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Zwangsstörung und ihre Affekte: Drang, Angst und Schuld

Bei der Phobie ist es ganz einfach: Der zugehörige bewusste Affekt ist die Angst. Auch bei der Zwangsstörung ist das Problem die Angst, die jedoch besonders dann bewusst wahrgenommen wird, wenn der Zwang nicht ausgeführt werden kann. Viele spüren nur eine vage Unruhe oder ein unbestimmtes Schuldgefühl. Wichtig finde ich jedoch den Affekt des „Drangs“. Im Zwangszustand ist es mitunter so, als hörte man eine Tonleiter, die auf dem 7. Ton endet. Der 8. Ton, den man sehnlichst erwartet, kommt einfach nicht. Es erinnert an einen Sexualakt, bei dem der Orgasmus ausbleibt. Weiterlesen

Falsches Selbst – woran wir es erkennen

Schon Babys merken, welche ihrer Verhaltensweisen bei den Eltern erwünscht und welche unerwünscht sind. Sie können beispielsweise schon relativ früh Weinen unterdrücken, um die Eltern zu schonen, wenn sie merken, dass die Eltern sehr belastet sind (Elliot and Gonzalez-Mena, 2011). Dasselbe kann auf allen möglichen Ebenen passieren – das Kind passt sich den Eltern an: Es verhält sich so, wie es den Eltern gut tut, besonders, wenn es sehr verletzliche oder verletzte Eltern sind. Es tut, was sie wollen, es wünscht sich das, was sie sich wünschen und es fühlt sogar oft das, was die Eltern sich vorstellen. Wenn die Eltern – oft unbewusst – zu viel Anpassung fordern, kann das Kind über die Zeit ein „falsches Selbst“ entwickeln. Weiterlesen

Ich-synton und Ich-dyston

Ichsynton bedeutet, dass man selbst mit dem, was man denkt und tut, im Einklang ist. Man hat das Gefühl: „Ja, das bin ich.“ Bei einem ichdystonen Verhalten entsteht hingegen das Gefühl, dass das eigene Fühlen, Denken und Handeln fremd ist („syn-“ = griechisch: zusammen, mit; „dys-“ = griechische Vorsilbe für „nicht“; „ton-„, abgeleitet vom Lateinischen „tonus“ = die Spannung). Zwangsvorstellungen werden beispielsweise häufig als Ich-dyston, also als fremdartig erlebt. Aber auch, wenn wir „böse“ werden, obwohl wir es ansonsten nicht sind, sagen wir manchmal: „Das bin nicht ich selbst.“ Weiterlesen

Elektrokrampftherapie (EKT) – moderne Form des Exorzismus?

Das Schlechte muss raus, der böse Geist muss ausgetrieben werden. Das ist eine uralte Vorstellung der Menschen. In vielen Kulturen gibt es daher den Exorzismus. In den USA ist der Exorzismus-Pastor Bob Larson ein Star. Der Journalist Stephan Nielsen erkundet den islamischen Exorzismus (Youtube: Stephan investigates Islamic Exorcism). Die Behandelten schütteln und biegen sich, damit das Unerwünschte herauskommt. Eine sexuelle Konnotation ist nicht zu verleugnen. In der Psychitarie erblüht die Elektrokrampftherapie (EKT) erneut. Sie wird zwar unter Kurznarkose durchgeführt, jedoch finde ich sie nach wie vor erschreckend. Manche Patienten haben 10 EKT-Termine und stecken viel Hoffnung hinein.Weiterlesen

Was ist ein Psychoanalytiker? Wer wird Psychoanalytiker*in und wer ist „analysierbar“?

Der Psychoanalytiker Hermann Beland beschreibt einen Psychoanalytiker so: „Ein Psychoanalytiker lässt sich definieren als einer, der dazu ausgebildet wurde und sich dazu weitergebildet hat, durch warmes und intensives Zuhören das Schicksal einer „nameless dread“ (Anmerkung: „namenlosen Angst“) aufzunehmen.“ Hermann Beland: Leidenschaftliches Zuhören bei namenloser Angst. Psychosozial-Verlag, 2020, S. 10, Leseprobe (PDF) Weiterlesen

„Du kriegst mich nicht!“ Warum wir provozieren

Das Kind streckt der Mutter die Zunge raus und reizt sie damit bis aufs Blut. Der junge Mann wird von seiner Freundin verlassen und verspürt den Drang, sich auf der Straße vor anderen Frauen auszuziehen. „Du kannst mich mal am Arsch lecken“, sagen wir. Provokation hat etwas mit „Nacktmachen“ zu tun. Weiterlesen

Negative therapeutische Reaktion (NTR) – was ist das?

Kaum glaubt der Psychoanalytiker, dass der Patient „Fortschritte“ macht, erzählt der Patient, dass es ihm plötzlich schlechter gehe als je zuvor. Es scheint, als würde der Fortschritt auf der einen Seite einhergehen mit einem Rückschritt auf der anderen Seite. Sigmund Freud beschrieb die „Negative therapeutische Reaktion“ in seinem Beitrag „Das Ich und das Es“ bereits im Jahr 1923.Weiterlesen

Der Schlaf des Analytikers (von Ralf Zwiebel). Und: Gähnen ist mehr als Abwehr

„Mein Analytiker ist letztens in der Sitzung eingeschlafen! Und dann sagt er auch noch, dass es mit mir zu tun haben könnte!“, erzählt ein Analysand entsetzt. In der Psychoanalyse liegt der Patient auf der Couch und der Analytiker sitzt im Sessel dahinter. Dieses Setting lädt auf gewisse Art zum Einschlafen ein. Auch Psychotherapeuten, die mit ihren Patienten im Sich-Gegenüber-Sitzen arbeiten, kennen Müdikeitsreaktionen. Doch dass es insbesondere ein Phänomen der Psychoanalyse sein könnte, davon schreibt der Psychoanalytiker Ralf Zwiebel (DPV) in seinem Buch „Der Schlaf des Analytikers“, das bereits 1992 erstmals erschien.Weiterlesen

Partnerschaft: Alles wissen, alles erzählen?

Das Schwierigste, worüber man in einer Partnerschaft wohl sprechen kann, ist über die Beziehung selbst. Man denkt etwas über eine gemeinsame Szene, es ist einem etwas peinlich oder man denkt etwas Peinliches über den anderen – doch wie soll man es sagen? Loriot hat in seinem Sketch „Die Nudel“(Facebook) so gut auf den Punkt gebracht, wie schwierig es sein kann, im Moment zu sagen, was man am anderen oder an sich selbst entdeckt. „Da steht etwas zwischen uns“, sagen wir. In einer Partnerschaft taucht etwas auf, das man im Single-Leben für sich allein nicht hat: Ein zusätzliches inneres Kästchen, ein Raum in sich, in dem man über sich, den anderen und die Beziehung nachdenkt. Weiterlesen

Der Psychoanalyse-Zeitstrahl

Welcher Psychoanalytiker ist wann geboren, welche Gesellschaft gründete sich wann und wer war Lehranalytiker für wen? Weiterlesen