Bei der Vorstellung, Psychoanalytiker*in zu werden, fragen sich viele, ob sie die „Geschichten“ aushalten, die ihnen die Patienten erzählen. Man hält sie meistens gut aus, wenn man eine gute Ausbildung erhält. In der Ausbildung zum Psychoanalytiker begibt man sich selbst in Lehranalyse – bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) legt man sich in der Ausbildung 4-mal pro Woche bei einem Lehranalytiker auf die Couch, um eigene Probleme und Traumata zu bearbeiten. Weiterlesen
Hält die Grenze? Erkennt er, was ich wirklich denke? Ich teste es aus, weil ich Angst habe. Angst davor, durchsichtig zu sein. Ich verwirre ihn. Nein, er sieht nicht, was ich wirklich meine. Erleichtert stelle ich fest, dass die Grenze hält. Durch meine Verwirrung habe ich ihn auf Abstand gehalten. Enttäuscht stelle ich fest, dass er nicht in mich hineingreifen kann, um meine Wirklichkeit herauszufischen. Und plötzlich spüre ich: Ich habe auch mich selbst verwirrt. Was ich mir wünsche, weiß ich nicht mehr, weil ich nicht nur ihn und mich, sondern auch unsere Kommunikation verwirrt habe. Verwirrung ist Zerstörung. (Text: © Dunja Voos; Bild: © Julia)
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„Die Vorhaut ist doch nur ein nutzloses Häutchen“, hörte ich eine Mutter sagen, die ihren Sohn aufgrund von Entzündungen operieren lassen wollte. Doch die Vorhaut (lateinisch „Praeputium“) ist eng mit Nerven durchzogen und ermöglicht eine befriedigende Sexualität. Selbstbefriedigung ist für viele Männer ohne Vorhaut kaum vorstellbar. Viele Männer, denen die Vorhaut entfernt wurde, leiden manchmal ein Leben lang unter ihrem Fehlen. Der Autor Clemens Bergner (Pseudonym) ist selbst betroffen und will mit seinem Buch „Ent-hüllt! Die Beschneidung von Jungen – nur ein kleiner Schnitt?“ auf die Probleme der Beschneidung (Zirkumzision, lateinisch: circumcisio) aufmerksam machen. Weiterlesen
Wer Psychoanalytiker wird, ist meistens Arzt oder Psychologe – doch auch Akademiker anderer Fachrichtungen können eine Psychoanalyse-Ausbildung machen. Ärzte, die keinen Facharzttitel haben und nicht im Gesundheitssystem arbeiten möchten, können dennoch die Ausbildung z.B. bei der DPV oder DPG machen. Sie sind als Psychoanalytiker dann auf Selbstzahler angewiesen. Weiterlesen
Donald Woods Winnicott (1896-1971) war ein britischer Kinderarzt und Kinderpsychoanalytiker. Er prägte zum Beispiel die Begriffe „Übergangsobjekt“ (1953) und „Übergangsraum“. Ein Übergangsobjekt ist ein Objekt, das die Verbindung zwischen Säugling und Mutter herstellt, wenn sie nicht da ist. Das Übergangsobjekt macht es dem Kind möglich, eine Trennung auszuhalten. Es dient als Verbindungsstück zwischen ihm selbst und der Mutter, also zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Innenwelt und Außenwelt. Weiterlesen
Wie gut wirkt eine spezielle Form der Psychoanalytischen Psychotherapie bei der Borderline-Störung? Eine Arbeitsgruppe um Kenneth N. Levy (Pennstate University, USA), Otto Kernberg und Kollegen gingen dieser Frage in einer randomisiert-kontrollierten Studie (2006) nach. In dieser Studie wurden 90 Patienten mit Borderline-Störung zufällig (= randomisiert) auf drei Gruppen verteilt: Die Mitglieder einer Gruppe erhielten eine Übertragungs-fokussierte Psychotherapie (Transference Focused Psychotherapy, TFP), die Mitglieder der zweiten Gruppe wurden mit der Dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) behandelt. Die Teilnehmer der dritten Gruppe erhielten eine unterstützende psychodynamische Psychotherapie. Weiterlesen
Es gibt viele Länder, in denen es keine – oder nur wenige – Lehranalytiker der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA) gibt. Das ist zum Beispiel in Osteuropa der Fall. Wer sich in diesen Ländern dennoch zum IPV-Analytiker ausbilden lassen möchte, kann während der Ausbildung eine „Shuttle-Analyse“ machen. Das bedeutet, dass der Ausbildungskandidat grundsätzlich in seiner Heimat arbeitet, aber immer wieder Psychoanalyse-Phasen bei einem Lehranalytiker in einem anderen Land einlegt. Da gibt es viele verschiedene Muster. Manche Ausbildungskandidaten kommen zum Beispiel von Freitag bis Montag angereist, um an diesen vier Tagen Stunden bei ihrem Lehranalytiker zu nehmen. Weiterlesen
„Ich würde nicht zu einem Psychoanalytiker in Ausbildung gehen“, sagt eine Bekannte. „Als Patient kann einem nichts Besseres passieren, als von einem Psychoanalytiker in Ausbildung behandelt zu werden“, sagt ein Supervisor. Was sind die Vor- und Nachteile in der Behandlung durch einen Ausbildungskandidaten? Wer sich für eine Psychoanalyse-Ausbildung entscheidet, hat in der Regel Psychologie oder Medizin studiert. Weiterlesen
Ein Psychoanalytiker kann wohl blind seinen Beruf ausüben, nicht aber gehörlos. Psychoanalyse auf der Couch in Gebärdensprache funktioniert leider nicht. Psychoanalytiker fürchten sich daher besonders vor einer Schwerhörigkeit. Denn die Voraussetzung für gutes Zuhören (englisch: Listening) ist ganz simpel die körperliche Fähigkeit zu hören (to hear). Weiterlesen
„Empireia“ ist griechisch und heißt „Erfahrung“. Wenn eine Therapie empirisch belegt ist, kann das heißen: Die Wirksamkeit ist durch Erfahrung offensichtlich oder sie wurde durch Beobachtung oder Experimente belegt. Sie ist also „wissenschaftlich“ nachgewiesen. Das Kennzeichen empirischer Forschung ist ihre Reproduzierbarkeit. Oder einfach gesagt: Wenn ich 9-mal ein Ei zu Boden fallen lasse, kann ich nach dieser Beobachtung davon ausgehen, dass das zehnte Ei auch zerbrechen wird. Ich kann somit mein Experiment beliebig oft wiederholen – es wird fast immer gleich ausgehen. Somit habe ich empirisch belegt, dass rohe Eier zerbrechen, wenn man sie fallen lässt. Weiterlesen