
Alles zieht sich im Mund zusammen. Da kommt eine Welle, das spürt man. Liegen ist jetzt nicht mehr. Unruhig steht man auf. Ab auf’s Klo, mit Eimer davor und dann warten. Dann hyperventilieren. Man spürt, wie der Atem schneller geht. Wie es einem heiß wird. Dann leeres Husten. Dann Erbrechen. Das Brechzentrum im verlängerten Rückenmark, in der Medulla oblongata, meint man vielleicht zu spüren. Husten, Verschlucken, keine Luft mehr bekommen. „Aspirationspneumonie“ denkt der Mediziner noch, während er erbricht. Plötzlich sind die Atemwege wieder frei. Vielleicht Erleichterung, vielleicht auch nicht. (Text: Dunja Voos, Bild: Julia)Weiterlesen
Sigmund Freud bezeichnete die Aktionen des Patienten, die das Weiterkommen in der Psychoanalyse verhindern, als Widerstand. Wenn Patienten „Widerstand leisten“, dann tun sie das meistens aus Angst. Wer in der Psychoanalyse seinen vorbewussten Neid oder seine Scham nicht sichtbar werden lassen möchte, der beginnt vielleicht, belanglose Dinge zu erzählen. Weiterlesen
In Alltagsunterhaltungen haften wir gerne dem Konkreten an. Auch in Psychoanalyse-Sitzungen können wir dazu verführt werden, uns mit dem Patienten in Rechthabereien und Richtigstellungen zu verwickeln. Wir können die Stunde jedoch auch ganz bewusst wie einen Traum betrachten und uns fragen: Wo gibt es Verdichtungen und Verschiebungen? Die Patientin erzählt zwar von zwei Kolleginnen, die sich stritten, doch könnte sie damit auch die Beziehung zwischen ihr und ihrer Analytikerin meinen. Weiterlesen
Warum konnten wir es jahrelang zulassen, missbraucht zu werden? Warum sind wir wie versteinert, wenn die Chefin uns anschaut? Warum führen wir die Vojta-Therapie bei Babys durch, obwohl wir schon so lange wissen, dass sie möglicherweise psychisch schadet? Warum fahren wir als Geisterfahrer immer schneller? Weil wir im Bann sind. Wenn wir gebannt sind, sind wir wie gelähmt. Doch wenn wir die Idee bekommen, dass wir im Bann sind, dann dämmert es uns: Wie in einem Alptraum merken wir, dass wir träumen. Weiterlesen
Wer mitten im Berufsleben steht und eine Psychoanalyse-Ausbildung beginnen möchte, braucht erstmal Zeiträume für die Lehranalyse. Bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) heißt das: Vier Mal pro Woche 45 Minuten Lehranalyse plus Hin- und Rückweg müssen eingeplant werden, also grob gesagt zwei bis drei Stunden pro Tag. Das bedeutet für viele zunächst einmal weniger Zeit fürs Geldverdienen. Rein rechnerisch. Doch die Lehranalyse gibt oft Kraft, sodass man mehr Energie für seine Arbeit hat und seine Kräfte sinnvoller einsetzen kann. Andererseits kann die Psychoanalyse phasenweise sehr erschöpfend sein.Weiterlesen
Zur Bewerbung um die Ausbildung bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) gehören drei Bewerbungsgespräche bei verschiedenen Lehranalytikern. Es kann sinnvoll sein, sich bei den Analytikern zum Bewerbungsgespräch zu melden, die vielleicht auch für die eigene Lehranalyse infrage kämen, um schon einmal ein Gefühl für die Zukunft zu bekommen. Das örtliche DPV-Institut erhält eine Bewerbungsgebühr. Weiterlesen
Als ich meine Ausbildung zur Psychoanalytikerin bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV/IPA) begann, stellte ich mir vor, bei den Psychoanalytikern gäbe es so eine Art „Beziehungs-Himmel auf Erden“. So, wie ich immer wieder geneigt war, Pfarrer, Psychologen, Buddhisten oder Nonnen als „irgendwie bessere Menschen“ zu phantasieren, so dachte ich, in einem psychoanalytischen Institut herrsche mehr oder minder eine ständige Wohlfühlatmosphäre.Weiterlesen
„Ebenen-Wechsel sind zu vermeiden“ – ein Satz, den viele Journalisten in ihrer Ausbildung hören. Ein ungewollter Ebenenwechsel findet zum Beispiel statt, wenn wir versehentlich „Sie“ (Ansprache) und „sie“ (die anderen) an den verschiedenen Stellen nicht richtig schreiben. Das kann rasch verwirren. Auch Akkusativ-Objekte am Satzanfang führen den Leser in die Verwirrung: „Autos fahren die Kinder“ könnte heißen: Die Kinder fahren selbst aktiv Autos, also nicht Fahrräder. Es könnte aber auch heißen, dass selbstfahrende Autos nun die Kinder durch die Gegend kutschieren. Weiterlesen
Viele Kinder erleben Gewalt und werden durch die Erfahrungen, die sie in ihrer Familie machen, psychisch oder körperlich krank. Ist man erwachsen, kann diese Sorge immer wieder auftauchen: „Macht mich mein Partner krank? Er nörgelt an allem herum, was ich tue oder sage. Er engt mich so ein, dass ich kaum noch atmen kann.“ In der Folge verlässt man den Partner – doch das Alleinsein schmerzt und die lange Strecke ist länger als gedacht, sodass auf einmal der Gedanke kommt: „Kann mich das lange Alleinsein krankmachen?“ Weiterlesen
Nicht wenige Menschen glauben, Sigmund Freud hätte verbissen „Konversionstherapien“ durchgeführt, also homosexuelle Menschen zu heterosexuellen Menschen „gemacht“. Sie haben die Vorstellung, dass auch die Psychoanalytiker von heute glauben, Homosexualität sei etwas Krankhaftes. Sigmund Freud selbst sagte dazu unter anderem: „Man muß sich sagen, daß auch die normale Sexualität auf einer Einschränkung der Objektwahl beruht, und im allgemeinen ist das Unternehmen, einen vollentwickelten Homosexuellen in einen Heterosexuellen zu verwandeln, nicht viel aussichtsreicher als das umgekehrte, nur daß man dies letztere aus guten praktischen Gründen niemals versucht.“ (Sigmund Freud: Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität. Kleine Schriften II, 1920, Kapitel 38, Projekt Gutenberg)