Es ist anstrengend. Das Kind, es schätzt den Alkoholpegel rasch und sicher ein. Zuverlässiger als jedes Messgerät. Es kennt die Anzeichen – die Dauer der Schlüssellochsuche, das Schmatzen und Schnalzen, den Verlauf der Zunge beim Sprechen. Es ist anstrengend. Das Kind, es dirigiert. Nach vorn geschaut und aufgepasst! Schau nach vorn, schau mich an, hör mir zu, bevor dir ein dreckiger Witz einfällt: Lass nur ja keinen Gedanken aufsteigen. Denn wenn es zu spät ist, ist es zu spät. Geh schön zu deinem Sessel und sieh zum Fernseher, damit ich hinter dir vorbeihuschen kann, bevor deine Hände tatschend suchen. Der Weg ins Zimmer, er ist geschafft. Hier bleibst du jetzt, denkt das Kind. Im Gefängnis. Beschützt vor der Außenwelt – immerhin. Weiterlesen

Sie sei überzeugt davon gewesen, dass der Teufel die Macht über sie übernommen hätte („The Devil had taken me over“), erzählt Catherine Penney in dem Film „Take these broken wings“ (Youtube). Vielleicht hattest Du auch schon einmal das Gefühl, irgendwie oder von bösen Mächten besessen zu sein. Es fûhlt sich an wie eine „Angst ohne Grip“. Du kannst gar nicht richtig beschreiben, wie Du Dich eigentlich fühlst. Es ist vielleicht wie ein Druck von aussen auf die Brust oder wie ein Gefühl, gefangen und eingesperrt zu sein. Besonders Dein Kopf fühlt sich vielleicht komisch an. Zwischen den Augen fühlst Du vielleicht einen unangenehmen Druck, so als wolltest Du weinen, aber es geht nicht. Weiterlesen
Die Angst, sich zu übergeben (Emetophobie, specific phobia of vomiting, SPOV), kann enorm gross sein. Wenn Du selbst betroffen bist, hast Du vielleicht keine Freude mehr an gemeinsamen Mahlzeiten. Für andere ist es vielleicht schwierig nachzuvollziehen, doch du spürst genau, dass dir schon nach wenigen Bissen schlecht wird und du das Gefühl bekommst, alles wieder ausspucken zu müssen. Du hast selbst Appetit, würdest gerne essen, aber es geht nicht. Weiterlesen
Wenn wir grossen Kummer oder Schmerzen haben, knien wir uns mitunter hin und wippen vor und zurück. Kleine Kinder, die verwahrlost und alleingelassen sind, wippen ebenfalls vor und zurück. Dies kann ein Zeichen des „Hospitalismus“ sein, also eines Zustandes, der in Isolation entstehen kann. Das Wippen erinnert das Kind vielleicht an das frühe Geschaukeltwerden im Mutterleib. Das Wippen wirkt schmerzstillend, beruhigend und bindungsfördernd – Endorphine und das Bindungshormon Oxytocin können infolge des Wippens ins Blut ausgeschüttet werden (Ignaz Roob, 2015). Auch einige Kinder mit schwerem Autismus wippen vor und zurück. Weiterlesen
Wenn Du Dein schreiendes Kind in der Kita zurücklässt, tut Dir das wahrscheinlich genauso weh wie Deinem Kind. Dich plagt das „schlechte Gewissen“, das ja eigentlich auch Ausdruck Deines eigenen Trennungsschmerzes ist. Du spürst vielleicht, dass Du Deinem Kind mit der Trennung möglicherweise zu viel zumutest, doch oft lassen die finanzielle Situation und die Arbeitswelt nichts anderes zu oder dein Beruf ist für dich auch Berufung. Hört Dein Kind auf zu weinen und wendet es sich bald dem Spiel zu, hat es sich wirklich beruhigt. Bleibt es jedoch apathisch, kann man die „Beruhigung“ manchmal auch als „Ohnmachtsreaktion“ verstehen. Das Kind resigniert, es kann ja nicht anders, als im Kindergarten zu bleiben. Was ist jetzt wichtig? Weiterlesen

Mit „Ganzkörperphänomen“ meine ich nicht die chronische tophöse Ganzkörpergicht, die sich ähnlich wie eine Fibromyalgie äußern kann (eine Patientin erzählt ihre Geschichte auf Youtube: Living With Gout). Ich spreche zunächst von der Gicht an der Großzehe, mit der man frühmorgens aus dem Schlaf gerissen wird. Ein Schmerz so groß, dass man noch nicht einmal mehr die Bettdecke auf der Haut erträgt. Während die stärksten Schmerzen innerhalb weniger Tage abklingen, können Allgemeinsymptome wie Übelkeit, Kopfschmerzen, eine erhöhte Herzfrequenz, Schüttelfrost, erhöhte Temperatur und Erschöpfung mehrere Wochen anhalten. Obwohl sich die Gicht (englisch: Gout) vielleicht zuerst nur am Großzehengrundgelenk und schließlich oft am ganzen Fuß äußert, fühlt man sich mitunter richtig krank, wie bei einer Infektion. Weiterlesen

Wahrscheinlich bist du auch schon mal an einer zerbrochenen Beziehung verzweifelt. Du warst traurig und wütend, aber irgendwann hast du es vielleicht ganz versteckt auch genossen, den anderen zu erzählen, wie fies der oder die andere zu Dir war. Im Tagtraum stellst Du Dir vor, wie Du sterbenskrank bist. Der Andere käme und würde alles zutiefst bereuen. Du gehst vielleicht als Verlierer*in aus der Beziehung hervor, aber Du kannst immer noch „Sieger im Leiden“ sein. Weiterlesen