Wenn die Katastrophe da ist, fühlen sich viele zwar allein, aber das quälende Einsamkeitsgefühl scheint gewichen zu sein. Man ist beschäftigt mit der Katastrophe und auch irgendwie „gehalten“, denn in der Katastrophe wird das katastrophale Bild zur Gewissheit. Man weiß dann, was man hat. Man sieht den Feind, man spürt genau, was das Leiden verursacht. Ist hingegen alles ruhig, kann sich das wie eine latente Gefahr anfühlen. „Wann kommt der nächste Absturz und wie sieht er aus?“, fragt man sich.Weiterlesen
Viele sprechen über das „Gesetz der Anziehung“ oder das „Gesetz der Resonanz“. Dazu gehört die Vorstellung, dass man das, was man sich wünscht, anzieht, wenn man es sich nur häufig genug vorstellt („visualisiert“). Es ist ähnlich wie mit dem roten Auto, das man sich gerade gekauft hat: Plötzlich sieht man nur noch rote Autos. Es gibt Tage, da glückt alles und alles fügt sich zusammen. Man hat das Gefühl, man tut gar nichts dazu – es fällt einfach alles passend vom Himmel. Man handelt einfach entsprechend, wenn man sich etwas von ganzem Herzen wünscht. Aber es gibt auch ein unschönes Gegengesetz: Das Gesetz des Entgleitens. Weiterlesen
Manchmal wundern wir uns, dass wir in schweren Zeiten relativ gut einschlafen und am nächsten Morgen gut aufwachen. Das kann daran liegen, dass wieder eine Ordnung hergestellt wurde, auch, wenn der Vorgang schmerzlich war. Wenn du dich jedoch kurze Zeit danach wieder sehr schlecht fühlst, kann es auch ein anderer Mechanismus sein. „Dieses große Wohlgefühl beim Aufwachen, vielleicht nach einem schönen Traum, ist zwar unglaublich angenehm, aber es ist nicht gut für Körper und Geist. Es verschwendet Lebensenergie“, sagte mir einmal ein chinesischer Mediziner. Weiterlesen
Ich dachte, es sei normal: das Geschreie, das Gezerre, das Gesperre, der Mangel, der Liebesentzug, die blauen Flecken, der Alkoholgeruch, die Lügen, das Drama, die Nacktheit. Irgendwann dämmerte es mir. Ich fragte mich, ob es wirklich normal sei. Bis eines Tages Einer kam und mich freundlich behandelte. Da tat sich ein riesiger Schmerz auf: Der Schmerz des Unterschieds. Was hatte ich alles verpasst? Was fehlte mir da? Ein großer Schrei machte sich breit. Es dauerte lange, bis ich den Frieden, die Ruhe, die Freundlichkeit und Zärtlichkeit ertragen konnte. Bis sie mir nicht mehr weh taten. Bis ich sie genießen konnte. So oder ähnlich geht es vielen Menschen, die aus psychisch kranken Familien kommen.

Kaum etwas beschäftigt uns mehr als die Abwesenheit von etwas oder jemandem. Die Abwesenheit der Mutter ist für das kleine Kind das Dasein von furchtbarem Schmerz. Die abwesende Mutter wird zur bösen Mutter. Der Partner, der uns verlässt, wird wichtiger denn je. Das Kind, das wir nie bekommen konnten, betrauern wir jahrelang, vielleicht ein Leben lang. Weiterlesen
„Beziehung ist halt immer harte Arbeit.“ | „Den Traumprinzen gibt es nicht.“ | „Das ist eben die Realität! | „Du kannst Dir nicht immer die Rosinen rauspicken.“ | „Letzten Endes sind wir doch immer alleine.“ | „In der Psychoanalyse kann man doch auch nur lernen, mit seinen Symptomen umzugehen, oder?“ | Es gibt so viele Sätze, die zeigen: Da hat jemand noch nicht die Erfüllung erlebt. „Beziehung ist nicht ‚harte Arbeit‘. Ich musste mit meinem Partner noch nie an unserer Beziehung ‚arbeiten‘. Es ist einfach etwas Natürliches“, sagt Barbara. „Ich weiß seit 25 Jahren wie es ist, mit Männern zu schlafen. Doch erst seit einem Jahr weiß ich, dass es zutiefst befriedigend sein kann“, sagt Lea. „Bei meiner Arbeit habe ich immer das Gefühl: ‚Ja, das ist es!'“, sagt Peter. Weiterlesen
Ich war weit hinaus geschwommen. Als ich zurück schwimme, spüre ich einen Sog unter mir. Ich schwimme und er zieht mich zurück. Ich schwimme mehr und er zieht mich mehr zurück. Ich verzweifle. Am Strand stehen die beiden Jungs. Sie schauen auf mich. Sie können nichts tun, außer blicken. Sie sehen mich. Sie sind bei mir. Ich blicke zurück. Und bekomme Kraft. Ich schwimme zurück. Sie helfen mir aus dem Wasser. „Da war was!“, sage ich. „Wir haben’s gesehen“, sagen sie. Manchmal ist es einfach nur wichtig, dass andere wissen und sehen. Weiterlesen
Der britische Psychoanalytiker Wilfred Bion (1897-1979) stellte viele Theorien über das Denken und Fühlen auf. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Thema „Psychose“ und mit der Frage, warum psychotische Patienten oft nur schwer denken und fühlen können. Bions ehemaliger Analysand James Grotstein (1925-2015) beschreibt seine Theorien sehr verständlich. In seinem Buch „A Beam of Intense Darkness“ (Karnac, 2007) schreibt Grotstein: Weiterlesen
„Der Wolfsmann“ (1918) war ein Patient von Sigmund Freud, der in Wirklichkeit „Sergej Pankejeff“ hieß. Er träumte im Alter von vier Jahren einen Angsttraum von weißen Wölfen, die übereinander herfielen. Der Patient litt seither unter einer Wolfsphobie. Sigmund Freud deutete dies als den unbewussten Wunsch, dass der Vater des Patienten über diesen herfiele. Als Kleinkind hatte Sergej Pankejeff beobachtet, wie sein Vater über seine Mutter im Beischlaf „hergefallen“ war. Die Geschichte des Wolfsmanns ist in Sigmund Freuds Werk „Aus der Geschichte einer infantilen Neurose“ (Projekt Gutenberg) nachzulesen.Weiterlesen
Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft für Psychoanalytiker. Die Vereinigung gehört zur Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV). Die DPV besteht aus 13 Instituten. Die Institute haben Ambulanzen, an die man sich mit psychischen Beschwerden wenden kann. An den Instituten kann man sich außerdem zum Psychoanalytiker ausbilden lassen. Weiterlesen