In der Intersubjektiven Psychoanalyse „wird die gemeinsame Aktivität der Beteiligten, Analytiker und Analysand, im Hier und Jetzt betont“ (Wolfgang Mertens, Psychoanalytische Schulen im Gespräch, 2010, Band I, S. 20). Die intersubjektive Psychoanalyse präsentiert sich als „Feld- oder Systemtheorie“ (Mertens, S. 19). Sie ist eine Weiterentwicklung der Selbstpsychologie von Kohut (Mertens, S. 19, 24). Die heutige Intersubjektive Psychoanalyse (siehe auch: Relationale Psychoanalyse nach Mitchell) wurde unter anderem von Robert D. Stolorow entwickelt und leitet sich von der Interpersonellen Psychoanalyse von Harry Stuck Sullivan (1892-1949, Ärzteblatt 2017) und vielen Kollegen (z.B. Ferenczi, Balint, Fairbairn, Guntrip) ab. Nahe hiermit verwandt ist auch die Interpersonelle Psychotherapie. Weiterlesen
Das „Ich“ ist sehr schwer zu definieren. Es gilt als eine Einheit der Persönlichkeit. Das Ich denkt, plant, fühlt und nimmt die Realität wahr. Es ist vorrangig bewusst, enthält aber auch unbewusste Anteile. Die steuernden Funktionen werden Ich-Funktionen genannt. Mithilfe des „Ichs“ regulieren wir unsere innere Gefühlswelt und die Beziehung zu anderen Menschen. Weiterlesen
Der Psychoanalytiker Neville Symington (1937-2019) (IPA) arbeitete gerne mit Psychotikern. Ihm gingen die Erklärungen, die die Psychoanalyse heute für Psychosen hat, oft nicht weit genug. Daher beschäftigte er sich intensiv mit religiösen Sichtweisen und versuchte sie mit der Psychoanalyse zu vereinen. In seinem wunderbaren Buch „The Psychology of the Person“ schreibt er darüber. Es ist 2012 bei Karnac Books, London, erschienen und lässt sich sehr leicht auf Englisch lesen.Weiterlesen
„Eine Psychotherapie ist schmerzhaft“, heißt es oft. Viele stellen sich dann etwas Bemitleidenswertes vor: Jemand wird wieder mit schmerzhaften Erinnerungen konfrontiert und es wird deutlich, was dem Patienten Schlimmes widerfahren ist. Ja, das ist wirklich schmerzhaft. Aber was auch noch wirklich schmerzhaft ist, kommt meistens in der Psychoanalyse zum Vorschein – es sind die Stellen im Leben, an denen man selbst zum Täter wurde. Die Frage der Schuld wiegt dabei schwer. Weiterlesen
In dem Moment, in dem wir etwas Schlimmes erleben, leiden wir sehr. Wir fühlen uns gequält und sehen vielleicht kein Ende. Ist die Situation vorbei, verändert sie sich. Wir sagen im Nachhinein vielleicht: Ach, war doch gar nicht so schlimm. Oder wir romantisieren das Erlebnis oder wir dramatisieren es. In der „Nachträglichkeit“ wird das Erlebnis weiter verarbeitet. Weiterlesen
Wenn ich alleine bin. Wenn alle Ablenkung weg ist. Wenn ich verlassen bin. Oder ich im Zusammensein mit anderen einsam werde. Wenn die totale Erschöpfung kommt. Dann merke ich, was übrig bleibt: das grausame Ich. Das Grausame in mir. Es kommt schleichend. Es ist wieder da. Mit Zweifeln und massiver Unlust, mit Aggression. Mit Qual. Ich lasse es. Weiterlesen

Bei einem Wahn hat man überstarke Phantasien, Sinneseindrücke und Gedanken, die scheinbar weit entfernt von der äußeren Realität sind. Man kann sich zum Beispiel verfolgt fühlen (Verfolgungswahn), großartig fühlen (Größenwahn) oder man ist überzeugt, an einer bestimmten Erkrankung erkrankt zu sein (hypochondrischer Wahn). Es ist nicht immer leicht zu sagen, ab wann eine Vorstellung ein Wahn ist. Manchen Menschen wirft man „Wahn“ vor und stellt hinterher fest, dass ihr Gefühl, ihre Erinnerung oder Vermutung richtig war. Bei anderen Menschen denkt man, es ist „normal“, was sie fühlen, denken und sagen, doch dann stellt sich heraus, dass es ein Wahn ist. Weiterlesen
„Das Lebensalter, in welches der Inhalt der frühesten Kindheitserinnerung verlegt wird, ist meist die Zeit zwischen zwei und vier Jahren (so bei achtundachtzig Personen in der Beobachtungsreihe der [V. und C.] Henri). Eis gibt aber einzelne, deren Gedächtnis weiter zurückreicht, selbst bis in das Alter vor dem vollendeten ersten Jahr, und anderseits Personen, bei denen die früheste Erinnerung erst aus dem sechsten, siebenten, ja achten Jahre stammt.“ Sigmund Freud, Gesammelte Werke: Über Deckerinnerungen, Imago Publishing London, 1952, S. 533Weiterlesen
Es ist ein Debatten-heißer Sommer. An Corona entzündet sich das Leib-Seele-Dilemma. Die Hitze entzweit die Gesellschaft in diejenigen, die die Maske weiter tragen und die, die es nicht tun. Fernab vom Corona-Virus ist es psychologisch äußerst interessant, was da alles passiert. Es lassen sich so viele Schichten analysieren, dass es diesen Blog sprengen würde. Doch vielleicht lassen sich schon kleine Funken anschauen.Weiterlesen
Bei manchen Menschen ist es offensichtlich: Sie hatten in der Kindheit Gewalt erlebt, Erniedrigungen, Missachtung, Misshandlung und dergleichen mehr. „Solche Menschen haben es gut!“, sagen manche, „Sie wissen, woher ihr Leid kommt und woran sie arbeiten müssen.“ Diese Menschen sind völlig verzweifelt, weil bei ihnen „wirklich nichts“ war und sie sich dennoch lebensmüde fühlen. Weiterlesen