Selbst liegt man mit seiner „frühen Störung“ auf der Couch, lebt in Einsamkeit, ringt um seine Bindungs- und Lebensfähigkeit und die Psychoanalytikerin ist seit Jahren glücklich verheiratet und hat Kinder. So muss sich ein Krebspatient fühlen, dessen Arzt selbst gesund ist, glaubt man. Sicher hat der Analytiker/die Analytikerin selbst nur eine reife ödipale Störung und kann nur durch Zuhören erfassen, wie es ist, mit einem komplexen Trauma zu leben, das die Eltern gleich schon in der Säuglingszeit setzten. Meint man.Weiterlesen
Die „Schlafzimmertür“ ist ein wichtiges Symbol in der Psychoanalyse. Es bezieht sich im engeren Sinn auf die Schlafzimmertür der Eltern, die uns (normalerweise) verschlossen bleibt. Hinter der verschlossenen Schlafzimmertüre sind die Eltern, die ihr Geheimnis haben. Dort hat die „Urszene“ stattgefunden, der Geschlechtsverkehr, durch den auch wir entstanden sind. Weiterlesen
Es ist die Abhängigkeit, gegen die sich die Patienten in der Psychoanalyse besonders am Anfang am meisten wehren. Zu spüren, dass wir eben nicht so unabhängig sind wie wir uns oft fühlen, ist eine harte Erkenntnis. Der Psychoanalytiker Roger Ernle Money-Kyrle (1898-1980) prägte den Begriff der „Facts of Life“, der Grundtatsachen des Lebens, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.Weiterlesen
Große Freude: Für diesen Blog habe ich im November 2018 den Großen Förderpreis der Stiftung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV-Stiftung) erhalten. Auf der DPV-Herbsttagung 2018 in Bad Homburg konnte ich ihn entgegennehmen. Ich freue mich riesig – auch mit meinen Mit-Preisträgern, Dr. Cécile Loetz und Dr. Jakob Müller, die dieses Jahr den Psychoanalyse-Podcast „Rätsel des Unbewussten“ www.psy-cast.de gegründet haben. Danke auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, denn durch Sie und den regen Austausch ergibt der Blog seinen Sinn.
So mancher kennt noch die ewig gleichen Kriegsgeschichten von Oma und Opa. Wie langweilig uns das wurde! Wenn ein Patient jahrelang zur Psychoanalyse geht, erzählt er immer wieder dasselbe. Wird das nicht langweilig? In der Psychoanalyse dreht man sich meistens nicht im Kreis, auch wenn es sich oft so anfühlt. Meistens ist es eine Spirale, bei der man fast an denselben Punkt kommt, aber doch schon eine Windung weiter nach oben gegangen ist. Weiterlesen
„Lass‘ uns doch sprechen wie zwei erwachsene Menschen! Dieser Kinderkram ist ja nicht auszuhalten!“, sagt der Partner laut. „Es ist kindisch, worüber wir uns immer streiten. Es dreht sich immer nur um Kleinigkeiten!“, sagt die verzweifelte Ehefrau. Warum hängen wir uns an den Kleinigkeiten auf? Weil der „kleine Haken“ einen schweren Mantel trägt. Weiterlesen
Man liebt ihn immer noch, aber er ist schon tot. Die Mutter hat die Tochter immer mehr geliebt als den Sohn. Der Mann liebt die Frau „mehr“ als die Frau den Mann. Der Patient ist in die Therapeutin verliebt und es schmerzt ihn, dass sie glücklich verheiratet ist. Der Lehrer liebt den Mitschüler mehr, obwohl man selbst den Lehrer über alles liebt. Der Patient hängt emotional sehr am Analytiker, auch nachmittags, doch der Analytiker hat noch andere Patienten. „Emotionale Asymmetrien“ begleiten uns immer, überall, ein Leben lang. Doch worauf es ankommt, das sind die „Now Moments“, die emotionalen Berührungen, die uns überraschen und uns ganz und gar erfüllen.
Wenn zwei sich unterhalten, entsteht etwas Drittes. Im psychoanalytischen Behandlungszimmer entsteht eine spezielle Atmosphäre zwischen Analytiker und Analysand. Manchmal scheinen Mutter oder Vater des Patienten geradezu anwesend zu sein, manchmal ist deren Abwesenheit spürbar. Auch die Gestaltung des Raums, die Jahreszeit, das Tageslicht spielen eine Rolle. Bei Analytiker und Analysand entstehen gemeinsame Phantasien. Alles, was sich in der Analyse ausbreitet, wird als „Psychoanalytisches Feld“ bezeichnet. Geprägt wurde der Begriff Anfang der 60er Jahre von den Psychoanalytikern Madeleine Baranger (Psychoanalytikerinnen.de) und Willy Baranger und nochmals neu von Antonio Ferro (2003, Psychosozial-Verlag). Weiterlesen
Es ist oft schwer zu sagen, was man selbst fühlt und denkt. „Bei anderen kann ich das ganz leicht“, sagt so mancher. Zu diesen Phänomenen gehört auch das „Krohns-Paradox“ bei Menschen mit einer Borderline-Störung: Während man glauben könnte, die Betroffenen seien nicht einfühlsam, so schaffen sie es doch, den anderen bis auf’s Tiefste zu verletzen. Um verletzen zu können, braucht man auch ein Gefühl dafür oder eine Theorie darüber, was im anderen vorgeht. Weiterlesen
Vor wichtigen Entscheidungen soll man immer mindestens eine Nacht drüber schlafen – so hat das Unbewusste noch Zeit, sich zu melden. Wie oft sieht am nächsten Tag alles ganz anders aus. Oder aber man fühlt sich mit seiner Entscheidung noch sicherer. „Aber wenn ich mich jetzt nicht entscheide und bis morgen warten soll, dann kann ich doch nicht schlafen!“, protestieren wir innerlich. „Die Gelegenheit könnte mir weglaufen! Ein anderer könnte zuschnappen! Der andere könnte es sich überlegen! Es kann etwas unwiderruflich verloren gehen!“ Diese Gedanken drängen ganz furchtbar. Motivationsforscher sagen: „Wenn Du eine Idee hast und Du setzt sie nicht gleich um, sinkt mit wachsender Zeit die Wahrscheinlichkeit, dass Du es noch anpackst.“ Auch das ist richtig. Doch wie soll ich entscheiden, wann ich warten soll und wann nicht?Weiterlesen