„Du kriegst mich nicht!“ Warum wir provozieren
Das Kind streckt der Mutter die Zunge raus und reizt sie damit bis aufs Blut. In den 70ern rannten „Flitzer“ nackt übers Fussballfeld. Provokation hat auch etwas mit „Nacktmachen“ zu tun. Wir strecken uns dem anderen provokativ entgegen.
Der Wunsch, andere zu provozieren, entsteht oft dann, wenn wir unterdrückt wurden und starke Ohnmachtsgefühle verspüren. Wir können dem Henker noch wenigstens die Zunge rausstrecken, auch wenn wir sonst nichts mehr tun können. Wir provozieren auch, wenn wir unglaubliche Angst haben.
Bevor wir provozieren, laufen meistens viele innere Prozesse ab. Es geht sozusagen lange „bergab“ mit uns, wir fühlen uns schlecht, wir spüren Schmerz und Ohnmacht. Und ab einem gewissen Punkt schlägt es um: Wir spüren rasende Wut, unglaubliche Kraft, alles ist uns egal.
Wir wollen Rache, wir wollen den anderen anspritzen, verletzen, beschimpfen. Und wir schauen nur auf den Moment. Es ist uns egal, was danach passiert. Wir können es uns ausrechnen, wir „wollen es ja so haben“. Und wir genießen masochistisch den Gedanken, dass wir bestraft werden. Das Schlimme an der Provokation ist oft die Lust dabei, die uns nicht mehr aufhält.
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Beitrag vom 5.9.2026 (begonnen am 29.1.2017)
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4 thoughts on “„Du kriegst mich nicht!“ Warum wir provozieren”
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Ihr Text beschreibt für mich was meine Mutter früher angetan wurde und meiner Schwester weiter gab. Und heute meine Schwester meiner Demenzen Mutter und mir weiter gibt.
Ganz herzlichen Dank für Ihren Kommentar, liebe Frau Menzler! Darüber freue ich mich sehr.
Sehr gut offen gelegt. Die inneren Prozesse sind bemerkenswert genau und nachvollziehbar beschrieben. Ich hoffe, viele Menschen lesen dies und lernen dazu.
Der Text fasziniert mich, wenngleich ich ihn nicht sofort verstehe.
Aber, man spürt, da redet jemand mit sehr viel Einblick.
Meine Freundin sagt gerne Ausdrücke, ich bitte sie, damit aufzuhören,
doch sie macht weiter und beruft sich auf ihre Freiheit, tun zu
dürfen, was sie will. Mich verletzt das.