Erst bist du auf der Suche. Vielleicht dein halbes Leben lang. Oder länger. Und dann triffst du auf einen Menschen, der ist gut. Der nimmt sich Zeit, der nimmt dich ernst. Er lehrt dich, dich selbst zu verstehen. Da gibt es keine „brutale Ehrlichkeit“, sondern vorsichtiges Fragen, vorsichtiges Interesse. Dann tritt noch ein guter Mensch in das eigene Leben. Und dann noch einer und noch einer. Keine Angst, es ist auszuhalten, denn der schlechten Menschen gibt’s genug. Aber das Gute, das ist wie eine Kette. Ein Glied reiht sich an das andere. Irgendwann wirst du gehalten und aufgefangen vom Guten. In Freiheit. Und Sicherheit. Und plötzlich kommt es: Das späte Glück, die späte Familie ist da.Weiterlesen
Manchmal, da war es so einsam. Das Kind ging ins Bett, ohne Mutter. Die saß nebenan. Das Einzige, was dann noch tröstete, war der Strahl der tiefstehenden Abendsonne, der durch die Jalousetten fiel und auf dem Boden ein warmes Licht hinterließ. Weiterlesen
Es ist so laut, denkt das Kind. Die Eltern, sie streiten nur – fast jeden Tag. Das Kind darf nicht nach Hilfe suchen. Es wird geschlagen, wenn es erzählt. Es schweigt. Es ist ein ruhiges Kind – die Lehrer, sie mögen es sehr. Das Kind hat Bauchweh. Es hofft, dass der Kinderarzt es errät. Es ist der Lärm, der diese Bauchweh macht. Das Kind muss schweigen. Der Kinderarzt sieht nichts. Lärm kann man nicht sehen. Weiterlesen
Ich möchte Dich sehen, mit Dir spielen, mit Dir lachen, Dir was sagen, von Dir eine Geschichte erzählt bekommen. Ich möchte mich anschmiegen. Mit Dir kuscheln, mit Dir toben, mich von Dir auf der Schaukel anschubsen lassen. Mein Kribbeln in meinem Bauch spüren. Und dann wieder fröhlich und unbeschwert gehen, um mit den anderen zu spielen. Mit Deinem Segen. Der Wunsch nach Nähe. Für manches Kind bedeutet er: Die Tür geht auf, die Hände grabschen, überall nur Chaos, Übelkeit und Gift. Weiterlesen
Ich sitze ihm gegenüber. Dem Mörder. Er ist hoch-explosiv, gefährlich. Ich sage den anderen Bescheid, sie schauen kurz nach, aber sie können ihn nicht wirklich entschärfen. Sie zucken mit den Schultern und gehen wieder. Und ich sitze wieder da. Zusammen mit dem Mörder. Ich kann mich dabei nicht entspannen. Ich muss ihn im Blick behalten. Und in mir das ständige Gefühl des elektrischen Aufgeladenseins.Weiterlesen