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Psychoanalytische Therapien sind wirksam – die Veränderungen sind auch im MRT erkennbar

Psychoanalytische Therapien wirken – das haben mehrere Studien erwiesen (siehe Literaturliste unten). Oft wird die lange Dauer der Behandlung kritisiert: Die von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierten 300 Stunden sind für viele häufig nur der Anfang. In manchen Fällen zahlt die gesetzliche Krankenkasse auch weiter, doch nicht wenige Patienten führen die Analyse mit Gespartem als Selbstzahler fort, andere nehmen sogar einen Kredit auf. Doch der Aufwand kann sich wirklich lohnen. Ich selbst denke manchmal: Die Psychoanalyse, die ich selbst gemacht habe, wird mir bis an mein Lebensende helfen. Weiterlesen

Embodiment: Seelisches ist in den Körper eingeschrieben

Manchmal wird es uns plötzlich übel, ohne dass wir wissen, warum. Möglicherweise erleben wir gerade eine Situation, die wir unbewusst mit einer früheren Situation verknüpfen, die wir als überwältigend erlebten. Bereits damals wurde uns übel, denn das Überwältigende konnten wir nicht gänzlich aufnehmen – wir versuchten es, wieder auszustoßen. Vorgänge wie diese lassen sich mit dem Begriff „Embodiment“ beschreiben: Psychisches ist nicht nur in unserer Psyche vorhanden, sondern auch in unserem Körper. Weiterlesen

Ausgeschlossen

Vater und Mutter sind ein Paar. Das Kind ist ausgeschlossen. Das Kind wird größer. Zusammen mit anderen geht es zur Schule. Die anderen gehen auf Parties. Die anderen heiraten und bekommen Kinder. Sie leben in Häusern, aus deren Fenstern abends gemütliche Lichter funkeln. Einsam geht das Mädchen daran vorbei. Das Mädchen wird zur Frau – ganz alleine. Die Männer kehren zu ihren Frauen zurück. Die Frau bekommt ein Kind. Der Vater holt es in den Ferien ab. Vater und Tochter sind zusammen. Die Mutter ist ausgeschlossen. Es ist ausgeschlossen, dass sie jemals jemanden an ihrer Seite haben wird Weiterlesen

Ich-Schwäche und Ich-Störung: Manchmal brauchen wir jemanden, der uns als „Hilfs-Ich“ dient

Wenn Du ständig andere Menschen zu Deiner Beruhigung brauchst, leidest Du vielleicht unter einer Ich-Schwäche. Das bedeutet, dass Deine „Ich-Funktionen“ eingeschränkt sind. Zu den Ich-Funktionen gehört zum Beispiel die Steuerung von Affekten wie Wut oder Beunruhigung. Auch das richtige Wahrnehmen der inneren und äußeren Welt gehört zu den Ich-Funktionen. Manchmal wird Dein steuerndes „Ich“ möglicherweise von einem strengen „Über-Ich“ mit seinen moralischen Vorstellungen und vom „Es“, also den Trieben, eingequetscht. Eine besonders ausgeprägte Ich-Schwäche heißt „Ich-Defekt“. Weiterlesen

Psychoanalyse: Zwei Körper in einem Raum: Atemgeräusche und Berührungen

Es ist still. Nur der Atem geht. Einer schlägt die Beine übereinander. Einer streicht sich mit der Hand durch das Gesicht. Schlucken. Die Uhr tickt. Ein Räuspern. Darmgeräusche. Spannung auf der Haut. Leichte Übelkeit. Schwindet wieder. Wechselt mit Wohlgefühl. Die Ohren lauschen. Die Augen geschlossen. Wieder offen. Wo sind die Grenzen? Über dem Körper eine Schicht, die man nicht sieht. Ob der andere wohl darauf blickt und starrt und beobachtet? Ob er nur schaut? Oder sich lustig macht? Ob er gleich angreift – im Guten wie im Bösen? Oder gar schläft? Weiterlesen

Freudscher Versprecher (englisch: Slip of the tongue, Freudian Slip, Parapraxis)

„Dieses Fleisch ist nicht zum Verkehr, Verzeihung, Verzehr geeignet.“ Dieser Radiosprecher hatte offensichtlich einen „Freudschen Versprecher“ (englisch: Freudian Slip). So bezeichnet man Worte, die uns herausrutschen, obwohl wir etwas ganz anderes sagen wollen. Nach Sigmund Freud gibt der Versprecher etwas von unserem Unbewussten preis: Er zeigt, was wir im Hintergrund denken. Daneben gibt es „Freudsche Verschreiber“: ein sehr häufiger Verschreiber ist „furchtbar“ statt „fruchtbar“. Freudsche Verhörer lassen ebenfalls auf unser Unbewusstes rückschließen („Der weiße Neger Wumbaba“ statt „Der weiße Nebel wunderbar“ im Lied: „Der Mond ist aufgegangen“). Manchmal werden solche Verhörer heute von Pädagogen als „auditive Wahrnehmungsstörung“ gedeutet.Weiterlesen

Selbstwirksamkeit bringt Lebensfreude und mindert Angst

Wenn ich weiß, dass ich etwas bewirken kann, halte ich mich für selbstwirksam. Das ist ein gutes Gefühl. Schon kleine Babys jauchzen vor Freude, wenn sie an der Kordel eines Hampelmännchen ziehen und merken, dass sich das Männchen bewegt. Das Gefühl, nicht wirksam zu sein, führt zu Stress. Manchmal fühlen wir uns nahezu dauerhaft selbstunwirksam. Es scheint manchmal über lange Zeit, als würde uns nichts Gutes gelingen. Das Einzige, was vielleicht noch geht, ist Zerstörung. Weiterlesen

Psychose und die Welt der unbelebten Dinge

Bei schweren psychischen Störungen spielen unbelebte Dinge oft eine sehr große Rolle: Messies häufen Müll an, zwanghafte Menschen sammeln Briefmarken, Fetischisten erregen sich an Stöckelschuhen und narzisstische Menschen brauchen dicke Autos. Bei Psychosen werden Dinge oft ganz speziell verwendet. Beispielsweise versuchen sich manche Psychotiker, sich mit Alufolie vor Strahlen zu schützen. Andere verwenden einen Schrank als Symbol für den psychischen Container oder nutzen ihn als Projektionsfläche und fürchten sich vor dem Dunklen darin.Weiterlesen

„A Beam of Intense Darkness“ von James Grotstein (Lesetipp)

Schon allein Titel und Titelbild sind eine Wohltat. All die Versuche, positives Denken an Land zu ziehen, kann man hier einfach fallen lassen. James Grotstein war der Lehranalysand von Wilfred Bion und die tiefe Verbundenheit zu seinem Lehranalytiker ist immer wieder spürbar. Grotstein erklärt Bions Verständnis vom Seelenleben und von der Psychoanalyse. Es geht um den Wahrheitstrieb und um die menschlichen Qualen. Dieses Buch ist seit vielen Jahren meine „Psychoanalyse-Bibel“. Sätze wie diese tun einfach gut: „Each session constitutes the first day – again – of the analysis … Do not desire to cure the patient.“ („Jede Sitzung ist wie der erste Tag der Analyse. Wünsche Dir nicht, den Patienten zu heilen.“) Erschienen ist das Buch 2007 bei Routledge.

Wie werde ich Psychoanalytiker*in? Aus: „Wie kann ich gut sein?“ wird: „Was für ein Bild male ich?“

„Nach dem letzten kasuistisch-technischen Seminar (KT) war ich echt geknickt. Ich habe so viel Kritik geerntet!“, sagt eine Ausbildungskandidatin. Das Leben in der Psychoanalyse-Ausbildung erscheint gerade am Anfang oft so hart, weil gesagt wird, was gedacht wird. In der Lehranalyse spricht man alles aus, was einem in den Sinn kommt. Und in ähnlicher Weise tut man es auch im KT, wenn Kollegen und Kolleginnen ihre Fälle vorstellen. Leicht kann man als Vorstellende das Gesagte als herbe Kritik auffassen. Doch die rückmeldende Kollegin sagt: „Ich habe doch nur gesagt, was mir dazu einfiel!“Weiterlesen