
Ständig müssen wir unzählige Ängste abwehren. Sowohl in der Außenwelt als auch in unserem Inneren lauern zahlreiche Gefahren wie ungewollte Wut, Rachegelüste, „unerlaubte“ Liebesgefühle und vieles mehr. Die Psyche will sich vor Unlust und Angst schützen. Das Ich wehrt äußere und innere Gefahren reflexartig ab und hat dabei verschiedene Möglichkeiten. Die verschiedenen Abwehrmechanismen formulierte Anna Freud in ihrem Buch „Das Ich und die Abwehrmechanismen“ im Jahr 1936. Weiterlesen

Eine der größten Herausforderungen in der Psychotherapie ist sicher das Sprechen über sexuellen Missbrauch. Sowohl bei Psychotherapeuten als auch bei den erzählenden Patienten kann es zu einer merkwürdigen „Starre“ kommen – zu flacher Atmung und einem Gefühlsgemisch aus tiefer Scham, Neugier und Verwirrtheit. Das Besprechen der schwierigen Themen kann etwas leichter werden, wenn man sich vorher darauf einstellt, dass solche schwierigen Gefühle auftauchen können. Sie haben möglicherweise auch eine körperliche Grundlage: Beim Sprechen über die Sexualität kann das körperliche sexuelle Empfinden ganz nah sein. Es will vielleicht verdrängt werden und doch kann es sich auf merkwürdige Weise zeigen.Weiterlesen
Wenn ein Baby nach echtem sozialen Kontakt sucht, nach Berührung und nach der Stimme der Mutter, dann hat es so etwas wie eine „Schablone“ in sich, in die die passende Berührung und Stimme hineingelegt werden soll. Es „weiß“ sozusagen, wie der andere zu sein hat, um zu befriedigen. Der norwegische Soziologe Stein Braten hat hier den Begriff des „virtuellen Anderen“ gesprägt, den der Säugling sozusagen in sich trägt oder den er sich auf gewisse Weise spürt. Wenn die Mutter sich dann von außen nähert und mit dem Säugling im passenden Ton spricht, dann empfindet der Säugling tiefe Befriedigung. Die Mutter entspricht dann dem „virtuellen Anderen“, der zuvor im Säugling war. Weiterlesen
Die Amygdala, zu deutsch „Mandelkern“, ist ein uralter Teil des Gehirns. Eine schöne Abbildung findet sich hier (Mr. Barlow’s Blog: „No amygdala, no fear“ – „Keine Amygdala, keine Angst“, was übrigens nicht ganz stimmt). Die Amygdala ist für unsere Gefühle zuständig. Hier entstehen teilweise Gefühle, hier werden sie teilweise gesteuert. Die Amygdala startet zum Beispiel „Alarmreaktionen, noch bevor das Großhirn darüber nachzudenken in der Lage ist“ (Wettig 2009). Weiterlesen
Wenn wir „passiv-aggressiv“ sind, dann haben wir in der Regel Angst vor unserem Gegenüber. Wir wollen etwas erreichen, gehen aber vielleicht davon aus, dass der andere sowieso „Nein“ sagen wird. Wir sind wütend auf den anderen, aber wir meinen, seine Verletzlichkeit zu spüren, und sagen dann vielleicht übertrieben freundlich, was wir wollen oder denken. Vielleicht beneiden wir den anderen sehr, aber wir lieben ihn auch und dann überkommen uns Kopfschmerzen, sodass der gemeinsam geplante Konzertbesuch ins Wasser fallen muss. Unser Kind reißt uns nachts mit Fieber aus dem Tiefschlaf, doch weil wir es in so einem Zustand nicht anblöken können, sprechen wir mit fiepsig-freundlicher Stimme zu ihm, die aber irgendwie Ärger auslöst. Weiterlesen
„Woran merkt man eigentlich, dass man psychisch krank ist?“, werde ich manchmal gefragt. Ich glaube, man merkt es unter anderem daran, dass man zu viel denken muss. Wenn das Denken zum Leid wird, dann ist das häufig ein Anzeichen einer psychischen Erkrankung. Weiterlesen
Für die Ausbildung zum Psychoanalytiker bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) braucht man zwei Patienten, die jeweils mit vier Sitzungen pro Woche behandelt werden. Erst, wenn man zwei Patienten je 300 Sitzungen lang behandelt hat (und die weiteren Voraussetzungen erfüllt), kann man sich zum Abschluss-Kolloquium anmelden. Weiterlesen
Wir kommen im Alltag oft in die Position, uns rechtfertigen zu wollen: „Aber das habe ich doch gar nicht so gesagt!“ Sätze wie diese sind in der Psychoanalyse meistens nicht so sinnvoll. Hier geht es darum, dass der Patient Altbekanntes neu erlebt. Der Patient stellt mit dem Analytiker unbewusst und wie automatisch Situationen her, unter denen der/die Patient*in schon immer gelitten hat. Weiterlesen
Barry Goldwater (1909-1998) war ein US-amerikanischer Politiker, der sich 1964 zur Präsidentschaftswahl aufstellen ließ. Er verlor, nachdem das fact-magazine über 12.000 Psychiater zu ihrer Meinung zur Person Barry Goldwaters befragten. Über 1000 Psychiater schätzten es so ein, dass sich Barry Goldwater aufgrund seiner Persönlichkeit nicht für das Amt des Präsidenten eigne (siehe vox.com). Weiterlesen
Die „Dialektisch Behaviorale Therapie“ (DBT) ist eine spezielle Therapie für Patienten mit Früher Störung bzw. Borderline-Störung und komplexer Posttraumatischer Belastungsstörung. Häufig schädigen sich die Betroffenen auf die verschiedenste Weise selbst und haben große Schwierigkeiten, gut für sich zu sorgen und mit anderen Menschen befriedigend zu kommunizieren. Sie können Spannungen schwer aushalten und verlieren leicht die Fassung. Die DBT soll hier rasch und konkret helfen. Die Psychologin Marsha Linehan, die selbst einmal an einer Borderline-Störung litt, hat die DBT entwickelt.Weiterlesen