Von der Internationalen Vojta-Gesellschaft (IVG) erhielt ich nun eine Stellungnahme zu meiner Vojta-Beitragsreihe. Ich möchte betonen, dass meine eigene Meinung zur Vojta-Therapie in dem Kapitel „Vojta-Therapie bei Babys – eine Kritik“ zu lesen ist. Ich distanziere mich ausdrücklich von der Meinung der Vojta-Gesellschaft. Ich möchte Mütter weiter dazu ermuntern, auf ihr Gefühl zu hören und bei einem unguten Gefühl nach anderen Therapiemöglichkeiten (z.B. Bobath) zu suchen. Worte auf dem Papier klingen oft schön – doch wer die Schreie der Babys hört und einfühlsam ist, wird auch ihre große Not erspüren. Weiterlesen
Wer eine Psychoanalyse macht, kann das sicher oft erleben: Man ist verwirrt, wütend oder in Aufruhr und weiß doch, dass da ein Vertrauensband zum Therapeuten ist, das diese Gefühle erträglich macht. Man kann zwar die Gefühle von Spannung und Verwirrung spüren, hat aber gleichzeitig oder etwas später einen distanzierten Blick darauf. „Therapeutische Ich-Spaltung“ bedeutet, dass man sich in der Therapie zwar auf seine Gefühle mehr oder weniger einlassen kann, dass da aber auch ein „zweites Band“ mitläuft: Man kann über sich nachdenken und die Situation analysieren.Weiterlesen
Herablassend diskutieren Psychotherapeuten über einen Patienten: „Der bricht jede Therapie ab, das kannste vergessen.“ Patienten, die mit starken Ängsten, Zwängen oder Selbstmordgedanken einen Psychotherapeuten aufsuchen, haben einen starken Leidensdruck. Dieser Leidensdruck ist das gesunde Zeichen der Psyche, dass hier etwas nicht stimmt. Der Patient wünscht sich Hilfe und geht zu einem Psychotherapeuten. Er trifft vielleicht auf einen Therapeuten, der nicht die für ihn passende Methode anwendet. Einen Therapeuten, der tief innen ähnliche, ungelöste Probleme hat. Oder auf einen schlecht ausgebildeten Therapeuten. Weiterlesen
Freie psychoanalytische Institute sind psychoanalytische Ausbildungs-Institute, die zwar der „Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie“ (DGPT) angehören, aber sonst keiner weiteren Fachgesellschaft (DPG, DPV, DGAP oder DGIP) angeschlossen sind. Die Ausbildungsgänge an diesen Instituten sind staatlich anerkannt. Eine Liste aller psychoanalytischen Weiterbildungsinstitute in Deutschland findest Du auf der Website der DGPT. Nachfolgend habe ich die Adressen der freien psychoanalytischen Institute in Deutschland, nach Postleitzahl geordnet, aufgelistet: Weiterlesen
Ohne das Loslassen geht es nicht weiter. Doch heute hören und geben wir diesen Rat oft zu schnell. Da ist die Frau, die vor einem Jahr ihren Mann verloren hat. Da ist die junge Mutter, die ihr sechs Monate altes Kind nicht bei der Tagesmutter lassen will. Und dann ist da derjenige, der es „gut“ mit uns meint und sagt: „Du musst mal lernen, loszulassen.“ Weiterlesen
Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Depressionen die Wahrscheinlichkeit, später eine Demenz zu entwickeln, erhöhen. Dabei sei nicht immer ganz klar, ob die Depression bereits ein „Vorreiter“ der Demenz ist oder ob sie die Demenz „bewirkt“ (Byers und Yaffe, 2011). Verschiedene Mechanismen spielen dabei wohl eine Rolle: Wer depressiv ist, zieht sich oft zurück und nimmt am sozialen Leben weniger teil. Er fordert sein Gehirn nicht so heraus und lernt möglicherweise weniger als Menschen, denen es psychisch besser geht. Menschen jedoch, die lebenslang ihr Gehirn fordern, erkranken anscheinend seltener an einer Demenz. Weiterlesen
Das „General Health Questionnaire 12“ (GHQ-12) ist ein Fragebogen, mit dem der Arzt/Psychologe grob erfassen kann, wie „psychisch gesund“ eine Person ist. Der Fragebogen besteht aus 12 Items (= Fragepunkten). Die Fragen sehen zum Beispiel so aus: „Haben Sie in den letzten Wochen wegen Sorgen weniger geschlafen?“ Antwort: „nein“, „nicht schlechter als üblich“, „schlechter als üblich“ oder „viel schlechter als üblich“. Weiterlesen
Der österreichische Arzt und Psychologe Alfred Adler (1870-1937) entwickelte die Individualpsychologie. Sie gehört ebenso zur Tiefenpsychologie wie die Analytische Psychologie von Carl Gustav Jung und die Psychoanalyse von Sigmund Freud. Adler hielt die Minderwertigkeitsgefühle, unter denen jeder Mensch leidet, für den zentralen Motor der Psyche. Gerade Minderwertigkeitsgefühle bewegten seiner Meinung nach den Menschen dazu, sich weiter zu entwickeln. Alfred Adler stammte aus einer armen jüdischen Familie. Er litt unter seiner schwachen Gesundheit und unter der Konkurrenz zu seinem älteren Bruder – die Themen „körperliche Schwächen“ und „Geschwisterrivalität“ beschäftigten ihn sehr.
Adler studierte Medizin in Wien. Er setzte sich insbesondere für die Gesundheit der Arbeiterschaft und für eine ganzheitliche Medizin ein. Er ging davon aus, dass Menschen, die mit körperlichen Gebrechen zur Welt kommen, diese Schwächen kompensieren wollen. Sie würden nach Anerkennung und Macht streben und daher zur „Überkompensation“ neigen. Den Kampf um Macht hielt Adler für entscheidender als die Sexualität.
Er stellte die psychoanalytischen Theorien seines 14 Jahre älteren Kollegens Sigmund Freud in Frage. Adler und Freud hatten zwar einige Berührungspunkte, aber „richtige Freunde wurden Freud und Adler nie“ (Hoffman 2011). Im Gegenteil: Die beiden verfeindeten sich schließlich.
Alfred Adler war davon überzeugt: Aus dem „kindlichen Gefühl der Hilflosigkeit und Minderwertigkeit“ (Hoffman 2011) würde der Wille nach Macht und Dominanz entstehen. Unbewusst würden viele Betroffene ihre Macht dadurch ausüben, dass sie andere manipulieren. Diese Mechanismen sollten dem Patienten in der Therapie bewusst werden.
In der Folge des ersten Weltkrieges beschäftigte sich Adler mit der Frage nach den psychologischen Ursachen des Krieges. Er fand für sich die Antwort, dass ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl Kriege verhindern könnte. Um das zu erreichen, sei eine gute Bildung durch die Eltern und die Schule unabdingbar. Adler beschäftigte sich mehr und mehr mit Familientherapien und Lernförderung. Es war ihm wichtig, neurotische Kinder mithilfe der Therapie unabhängiger werden zu lassen, ohne sie gegen ihre Mutter aufzubringen. Adler führte nun seine Psychotherapien im Sitzen durch. Das aktuelle Leben seiner Patienten erschien ihm wichtiger als die Konzentration auf „unterdrückte Erinnerungen“ (Hoffman 2011). Humor und eine einfache Sprache zeichneten ihn dabei aus. Anfang der 30iger Jahre wanderte Adler in die USA aus. Er starb 1937 während einer Vortragsreise in Aberdeen, Schottland.
Die Psychoanalyse beschäftigt sich mit dem Unbewussten, die Verhaltenstherapie mit dem Verhalten und die humanistische Psychologie mit der Selbstverwirklichung des Menschen. So wird es oft vereinfacht gesagt.
Unabhängig von den Genen ist es auch aus humanistischer Sicht möglich, die eigene Entwicklung positiv zu beeinflussen. Als Gründer der humanistischen Bewegung gelten die Kinderpsychologin Charlotte Bühler (charlotte-buehler-institut.at) (1893-1974), Abraham Maslow (1908-1970), Carl Rogers (1902-1987), Rollo May (Ärzteblatt) und Alfred Adler. Aber auch Otto Rank (1884-1939, Ärzteblatt: „Vom Trauma der Geburt“) und Wilhelm Reich gelten als „Väter der Humanistischen Psychologie und Körperpsychotherapie“ (Quelle: Ludwig Janus, Psychoanalyseforum, 2013 [leider nicht frei zugänglich]). Seit 2010 gibt es die Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie (AGHPT).
Edward Hoffman:
Alfred Adler: Begründer der Individualpsychologie.
Psychologie heute, Juli 2011: 72-77
Edward Hoffman:
Alfred Adler. Ein Leben für die Individualpsychologie.
Ernst Reinhardt Verlag. Link zu Amazon.
Karl Heinz Witte, Almuth Bruder-Bezzel, Rolf Kühn (Hg.); Alfred Adler:
Über den nervösen Charakter (1912)
Grundzüge einer vergleichenden Individualpsychologie und Psychotherapie.
Unter Mitarbeit von Michael Hubenstorf
Vandenhoeck & Ruprecht 2008
Alfred Adler:
Wozu leben wir?
Verlag Fischer
Link zu krammerbuch.at
Zeitschrift für Individualpsychologie
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht
Verlagsgeschichte des Ernst-Rheinhardt-Verlags
„Ab 1912 – Ernst Reinhardt Verlag als erster bedeutender ‚Alfred-Adler-Verlag'“
Michael Ermann:
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Ein Lehrbuch auf psychoanalytischer Grundlage
Kohlhammer, Stuttgart 2004: 503-512
„Odds“ bedeutet eigentlich: Die Wahrscheinlichkeit, beim Wetten zu gewinnen. Die „Odds“ in medizinischen Studien zeigt an, wieviele Ereignisse auf wieviele Nicht-Ereignisse kommen. Beispiel: 5 Medizinstudenten gehen in die Mensa. Dabei verdirbt sich 1 Student den Magen, während sich die 4 anderen Studenten nicht den Magen verderben. Die „Odds“ für das „Magenverderben“ beträgt hier 1 : 4 = 0,25 = 25%. (Im Vergleich dazu würde sich das „Risiko“ auf die Gesamtzahl der Studenten beziehen: Risiko = 1:5 = 0,2 = 20%.) Weiterlesen
Psychische Spannungen können zu körperlichen Erkrankungen führen. Bereits 1950 hat der Arzt und Psychoanalytiker Franz Alexander, psicoterapiaintegrativa.com (1891-1964) sieben psychosomatische Erkrankungen zusammengefasst, die später als „Holy Seven“ bezeichnet wurden. Franz Alexander war der Meinung, dass jede dieser Erkrankungen eine Antwort auf einen spezifischen Konflikt darstellt – ähnlich wie das Weinen eine Reaktion auf Trauer ist. Weiterlesen