Endlich war es so weit. Sie freute sich auf’s Wiedersehen. Die Freude in ihrem Herzen hüpfte wie ein Kind. Sie stieg in ihr Auto und lauschte der schönen Musik. Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Sie träumte. Sie näherte sich der Freudenquelle. Dann waren es nur noch zwei Kilometer. Und die Freude, sie tropfte langsam aus einem Loch, das sie nicht finden konnte. Dann sah sie ihn wieder. Und ihr Freudenschiff ging unter ohne Aussicht auf Halt. Weiterlesen
Unerfüllte Bedürfnisse und Wünsche begleiten uns ein Leben lang. Es sind Hintergrundqualen, die vielleicht immer bei uns bleiben werden. Das Abwesende, das Nicht-Erlangte tut uns weh. Das Vergebliche schmerzt uns zutiefst. Das Unerfüllte nehmen wir mit ins Grab. Es gehört genauso zum Leben wie die Erfüllung. Es ist wie eine ständige Qual im Hintergrund. Und wenn wir eines gemeinsam haben, dann ist es das: die Erfahrung des Vergeblichen. Manchmal, beim Einschlafen oder in anderen überraschenden Momenten spüren wir vielleicht, wie wir trotz allem wieder mit der Wohligkeit verschmelzen können. Wenn Qual zur Trauer wird, ist schon viel gewonnen. Weiterlesen
Ein Gedanke, ein Gefühl, ein Bild, eine Atmosphäre, eine unbewusste Erinnerung. Manchmal auch nichts. Dann ein Ruck. Er geht durch Körper und Psyche. Der innere Boden wird weggezogen. Eine ungeheure Schwäche kommt. Orientierungslosigkeit. Die anderen gucken schon. Die Erschütterung ist da, die Kaskade geht los. Ich weiss schon, was kommt. Im Darm löst sich alles. Die Panik bricht durch, äußere und innere Wände werden porös, die Bedrohung scheint überall zu sein. Eine Frage von Millisekunden: Schweissgeruch, Zittern, Atemnot. Weiterlesen
Der Vater hat zu viel getrunken, die Mutter schreit. Das Kind versteht die Welt nicht mehr. Es geht in die Schule – es besucht die 3. oder 4. Klasse. Die aufgeräumte Lehrerin kommt herein und bringt frische Luft mit. Sie ist so hübsch. Die Locken schmiegen sich um ihr Gesicht und sie trägt eine helle Bluse. Sie spricht ganz ruhig. Sie stellt ihre schöne Ledertasche auf den Tisch – was da wohl alles drin sein mag? Sie erzählt und erzählt. Sie bringt Wissen in den Kopf des Kindes. Fraulich, freundlich, lehrerhaft, erfrischend, sanft.Weiterlesen
„Gibt es das wirklich, dass manche Menschen glauben, sie haben einen Engel auf der einen und einen Teufel auf der anderen Schulter, die ihnen unterschiedliche Sachen sagen?“, fragt das Kind. „Manche Menschen stellen sich das so vor. Der Engel und der Teufel sind Symbole. Sie machen es dem Menschen leichter, über manche Dinge zu sprechen.“ – „Ich sage lieber: Ich habe zwei Meinungen. Symbole sind Denkverschwendung. Die muss mein Denken ja erstmal erschaffen. Da denke ich lieber direkt“, sagt das Kind. Weiterlesen
Wie aufgebrochener Asphalt auf der mit dem Schlaghammer aufgebohrten Straße. So liegen die Steine in Fetzen an der Oberfläche neben dem ausgetrockneten Loch. Außen Beschädigung, innen tiefe Erschütterung. Wie in meine Einzelteile zerlegt, alle Bauklötze umhergeworfen. So fühlt es sich an. Darüber fegt ein Gedankensturm, der fast alle Fensterläden abreißt. Auch innen ist nichts mehr geschlossen. Es herrscht eine Überfüllung aus Abwesenheit. Die Wirkung, die die Mutter hatte, ist verheerend. Weiterlesen