß die Mütter auf ihre Kinder eingehen konnten bzw. wie sehr sie sich ihnen entzogen. Jahre später untersuchten die Forscher die Cortisolwerte im Speichel der inzwischen 13-jährigen Kinder.

Das Ergebnis: Wenn sich die Mutter ihrem Baby vermehrt entzog, fanden sich später erhöhte Cortisolwerte im Speichel der 13-jährigen Kinder. Zwischen dem Einfühlungsvermögen und der Cortisolkonzentration bestand hingegen kein Zusammenhang. War das Kind schon fünf Jahre alt, während sich ihm die Mutter vermehrt entzog, fanden sich keine erhöhten Cortisolwerte bei dem 13-jährigen Kind. Dieses Studienergebnis weist darauf hin, dass besonders das frühe Zusammenspiel zwischen Mutter und Kind Auswirkungen auf die emotionale Entwicklung des Kindes haben kann.

Nur ein Ausschnitt

Wenn depressive Mütter so etwas lesen, dann sind sie höchstwahrscheinlich noch besorgter als sie es sowieso schon sind. Studien wie diese sind einerseits sehr ernst zu nehmen – machen sie doch einmal mehr darauf aufmerksam, wie wichtig der Kontakt zwischen Mutter und Baby ist. Sie machen aber auch deutlich, wie unerlässlich ein gutes Unterstützungsangebot für Mütter in Krisen ist.
Andererseits sollte man immer bedenken, dass Studien wie diese nur einen kleinen Ausschnitt aus einem großen Gesamtbild zeigen. Wie wichtig die frühe Mutter-Kind-Beziehung ist, ist überall zu lesen. Doch das Leben besteht nicht nur aus diesem frühen Abschnitt und viele Mütter machen sich viel zu große Sorgen darüber, ob sie etwas falsch machen oder nicht. Das Leben verläuft nie ideal und fast alle Mütter geben ihr Bestes. Entwicklungen sind immer möglich und Zeiten des Nachreifens gibt es auch.

Studien:

Murray L, Halligan SL, Goodyer I, Herbert J:
Disturbances in early parenting of depressed mothers and cortisol secretion in offspring: a preliminary study.
J Affect Disord. 2010 May;122(3):218-23. Epub 2009 Jul 25.

Halligan SL, Herbert J, Goodyer I, Murray L.
(Winnicott Research Unit, University of Reading, United Kingdom):
Disturbances in morning cortisol secretion in association with maternal postnatal depression predict subsequent depressive symptomatology in adolescents.
Biol Psychiatry. 2007 Jul 1;62(1):40-6. Epub 2006 Dec 22.

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