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Neville Symington: The Psychology of the Person

Der Psychoanalytiker Neville Symington (1937-2019) (IPA) arbeitete gerne mit Psychotikern. Ihm gingen die Erklärungen, die die Psychoanalyse heute für Psychosen hat, oft nicht weit genug. Daher beschäftigte er sich intensiv mit religiösen Sichtweisen und versuchte sie mit der Psychoanalyse zu vereinen. In seinem wunderbaren Buch „The Psychology of the Person“ schreibt er darüber. Es ist 2012 bei Karnac Books, London, erschienen und lässt sich sehr leicht auf Englisch lesen.Weiterlesen

Die Grausamkeit in mir

Wenn ich alleine bin. Wenn alle Ablenkung weg ist. Wenn ich verlassen bin. Oder ich im Zusammensein mit anderen einsam werde. Wenn die totale Erschöpfung kommt. Dann merke ich, was übrig bleibt: das grausame Ich. Das Grausame in mir. Es kommt schleichend. Es ist wieder da. Mit Zweifeln und massiver Unlust, mit Aggression. Mit Qual. Ich lasse es. Weiterlesen

Wahn und Halluzination – wie kommt man raus? Auch die negative Halluzination kann schlimm sein

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Bei einem Wahn hat man überstarke Phantasien, Sinneseindrücke und Gedanken, die scheinbar weit entfernt von der äußeren Realität sind. Man kann sich zum Beispiel verfolgt fühlen (Verfolgungswahn), großartig fühlen (Größenwahn) oder man ist überzeugt, an einer bestimmten Erkrankung erkrankt zu sein (hypochondrischer Wahn). Es ist nicht immer leicht zu sagen, ab wann eine Vorstellung ein Wahn ist. Manchen Menschen wirft man „Wahn“ vor und stellt hinterher fest, dass ihr Gefühl, ihre Erinnerung oder Vermutung richtig war. Bei anderen Menschen denkt man, es ist „normal“, was sie fühlen, denken und sagen, doch dann stellt sich heraus, dass es ein Wahn ist. Weiterlesen

Früheste Kindheitserinnerung und Deckerinnerung: Das ganze Leben in einer Szene

„Das Lebensalter, in welches der Inhalt der frühesten Kindheitserinnerung verlegt wird, ist meist die Zeit zwischen zwei und vier Jahren (so bei achtundachtzig Personen in der Beobachtungsreihe der [V. und C.] Henri). Eis gibt aber einzelne, deren Gedächtnis weiter zurückreicht, selbst bis in das Alter vor dem vollendeten ersten Jahr, und anderseits Personen, bei denen die früheste Erinnerung erst aus dem sechsten, siebenten, ja achten Jahre stammt.“ Sigmund Freud, Gesammelte Werke: Über Deckerinnerungen, Imago Publishing London, 1952, S. 533Weiterlesen

Aber da war doch gar nichts!

Bei manchen Menschen ist es offensichtlich: Sie hatten in der Kindheit Gewalt erlebt, Erniedrigungen, Missachtung, Misshandlung und dergleichen mehr. „Solche Menschen haben es gut!“, sagen manche, „Sie wissen, woher ihr Leid kommt und woran sie arbeiten müssen.“ Diese Menschen sind völlig verzweifelt, weil bei ihnen „wirklich nichts“ war und sie sich dennoch lebensmüde fühlen. Weiterlesen

Liebe ist vegetativ

Liebe geht durch den Magen, heißt es. Verliebtsein führt zu Schmetterlingen im Bauch. Man ist glatt atemlos. Liebe kann viel mit unserem Körper machen. Wenn aber das vegetative Nervensystem zu sehr reagiert, können wir nicht mehr lieben: Wem es übel ist, wer Atemnot hat oder unter Schwindel leidet, ist in dem Moment außer Gefecht gesetzt. Dem ist alles und jeder egal. Vegetatives Wohlbefinden jedoch macht Liebe möglich. Darum ist es so wichtig, auf sein vegetatives Nervensystem zu achten. Weiterlesen

Die Angst vor dem Mittendrin – eingeschlossen in Freiheit. Zugehörigkeit kann befreiend sein – für’s Elektron wie für den Menschen

Manche Menschen bewegen sich immer am Rande. Sie scheinen immer kurz vor dem Absturz zu stehen oder kurz vor dem Rauswurf. Da heiraten zwei und ein Partner geht sofort fremd. Da erhält ein Schüler seinen begehrten Studienplatz und gefährdet ihn gleich wieder durch Nicht-Lernen. Weiterlesen

Das Schlimme (1)

Es ist mal da und mal nicht. Es krallt sich manchmal um meinen inneren Körper wie eine Krake. Es krallt sich um mein Herz und bringt mich fast um. Und es krallt sich um meine Muskeln. Es ist die Psyche meiner Mutter, die aus der Ferne in mich kommt und das mit mir macht. Es ist vielleicht die Seele des anderen, der mir nahe steht. Daher muss jeder gut beäugt werden, ob er ES machen würde oder nicht. Sie quetscht meine Seele, meinen inneren Körper, sie quetscht mich fast zu Tode. Wann diese Kraft kommt, ist ungewiss. Sie überfällt mich. Jetzt ist wieder so ein Tag, das merke ich schon morgens. Und wenn sie losgelassen hat, ist sie verschwunden, als hätte es sie nie gegeben. Weiterlesen

Ein Tag aus dem Leben einer angehenden Analytikerin

Supervisor: „Ihren Fallbericht sollten Sie noch einmal gründlich überarbeiten.“ Dann zur Bank: „Einen Ausbildungskredit können wir Ihnen nicht geben: Sie machen ja jeden Monat 1400 Euro Verlust!“ (Anmerkung: Die Ausbildung kostet monatlich 1400 Euro, deshalb bin ich ja da.) Dann schnell in die Praxis. Rasch aus dem Briefkasten ein Schreiben gefischt: „Die Krankenkasse hat Ihren Antrag (für die Therapie des „Ausbildungsfalls“) abgelehnt.“ Gefahrene Strecke heute: 200 km. An solchen Tagen: Einfach weiteratmen. Weiterlesen

Corona auf der Couch

Patient (C): „Ich halte das nicht mehr aus. Ich kann so auf keinen Fall weiterleben! Also wie soll ich sagen, ich traue mich kaum, es auszusprechen.“ Analytiker (A): „Hmm.“ C: „Also … äh … ich habe zuerst ein ganzes Land lahmgelegt. Und schließlich sogar die ganze Welt.“ A: „Donnerwetter.“ Weiterlesen