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Das unbewusste Wissen der Mobbinggruppe: Pervertierte Empathie

Ein Mädchen erlebt zu Hause Missbrauch, doch niemand weiß davon. In der Schule wird es gemobbt. Eine Anführerin gründet einen „Anti-(NameDesMädchens)-Club“ und animiert die anderen, sich mit ihr gegen das Mädchen zu verbünden. Eine grausame Geschichte, kürzlich gehört im Radio. Was da passiert, ist rätselhaft und kann doch auf verschiedenen Ebenen verstanden werden. Wir vermeiden oder verachten mitunter die Menschen, die Krankheiten oder Schicksale erlitten haben, vor denen wir uns selbst fürchten. Wenn wir diesen Menschen begegnen, können wir spüren, wie es sich anfühlen muss, etwas bestimmtes zu erleiden.Weiterlesen

Verzweiflung – was ist das für ein Gefühl?

„Desperation is the feeling that a situation is so bad that no matter what you do, it will never get better“, heißt es auf paintedbrain.org („Verzweiflung ist das Gefühl, dass eine Situation so schlecht ist, dass sie – egal, was Du tust – niemals besser wird“). Verzweiflung erscheint als etwas zutiefst Inneres. Obwohl sie so stark ist, fällt es schwer, sie in Worte zu fassen. Weiterlesen

Das Schlimme (2)

Das Schlimme hat so einen Sog. Dieser Lärm, verursacht durch das eigene Schreien. Diese Stille, verursacht durch alle, die schweigen. Diese Wut und diese Rachsucht auf alle, die nicht verstehen, die nicht gesehen haben und die auch heute nicht wissen, was sie tun. Das Schlimme zieht mich immer wieder an. Ich gleite hinein. Ich suche es und kann es doch nicht akzeptieren, nicht aushalten. Was heißt un-aus-haltbar überhaupt? Dass man sterben möchte, aber nicht kann? Ein Schwebezustand, in dem es nicht vor und nicht zurück geht. Man solle vertrauen. Alles sei auszuhalten. Sagen die, die noch nie das Nicht-Aushaltbare erlebt haben. Weiterlesen

Lieben und Arbeiten – Ziele der Psychoanalyse nach Sigmund Freud?

„Lieben und Arbeiten“ – oftmals wird gesagt, dass dies nach Sigmund Freuds Worten die Ziele der Psychoanalyse seien. Aber hat er das wirklich gesagt? Der amerikanische Sachbuchautor Ralph Keyes geht in seinem Buch „The Quote Verifier“ dieser Frage nach. Es gebe keinen Beweis dafür, dass Freud dies gesagt habe, so Keyes. Doch woher kommt das „Gerücht“? Keyes schreibt, dass es keinen Beweis für ein solches Freud-Zitat gebe. Keyes erwähnt das Buch des Psychoanalytikers Erik Erikson’s „Childhood and Society“ (1963). Dort schreibe Erikson, dass Freud einmal gefragt wurde, was eine normale Person gut können sollte. Freud habe in seinen alten Tagen – so werde berichtet – gesagt: „Lieben und arbeiten“. Erikson sei ehrlich genug gewesen zu sagen, dass Freud dies „angeblich“ sagte.Weiterlesen

Die Traumdeutung von Sigmund Freud (Buchtipp)

„Die Traumdeutung“ von Sigmund Freud ist immer noch der Klassiker – unverzichtbar für alle, die sich mit Träumen, Schlafen, der Psychoanalyse und dem Unbewussten beschäftigen. Weiterlesen

Die Einsamkeit des Kindes

Manchmal, da war es so einsam. Das Kind ging ins Bett, ohne Mutter. Die saß nebenan. Das Einzige, was dann noch tröstete, war der Strahl der tiefstehenden Abendsonne, der durch die Jalousetten fiel und auf dem Boden ein warmes Licht hinterließ. Weiterlesen

Hippocampus und Amygdala: Der Mandelkern ist nicht die einzige „Angstzentrale“

Die Amygdala, zu deutsch „Mandelkern“, ist ein uralter Teil des Gehirns. Eine schöne Abbildung findet sich hier (Mr. Barlow’s Blog: „No amygdala, no fear“ – „Keine Amygdala, keine Angst“, was übrigens nicht ganz stimmt). Die Amygdala ist für unsere Gefühle zuständig. Hier entstehen teilweise Gefühle, hier werden sie teilweise gesteuert. Die Amygdala startet zum Beispiel „Alarmreaktionen, noch bevor das Großhirn darüber nachzudenken in der Lage ist“ (Wettig 2009). Weiterlesen

Lebensfreude

Das kleine Mädchen läuft auf den Papa zu. Es kribbelt in seinem Bauch, vor lauter Freude. Er nimmt es in seine Arme und wirft es hoch in die Luft. Das Mädchen jauchzt. Der gesunde Vater ist stark. So stark, dass er seine eigenen Gefühle kennt, hält, lenkt. Er freut sich mit seinem Kind. Die beiden sind glücklich. Und arglos. Und sie dürfen es bleiben, denn die Mutter schaut zu und freut sich. Weiterlesen

Podcast: Wer braucht eine Psychoanalyse? Danke an „Der 8. Tag“

Ausreden dürfen in einem Interview – es ist eine Seltenheit und es ist eine große Freude, wenn das möglich ist. Diese Woche (Juni 2021) durfte ich zu Gast sein im Podcast „Der 8. Tag“ und wurde von der Journalistin Alev Dogan zum Thema „Psychoanalyse“ interviewt. Sie fragte unter anderem: „Wer braucht eine Psychoanalyse?“ In diesem Podcast geht es auch um frühe Bindung und ich konnte ausführlich darstellen, warum ich die Vojta-Therapie bei Babys für schwer traumatisierend halte. Obwohl ich schon viele Medien auf dieses Thema aufmerksam gemacht hatte, konnte ich erst hier Gehör finden. Ich freue mich sehr über dieses Podcast und bedanke mich herzlich bei Alev Dogan, Marc Saha und dem Team von „ThePioneer.de“.

Was heißt „Besetzung“ in der Psychoanalyse?

Etwas sei „libidinös besetzt“ heißt es oft in der Psychoanalyse. Damit meint der Psychoanalytiker, dass quasi unser Herz daran hängt. Wenn wir an unseren Liebsten denken oder immer noch unser rotes Spielzeugauto lieben, sind der Liebste und das Auto „libidinös besetzt“. Sigmund Freud hat den Begriff der „Besetzung“ in diesem Sinne geprägt. Schon die Vorstellung vom Auto kann „libidinös besetzt“ sein, das heißt, die Vorstellung in unserer Psyche ist quasi „energetisch aufgeladen“. Unser Körper gerät in Wallung, wenn wir nur an den Liebsten denken. Der Psychoanalytiker Timo Storck schreibt: „Die Besetzung an sich bedeutet, dass bestimmte Vorstellungen libidinös-triebhaft besetzt sind, weil Lust und Befriedigung (bzw. die Erwartung dessen) damit verbunden sind.“ (Timo Stock: Das dynamisch Unbewusste, Kohlhammer 2019, S. 58)Weiterlesen