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Paartherapie: Warum wir uns über die Zahnpasta-Tube streiten

„Lass‘ uns doch sprechen wie zwei erwachsene Menschen! Dieser Kinderkram ist ja nicht auszuhalten!“, sagt der Partner laut. „Es ist kindisch, worüber wir uns immer streiten. Es dreht sich immer nur um Kleinigkeiten!“, sagt die verzweifelte Ehefrau. Warum hängen wir uns an den Kleinigkeiten auf? Weil der „kleine Haken“ einen schweren Mantel trägt. Weiterlesen

Asymmetrische Liebe – wie damit leben?

Man liebt ihn immer noch, aber er ist schon tot. Die Mutter hat die Tochter immer mehr geliebt als den Sohn. Der Mann liebt die Frau „mehr“ als die Frau den Mann. Der Patient ist in die Therapeutin verliebt und es schmerzt ihn, dass sie glücklich verheiratet ist. Der Lehrer liebt den Mitschüler mehr, obwohl man selbst den Lehrer über alles liebt. Der Patient hängt emotional sehr am Analytiker, auch nachmittags, doch der Analytiker hat noch andere Patienten. „Emotionale Asymmetrien“ begleiten uns immer, überall, ein Leben lang. Doch worauf es ankommt, das sind die „Now Moments“, die emotionalen Berührungen, die uns überraschen und uns ganz und gar erfüllen.

„Ich weiß bei anderen besser, was sie fühlen und denken als bei mir selbst“

Es ist oft schwer zu sagen, was man selbst fühlt und denkt. „Bei anderen kann ich das ganz leicht“, sagt so mancher. Zu diesen Phänomenen gehört auch das „Krohns-Paradox“ bei Menschen mit einer Borderline-Störung: Während man glauben könnte, die Betroffenen seien nicht einfühlsam, so schaffen sie es doch, den anderen bis auf’s Tiefste zu verletzen. Um verletzen zu können, braucht man auch ein Gefühl dafür oder eine Theorie darüber, was im anderen vorgeht. Doch wissen wir oft längst nicht so gut, was im anderen vorgeht, wie wir meinen. Der Mensch ist ein „sich selbst theoretisierendes Wesen“, heißt es. Wir kennen uns und haben Theorien über uns selbst. In Maßen haben wir das auch für Menschen, die wir gut kennen. Das Fachwort für diese Theoriebildung ist die Theory of Mind, die Theorie über den Geist.Weiterlesen

„Aber wenn ich noch ’ne Nacht drüber schlafen soll, kann ich doch nicht schlafen!“

Vor wichtigen Entscheidungen soll man immer mindestens eine Nacht drüber schlafen – so hat das Unbewusste noch Zeit, sich zu melden. Wie oft sieht am nächsten Tag alles ganz anders aus. Oder aber man fühlt sich mit seiner Entscheidung noch sicherer. „Aber wenn ich mich jetzt nicht entscheide und bis morgen warten soll, dann kann ich doch nicht schlafen!“, protestieren wir innerlich. „Die Gelegenheit könnte mir weglaufen! Ein anderer könnte zuschnappen! Der andere könnte es sich überlegen! Es kann etwas unwiderruflich verloren gehen!“ Diese Gedanken drängen ganz furchtbar. Motivationsforscher sagen: „Wenn Du eine Idee hast und Du setzt sie nicht gleich um, sinkt mit wachsender Zeit die Wahrscheinlichkeit, dass Du es noch anpackst.“ Auch das ist richtig. Doch wie soll ich entscheiden, wann ich warten soll und wann nicht?Weiterlesen

Filmtipp: Beautiful Mind

Der Film „Beuatiful Mind – Genie und Wahnsinn“ aus dem Jahr 2001 erzählt – mit Variationen – die wahre Geschichte des Mathematikers John Nash (1928-2015), der mit knapp 30 Jahren an einer Paranoiden Schizophrenie erkrankte. Der Film bezieht den Zuschauer in das psychotische Erleben des Mathematikers mit ein, weil wichtige Hauptpersonen zu Beginn des Films keinen Zweifel an deren Echtheit lassen. John Nashs langer Weg zur Gesundung gelingt ihm, indem er seine Wahn-Figuren als nicht real erkennt. Weiterlesen

Welche Form hat die Psyche?

In der Liebesbeziehung oder in der Psychoanalyse erscheint sie manchmal fast greifbar. Sie ist mal fein wie ein Eihäutchen, mal gewaltvoll. Sie zieht sich ängstlich zusammen oder dehnt sich aus. Sie ist etwas, das leicht verletzt werden kann. Hermann Hesse beschreibt ihre Form sehr schön in „Narziß und Goldmund“: „Ihre Seele war ihm bekannt und lieb geworden … wie sehr diese Seele ihrem Leibe entsprach: sie konnte etwas tun, etwas sagen, einen Wunsch oder ein Urteil äußern, und ihr Wort und die Haltung ihrer Seele war vollkommen nach derselben Form geprägt wie der Schnitt ihrer Augen und die Bildung ihrer Finger!“Weiterlesen

Ich will Patient sein – nicht Kunde, nicht Klient

„Guten Tag, Frau Doktor“, begrüßt mich mein HNO-Arzt, als ich geschwächt, hypochondrisch und mit Wahnsinns-Ohrenschmerzen seinen Raum betrete. „Lassen Sie bitte das ‚Doktor‘ weg“, entgegne ich, „wenn ich krank bin, ist der Titel total unpassend.“ Ich fühle mich elend. Weiterlesen

Unser „Nie mehr!“ verhindert Glück und Entwicklung

Wir hatten gerade vertraut, da zerstört der andere etwas in uns. „Nie mehr werde ich jemandem vertrauen“, sagen wir. So, als wollten wir den anderen und auch uns selbst damit bestrafen. Wir hatten uns gerade entspannt, da verletzt der andere uns. Wir hatten dem anderen endlich geglaubt, da belügt er uns. „Nie mehr!“ Wir wissen, dass wir alle nur Menschen sind und dass Abwehr uns zeitweise zwar nützen und schützen kann, uns auf Dauer aber krank macht. Wir brauchen vielleicht eine Erholungsphase, aber dann können wir sagen: „Ich bin wieder bereit für neue Erfahrungen.“ Aus dem „Nie-mehr!“ wird ein Bereit-sein für „Immer wieder neu“, denn jeder entwickelt sich immer ein bisschen weiter.

Über Gedankengänge, Containment-Körbchen und Rohrsysteme in uns

Ich habe einen guten Gang. Der liegt weit unterirdisch. Die anderen sehen ihn nicht. Ich muss ihn verheimlichen, denn er ist mein Überlebensgang. Nur manchmal, da könnte er etwas Luft vertragen. Oben sind andere Schichten. Es sind Abwehrschichten. Vordergründig sind dort Kämpfer, die mit der Außenwelt kämpfen. Sie stehen mit den Männlein im unteren Gang in Kontakt. „Hast du sie noch alle gut im Griff?“, frage ich aus der Tiefe. „Ja, alle im Gefecht!“, rufen die Männchen von oben. „Du kannst ganz beruhigt sein!“ Weiterlesen

Einzelkinder – werden ihre Probleme übersehen?

Die meisten Einzelkinder, die ich kenne, haben sich ihr Leben lang Geschwister gewünscht. Über die spezielle Einsamkeit von Einzelkindern wird selten gesprochen. Auf Einzelkindern lastet der Blick der Eltern viel schwerer. Sie haben gegenüber den Eltern keine Verbündeten. Die „Verwöhnung“, die die Einzelkinder oft erfahren, lässt sie sich manchmal nur noch einsamer fühlen. Einzelkinder wünschen sich vielleicht viel, so das gängige Bild. „Doch eigentlich habe ich mir immer nur Eines gewünscht: ein Geschwisterkind“, sagt eine ältere Frau. Die vielen Wünsche kommen oft daher, dass das, was sich das Einzelkind wirklich wünscht, nicht in Erfüllung geht. Weiterlesen