
„Sind Sie noch da?“, fragt der Patient den Analytiker, wenn er still hinter der Couch sitzt. Hat der Patient traumatisierende, frühe Abwesenheiten von Mutter und Vater erlebt, dann wird die Vorstellung, der Analytiker könnte verschwunden sein, unter Umständen so stark, dass der Patient sich auf der Couch umdrehen und vergewissern muss, dass der Analytiker noch da ist. Das Gefühl, der andere sei da oder auch das Gefühl, man selbst ist da, ist nicht immer selbstverständlich. Weiterlesen
Manchmal, da war es so einsam. Das Kind ging ins Bett, ohne Mutter. Die saß nebenan. Das Einzige, was dann noch tröstete, war der Strahl der tiefstehenden Abendsonne, der durch die Jalousetten fiel und auf dem Boden ein warmes Licht hinterließ. Weiterlesen
Es ist so laut, denkt das Kind. Die Eltern, sie streiten nur – fast jeden Tag. Das Kind darf nicht nach Hilfe suchen. Es wird geschlagen, wenn es erzählt. Es schweigt. Es ist ein ruhiges Kind – die Lehrer, sie mögen es sehr. Das Kind hat Bauchweh. Es hofft, dass der Kinderarzt es errät. Es ist der Lärm, der diese Bauchweh macht. Das Kind muss schweigen. Der Kinderarzt sieht nichts. Lärm kann man nicht sehen. Weiterlesen
„Komm mal aus der Opfferrolle raus!“, hören wir. Oder wir sagen: „Ich bin doch kein Opfer!“ Wir fragen uns vielleicht: Warum kann der eine, der scheinbar nur geringe Probleme hat, nur jammern, während der andere seine Welt positiv erlebt, obwohl er es von außen betrachtet schwerer im Leben hat? Am Anfang des Lebens steht die enge Beziehung zu Mutter und Vater. Und von dieser frühen Beziehung hängt unser weiteres Leben entscheidend ab. Weiterlesen
Wenn ein Baby nach echtem sozialen Kontakt sucht, nach Berührung und nach der Stimme der Mutter, dann hat es so etwas wie eine „Schablone“ in sich, in die die passende Berührung und Stimme hineingelegt werden soll. Es „weiß“ sozusagen, wie der andere zu sein hat, um zu befriedigen. Der norwegische Soziologe Stein Braten hat hier den Begriff des „virtuellen Anderen“ gesprägt, den der Säugling sozusagen in sich trägt oder den er sich auf gewisse Weise spürt. Wenn die Mutter sich dann von außen nähert und mit dem Säugling im passenden Ton spricht, dann empfindet der Säugling tiefe Befriedigung. Die Mutter entspricht dann dem „virtuellen Anderen“, der zuvor im Säugling war. Weiterlesen
Die Amygdala, zu deutsch „Mandelkern“, ist ein uralter Teil des Gehirns. Eine schöne Abbildung findet sich hier (Mr. Barlow’s Blog: „No amygdala, no fear“ – „Keine Amygdala, keine Angst“, was übrigens nicht ganz stimmt). Die Amygdala ist für unsere Gefühle zuständig. Hier entstehen teilweise Gefühle, hier werden sie teilweise gesteuert. Die Amygdala startet zum Beispiel „Alarmreaktionen, noch bevor das Großhirn darüber nachzudenken in der Lage ist“ (Wettig 2009). Weiterlesen
Wenn wir „passiv-aggressiv“ sind, dann haben wir in der Regel Angst vor unserem Gegenüber. Wir wollen etwas erreichen, gehen aber vielleicht davon aus, dass der andere sowieso „Nein“ sagen wird. Wir sind wütend auf den anderen, aber wir meinen, seine Verletzlichkeit zu spüren, und sagen dann vielleicht übertrieben freundlich, was wir wollen oder denken. Vielleicht beneiden wir den anderen sehr, aber wir lieben ihn auch und dann überkommen uns Kopfschmerzen, sodass der gemeinsam geplante Konzertbesuch ins Wasser fallen muss. Unser Kind reißt uns nachts mit Fieber aus dem Tiefschlaf, doch weil wir es in so einem Zustand nicht anblöken können, sprechen wir mit fiepsig-freundlicher Stimme zu ihm, die aber irgendwie Ärger auslöst. Weiterlesen