Der Beginn einer Psychoanalyse kann einem Keller-Aufräumen gleichkommen: Mühevoll schleppt man Kisten, schaut in alte Kartons und schmeißt so manche Päckchen raus. Auf der Couch liegend klagt der Analysand über heftigste Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Panikattacken, Zwangsvorstellungen, Atemnot, Müdigkeit und vielem mehr. Er leidet an Streiterein, Partnerschaftskonflikten, Schwierigkeiten mit den Vorgesetzten, traumatischen Erinnerungen oder Arbeitslosigkeit.Weiterlesen
Professor Klaus Grawe (1943-2005) war ein Psychotherapieforscher, der mit einer Studie im Jahr 1994 „bewies“, dass die Psychoanalyse nicht so wirksam sei wie die Verhaltenstherapie. Diese Studie hat für viel Aufregung gesorgt. Klaus Grawe schuf mit seinen Studienergebnissen ein besonderes Problem: Damals unterstützte er die Bundesregierung bei der Erarbeitung des Psychotherapeutengesetzes. Aufgrund seiner Studienergebnisse plädierte er für Kurzzeittherapien und Verhaltenstherapien, während er die längeren psychoanalytischen Therapien nicht für sinnvoll hielt. Weiterlesen
Das Gefühl von Glück entsteht eigentlich immer wieder in ähnlichen Situationen: Wenn man sich tief verbunden fühlt. Mit einem anderen Menschen, mit sich selbst, mit der Natur. Das Gefühl, wirklich verstanden zu werden, verbunden und doch frei zu sein, Resonanz zu erhalten, reagieren zu können, das ist Glück.
WeiterlesenDer „Initialtraum“ ist in der Sprache der Psychoanalytiker der erste Traum, über den der Patient in der Psychoanalyse spricht. Einige Psychoanalytiker sagen, dass der Initialtraum die Beziehung zwischen Patient und Analytiker widerspiegelt. Er sei ein Bild dafür, wie der Patient die Analyse erlebt. Gleichzeitig würde er auch die Lösung für einen Konflikt enthalten.
In der Psychoanalyse verändert sich nicht nur der Patient – auch der Analytiker entwickelt sich weiter. Die Psychoanalyse hängt immer auch mit der Person des Psychoanalytikers zusammen, mit seiner Geschichte, mit dem, was er erlebt hat und damit, wie es ihm gerade geht. Über die „Intersubjektivitätstheorie in der Praxis“ schreibt der Psychoanalytiker Chris Jaenicke in seinem Buch „Das Risiko der Verbundenheit“. „Niemand aber ist jemals vor den Risiken der Verbundenheit geschützt, denn der Preis eines offenen Herzens ist immer die eigene Verwundbarkeit. Nur das Wissen um die abtötenden Folgen eines Lebens mit versteinertem Herzen gibt uns den Mut, emotional verfügbar zu bleiben“ (S. 126). … „Sobald Liebesgefühle auftauchen, sind Verlustängste nicht fern“ (S. 199).Weiterlesen
„Die Ausbildung bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) ist mir zu teuer“, sagen manche, die sich dafür interessieren. Für Ausbildungsteilnehmer ohne guten finanziellen Hintergrund ist die Ausbildung auch finanziell eine Herausforderung, aber sie ist nicht unmöglich. Das, was die Lehranalyse einem mitgeben kann, ist oft von unbezahlbarem Wert. Existenzängste gehören jedoch bei vielen dazu – man weiß eben nicht, wie es ausgeht. Vor einigen Jahren (2015) habe ich einmal ausgerechnet, wie das bei mir in der Anfangszeit der Ausbildung mit den Kosten aussah. Weiterlesen
Voraussetzung für die Zulassung zum Vorkolloquium ist es (Beispiel DPV), dass man insgesamt 20 psychoanalytische Erstinterviews mit Patienten geführt hat. Davon müssen 10 Erstinterviews supervidiert werden. Für die Ausbildung nach den DPV-Regularien muss der Supervisor auch ein Lehranalytiker sein. Für viele, die eine Ausbildung zum Psychoanaltiker machen, sind diese Erstgespräche kein Problem, weil sie diese in der Klinik, im Institut oder in der Praxis führen können, in der sie arbeiten. Angehende Laienanalytiker hingegen müssen sich ihre Patienten manchmal etwas zusammensuchen. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Weiterlesen
Den Zusatztitel „Psychoanalyse“ darf unter den Ärzten nur ein „Facharzt der unmittelbaren Patientenversorgung“ (UPV) tragen. Fachärzte für Arbeitsmedizin gehören nun auch zur „unmittelbaren Patientenversorgung“ – das beschlossen die Ärzte auf dem Ärztetag 2018 in Erfurt (Beschlussprotokoll, PDF). Das bedeutet, dass auch Fachärzte für Arbeitsmedizin den Zusatztitel „Psychoanalyse“ nach bestandener Prüfung tragen können. Zuvor war dies nur in einigen Bundesländern (Bremen, Niedersachsen und Berlin) möglich. Nun wäre nur noch zu wünschen, dass Arbeitsmediziner, die ausschließlich als Psychotherapeut oder Psychoanalytiker arbeiten, auch die Möglichkeit bekommen, sich kassenärztlich niederzulassen. Weiterlesen
Unbewusstes und Bewusstes greifen ineinander, stehen nebeneinander oder kämpfen miteinander. Manchmal wenden wir viel Kraft auf, damit Teile von uns nicht ans Licht kommen. Das nennt man Abwehr. Zum Beispiel versuchen wir unsere Rede-Angst abzuwehren, um sie vor der Gruppe, vor der wir sprechen, zu verstecken. Die Bewegungen und Kraftakte, die in der Psyche aufgrund von Konflikten und Ängsten stattfinden, sind die Psychodynamik. Weiterlesen
Der Psychoanalytiker schweigt. Er zeigt sich lieber nicht, um seinem Patienten die Möglichkeit zu geben, so viel wie möglich über ihn zu phantasieren. Psychoanalytiker hat einen „aufnehmenden Beruf“ – der Analytiker nimmt das, was die Patienten ihm zeigen und sagen, auf. Der Journalist macht das Gegenteil. Er gibt ständig etwas von sich, verbündet sich mit der Öffentlichkeit, ist immer präsent. Das ist für den Journalisten überlebenswichtig. Nur so können potenzielle Auftraggeber ihn finden. Aber so finden ihn auch Patienten, wenn er gleichzeitig Psychoanalytiker ist. Der Journalist, der öffentlich seine Meinung äußert, der mit Bild und Stimme in Radio und Fernsehen erscheint, ist bekannt. Der Leser/Zuschauer hat das Gefühl, vertraut mit dem Journalisten zu sein. Weiterlesen