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Buchtipp: „Wenn Kinder den Kontakt abbrechen“

„Ich frage mich auch, ob Kinder, die ihre Eltern verlassen, sich selbst letztendlich wirklich gut fühlen? Ob sie meinen, richtig gehandelt zu haben? Wenn ich eine Aktion starte und feststelle, dass sie ein Stück in die falsche Richtung geht, dann versuche ich, mich zu korrigieren. Wird Maya das auch so sehen?“ Das schreibt die Autorin Angelika Kindt in ihrem Buch „Wenn Kinder den Kontakt abbrechen“ (2015, penguin.de, S. 60). Sie erzählt, wie ihre Tochter Maya den Kontakt abbrach und wie es ihr als Mutter damit geht. Das Ringen von Eltern, deren Kinder den Kontakt abgebrochen haben, beginnt oft jeden Tag von vorne. Weiterlesen

Elektrokrampftherapie (EKT) – moderne Form des Exorzismus?

Das Schlechte muss raus, der böse Geist muss ausgetrieben werden. Das ist eine uralte Vorstellung der Menschen. In vielen Kulturen gibt es daher den Exorzismus. In den USA ist der Exorzismus-Pastor Bob Larson ein Star. Der Journalist Stephan Nielsen erkundet den islamischen Exorzismus (Youtube: Stephan investigates Islamic Exorcism). Die Behandelten schütteln und biegen sich, damit das Unerwünschte herauskommt. Eine sexuelle Konnotation ist nicht zu verleugnen. In der Psychitarie erblüht die Elektrokrampftherapie (EKT) erneut. Sie wird zwar unter Kurznarkose durchgeführt, jedoch finde ich sie nach wie vor erschreckend. Manche Patienten haben 10 EKT-Termine und stecken viel Hoffnung hinein.Weiterlesen

„Komm mal aus der Opferrolle raus“

„Komm mal aus der Opfferrolle raus!“, hören wir. Oder wir sagen: „Ich bin doch kein Opfer!“ Wir fragen uns vielleicht: Warum kann der eine, der scheinbar nur geringe Probleme hat, nur jammern, während der andere seine Welt positiv erlebt, obwohl er es von außen betrachtet schwerer im Leben hat? Am Anfang des Lebens steht die enge Beziehung zu Mutter und Vater. Und von dieser frühen Beziehung hängt unser weiteres Leben entscheidend ab. Weiterlesen

Selbstliebe – wie geht das?

„Du musst lernen, Dich selbst zu lieben.“ Das ist so leicht daher gesagt, doch Selbstliebe und Selbstakzeptanz sind die schwierigsten Kunststücke unseres Lebens. „Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst“ – das ist oft so schwierig, weil man sich selbst oft eben nicht liebt, sondern sogar ablehnt. Es ergibt wenig Sinn, sich die Selbstliebe zwanghaft aufzuerlegen. Selbstliebe und Selbstinteresse entstehen vor allem dadurch, dass wir von anderen liebevoll und mit Interesse angeblickt werden – von Mutter und Vater, von Lehrern, vom Partner, vom Psychoanalytiker.Weiterlesen

Immer am Rand

Ich schaue, dass das Kind kein Fieber bekommt. Dass es nachts nicht mit Erbrechen aufwacht. Ich sorge für seine gesunde Ernährung, für ausreichend Bewegung und Freunde. Ich hole das Geld rein. Ich halte mich gesund, das Auto fit. Ich schaue, dass der Laden läuft. Es läuft rund, es geht gut. Der Abgrund, er ist in sicherer Entfernung. Doch nur ein Tröpfchen, nur ein Fünkchen, etwas Fieber, eine Unachtsamkeit, eine Absage, eine Nachzahlung, und der Abgrund, er steht gähnend vor mir.

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Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 20.5.2016
Aktualisiert am 3.2.2021

Psychoanalytische Therapie bei Depressionen: Hohe Frequenz hilft

Wenn depressive Patienten psychoanalytisch behandelt werden und es ihnen besser geht – was hat dann gewirkt? War es die psychoanalytische Technik an sich oder war es auch die höhere Therapiefrequenz, die ihre Wirkung zeigt? Die Psychologen Johannes Zimmermann, Cord Benecke und Kollegen der Universität Kassel führten hierzu eine Studie mit 77 depressiven Patienten durch. 27 Patienten erhielten eine psychoanalytische Therapie, 26 Patienten eine psychodynamische Therapie und 24 Patienten eine kognitiv-behaviorale Therapie (CBT). Weiterlesen

Weiße Depression: wenn die depressive Mutter unerreichbar ist

Der Ausdruck „weiße Depression“ wurde von dem Psychoanalytiker André Green geprägt. Er meint damit eine Depression, die entsteht, wenn ein Kind eine depressive Mutter hat. Die depressive Mutter ist für das Kind emotional nicht anwesend, auch wenn sie körperlich da ist. Das Kind nimmt das Bild dieser -emotional abwesenden – Mutter in sich auf. Diese Mutter wirkt innerlich und äußerlich wie „tot“. Sie erscheint unerreichbar. Weiterlesen

Der Schmerz des Unterschieds

Ich dachte, es sei normal: das Geschreie, das Gezerre, das Gesperre, der Mangel, der Liebesentzug, die blauen Flecken, der Alkoholgeruch, die Lügen, das Drama, die Nacktheit. Irgendwann dämmerte es mir. Ich fragte mich, ob es wirklich normal sei. Bis eines Tages Einer kam und mich freundlich behandelte. Da tat sich ein riesiger Schmerz auf: Der Schmerz des Unterschieds. Was hatte ich alles verpasst? Was fehlte mir da? Ein großer Schrei machte sich breit. Es dauerte lange, bis ich den Frieden, die Ruhe, die Freundlichkeit und Zärtlichkeit ertragen konnte. Bis sie mir nicht mehr weh taten. Bis ich sie genießen konnte. So oder ähnlich geht es vielen Menschen, die aus psychisch kranken Familien kommen.

Die Depressive

Es standen immer frische Blumen auf ihrem Tisch. Doch in ihrem Büro roch es nach altem Teppich. Die Fenster standen auf und Licht fiel hinein. Sie kam des Öfteren frisch vom Friseur und erzählte von ihren gelungenen Wellness-Wochenenden. „Man muss sich Gutes tun“, sagte sie immer. Doch fühlte ich mich bei ihr seltsam unbehaglich. Je schöner sie sich selbst und ihr Zimmer machte, desto banger wurde mir ums Herz. Sie war eine Depressive. Ihre Bemühungen, alles schön und gut zu machen, waren nichts als ein großer Kraftakt, um die schwere Depression davon abzuhalten, sich wie ein dunkler Schleier über sie zu legen.Weiterlesen

Psychische Störungen hängen mit Beziehung zusammen

Wenn Du eine Psychotherapie machst, merkst Du vielleicht, wie wichtig Dir die Stunden sind. Fällt eine Sitzung aus, ist es für Dich schwer auszuhalten. Es ist Dir wichtig, dass Dein Therapeut für Dich anwesend ist. Vielleicht fühlst Du Dich auch in anderen Beziehungen sehr auf den anderen angewiesen. Wenn Deine nächste Bezugsperson weg ist, kommst Du vielleicht in psychische Not. Weiterlesen