Ha! Ich hab’s! Ich habe keine Angst mehr. Komm‘ doch, Du Böses! Du Ungewolltes! Du darfst gerne kommen, liebe Verkrampfung, liebe Abneigung, lieber Hass. Wie oft habe ich gedacht: „Oh bitte nicht! Ich kann das jetzt nicht gebrauchen, nicht ertragen. Ich will das nicht so! Er/sie darf sowas nicht sagen, ich darf dieses oder jenes nicht denken oder fühlen.“ Die Wahrheit wollte ich so oft verbannen. Weiterlesen
20 Jahre. Knapp. Bei guter Führung weniger. Das Kind ist neun. Fast Halbzeit. Die Schuld lastet schwer. Den Geigenlehrer mit einer Ausrede angelogen, weil man nicht schon wieder sagen wollte, dass man wegen Erschöpfung absagt. „Lass Dir Zeit“, sagt die Nachbarin, die in dieser Woche schon das dritte Mal aufs Kind aufpasst. Doch das schlechte Gewissen klopft an, als die Abendveranstaltung die 22 Uhr überschreitet. Freigang beendet. Andere Mütter verabreden sich zum Kaffee und fühlen sich wie Alleinerziehende, weil der Mann erst so spät nach Hause kommt. Währenddessen sitzt die echte Alleinerziehende im Büro, um Geld zu verdienen. Sitzt die freiberufliche Alleinerziehende beim Kaffee, fließt in der Zeit kein Geld. Weiterlesen
Ich habe einen guten Gang. Der liegt weit unterirdisch. Die anderen sehen ihn nicht. Ich muss ihn verheimlichen, denn er ist mein Überlebensgang. Nur manchmal, da könnte er etwas Luft vertragen. Weiterlesen
Die meisten Einzelkinder, die ich kenne, haben sich ihr Leben lang Geschwister gewünscht. Über die spezielle Einsamkeit von Einzelkindern wird selten gesprochen. Auf Einzelkindern lastet der Blick der Eltern viel schwerer. Sie haben gegenüber den Eltern keine Verbündeten. Die „Verwöhnung“, die die Einzelkinder oft erfahren, lässt sie sich manchmal nur noch einsamer fühlen. Einzelkinder wünschen sich vielleicht viel, so das gängige Bild. „Doch eigentlich habe ich mir immer nur Eines gewünscht: ein Geschwisterkind“, sagt eine ältere Frau. Die vielen Wünsche kommen oft daher, dass das, was sich das Einzelkind wirklich wünscht, nicht in Erfüllung geht. Weiterlesen
Ich war weit hinaus geschwommen. Als ich zurück schwimme, spüre ich einen Sog unter mir. Ich schwimme und er zieht mich zurück. Ich schwimme mehr und er zieht mich mehr zurück. Ich verzweifle. Am Strand stehen die beiden Jungs. Sie schauen auf mich. Sie können nichts tun, außer blicken. Sie sehen mich. Sie sind bei mir. Ich blicke zurück. Und bekomme Kraft. Ich schwimme zurück. Sie helfen mir aus dem Wasser. „Da war was!“, sage ich. „Wir haben’s gesehen“, sagen sie. Manchmal ist es einfach nur wichtig, dass andere wissen und sehen. Weiterlesen
Auch sie liebt ihn. Er ist die Quelle der Eifersucht. Also bringe ich nicht sie um, sondern ihn. Dann habe ich immer noch sie, mit der ich mein Leid teilen kann“, denkt die Träumerin. Weiterlesen
Es standen immer frische Blumen auf ihrem Tisch. Doch in ihrem Büro roch es nach altem Teppich. Die Fenster standen auf und Licht fiel hinein. Sie kam des Öfteren frisch vom Friseur und erzählte von ihren gelungenen Wellness-Wochenenden. „Man muss sich Gutes tun“, sagte sie immer. Doch fühlte ich mich bei ihr seltsam unbehaglich. Je schöner sie sich selbst und ihr Zimmer machte, desto banger wurde mir ums Herz. Sie war eine Depressive. Ihre Bemühungen, alles schön und gut zu machen, waren nichts als ein großer Kraftakt, um die schwere Depression davon abzuhalten, sich wie ein dunkler Schleier über sie zu legen.Weiterlesen
Hält die Grenze? Erkennt er, was ich wirklich denke? Ich teste es aus, weil ich Angst habe. Angst davor, durchsichtig zu sein. Ich verwirre ihn. Nein, er sieht nicht, was ich wirklich meine. Erleichtert stelle ich fest, dass die Grenze hält. Durch meine Verwirrung habe ich ihn auf Abstand gehalten. Enttäuscht stelle ich fest, dass er nicht in mich hineingreifen kann, um meine Wirklichkeit herauszufischen. Und plötzlich spüre ich: Ich habe auch mich selbst verwirrt. Was ich mir wünsche, weiß ich nicht mehr, weil ich nicht nur ihn und mich, sondern auch unsere Kommunikation verwirrt habe. Verwirrung ist Zerstörung. (Text: © Dunja Voos; Bild: © Julia)
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Wenn auf einem Fest die ersten Leute beginnen zu wanken, rennt das Kind weg. In ihm wächst der Hass jedes Mal aufs Neue, es kann den Kontrollverlust nicht ertragen. Haltlosigkeit überall. Das Gefühl der Kindheit wird immer wieder angespült. Weiterlesen
Als Kind ist es ein schöner Traum. Wie von Geisterhand erschaffen, kommt nachts der Nikolaus. Er macht alles heimelig. Das Kind stellt sich vor, dass es sich zusammen mit Mutter und Vater über den Besuch des Nikolauses freut. Alles wurde wie von selbst an diesem Morgen gemacht. Es ist, als hätte ein anderer gut für die Familie gesorgt. Matt und müde stehen die Eltern mit tiefen Augenringen daneben.