Übergewicht, Schmerzen und Erschöpfung hängen eng zusammen. „Nur noch dieses eine Mal.“ Abschiedsgedanken sind auch bei der Ernährung zu berücksichtigen.

Es ist nicht die Unwissenheit, die zu Übergewicht führt, sondern es ist der Mangel an erfreulichen Momenten, an guten Beziehungen, an Wärme, Erholung, Schlaf oder auch Geld. Zudem können frühkindliche Traumata später zu psychischen und körperlichen Schmerzen führen, die so groß sind, dass nur Essen (vor allem Fettiges und Zucker) sie zu lindern vermag.
Durch Essen bekommst Du das, was Dir gut tut: Wärme, Trost, Stressdämpfung und Energie. Du fühlst Dich für den Augenblick vielleicht weniger allein, wenn Du etwas „zu Dir“ nimmst.
Es geht nicht um die Frage: „Was mache ich falsch?“ Es geht um Fragen wie: „Was belastet mich so sehr? Oft kann die Abwesenheit von etwas belastender sein als die nervige Anwesenheit von etwas. Die Abwesenheit eines anderen Menschen kann so unruhig machen, dass auch der Schlaf unruhig ist. Auch, wenn eine erwartete Erfüllung ausbleibt, kommen Unruhe und Hunger. Wenn der Schlaf als Energiequelle fehlt, versuchen wir, mehr Energie durch Essen zu bekommen.
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Links:
James A. Levine et al. (2005):
Interindividual Variation in Posture Allocation: Possible Role in Human Obesity
Science 28 January 2005: Vol. 307. no. 5709, pp. 584 – 586, Abstract
Bereits kleine Bewegungen können beim Abnehmen helfen: „If obese individuals adopted the NEAT-enhanced behaviors of their lean counterparts, they might expend an additional 350 calories (kcal) per day.“ (Übersetzt von Voos: „Wenn übergewichtige Menschen die NEAT-Gewohnheiten ihrer schlankeren Mitmenschen übernahmen, konnten sie 350 Kilokalorien mehr pro Tag verbrennen.“)
Adipositas ist das medizinische Wort für starkes Übergewicht, oder auch „Fettleibigkeit“ (lateinisch: adeps = fett). „Adipositas permagna“ notieren Ärzte, wenn sie die „wirklich“ dicken Menschen meinen („permagnus“ = sehr groß). Diese Diagnose erhält man ab einem Body Mass Index von 40. Ab einem Body-Mass-Index (BMI, Körpergewicht in kg/m² Körperlänge) von 25 gilt man als übergewichtig, ab einem Wert von 30 als „fettleibig“ = adipös. Traumata und infolge dessen Schlafmangel sind wichtige Ursachen des Übergewichts (Midei and Matthews, 2011).
Midei AJ und Matthews KA (2011):
Interpersonal violence in childhood as a risk factor for obesity: a systematic review of the literature and proposed pathways. „A review of only the higher-quality studies also shows consistent positive associations between interpersonal violence from caregivers and peers and obesity.“
Free Access, Obesity Rewiews, Volume12, Issue5, May 2011: Pages e159-e172, doi.org/… , onlinelibrary.wiley….
Affton M. Koball et al. (2011):
Eating when bored: Revision of the emotional eating scale with a focus on boredom. Health Psychology, Oct 17, 2011, psycnet.apa…, No Pagination Specified. doi: 10.1037/a0025893
Schlafmangel fördert Adipositas (2007): „Lebensgewohnheiten, die den Schlaf fördern, bezeichnet Dr. Sanjay R. Patel aus Cleveland als neuen Ansatz in der Prävention von Adipositas. Er leitet ihn aus der Nurses’ Health Study ab (Am J Epidemiol 164, 2006, 947). … Schon zu Beginn waren Teilnehmerinnen mit höchstens fünf Stunden Schlaf durchschnittlich 2,5 Kilo … schwerer als Frauen, die sieben Stunden pro Nacht schliefen.“ Ärztezeitung 13.3.2007
Originalstudie: Sanjay R. Patel et al. (2006):
Association between reduced sleep and weight gain in women
Am J Epidemiol 2006, Nov 15; 164(10): 947-954, DOI: 10.1093/aje/kwj280
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16914506/
Petra Warschburger (2008):
Psychosoziale Faktoren der Adipositas in Kindheit und Adoleszenz
In: Herpertz, de Zwaan, Zipfel (Herausgeber):
Handbuch Essstörungen und Adipositas pp 259–264
link.springer.com/…
Hungerhormon (Ghrelin) vertreibt auch Angst und Depression
Von Joachim Czichos (2008)
www.wissenschaft-aktuell.de/… „Bei Nahrungsmangel steigt der Blutspiegel des Hormons Ghrelin. Das löst aber nicht nur ein Hungergefühl aus – Ghrelin dämpft auch die Angst und depressive Gefühle, wie amerikanische Forscher jetzt entdeckt haben.“ (Originalquelle: Michael Lutter et al.: The orexigenic hormone ghrelin defends against depressive symptoms of chronic stress. Nature Neuroscience 2008, 11, pages752–753, DOI: 10.1038/nn.2139, www.nature.com/articles/nn.2139)
Benjamin Kuntz und Thomas Lampert (2008):
Sozioökonomische Einflussgrößen der Verbreitung von Übergewicht und Adipositas in Deutschland „Frauen aus der niedrigsten Einkommensgruppe haben eine um den Faktor 3 erhöhte Chance, von Adipositas betroffen zu sein im Vergleich zu Frauen aus der höchsten Einkommensgruppe.“
edoc.rki.de/… , Deutsche Ärzteblatt, Jahrgang 107, Heft 30, 30. Juli 2010
E. Amy Amy and Andrea T. Kozak (2012)
“The More Pain I Have, the More I Want to Eat”: Obesity in the Context of Chronic Pain
(Übersetzt von Voos: „Je mehr Schmerzen ich habe, desto mehr will ich essen.“)
Volume20, Issue10, October 2012, Pages 2027-2034, Free Access
doi.org/10.1038/oby.2012.39
onlinelibrary.wiley.com/doi/full/… „Five themes emerged indicating that patients with comorbid chronic pain and obesity experience: depression as magnifying the comorbid physical symptoms and complicating treatment; hedonic hunger triggered by physical pain and associated with depression and shame; emotional or “binge” eating in response to pain; altered dietary choices in response to pain; and low self-efficacy for physical activity due to pain.“
Fernsehtipp:
Cuisine ouverte: Présenté par Mori Sakko
France 2, 11 Août 2024
Knutson, Kristen L. and Van Cauter, Eve (2008):
Associations between Sleep Loss and Increased Risk of Obesity and Diabetes
Annals of the New York Academy of Sciences, Volume 1129, Molecular and Biophysical Mechanisms of Arousal, Alertness, and Attention/ pages 287-304, May 2008
onlinelibrary.wiley.com/doi/…
Orfeu M. Buxton et al. (2010):
Sleep Restriction for 1 Week Reduces Insulin Sensitivity in Healthy Men
Diabetes September 2010 vol. 59 no. 9 2126-2133
diabetes.diabetesjournals.org/…
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dx.doi.org/10.1017/S0954422410000016,
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journals.cambridge.org
Vincent J. Felitti et al. (2002)
The Relationship of Adverse childhood Expériences to Adult Health: Turning gold into lead.
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www.jstor.org/stable/i23859893
Felitti VJ. The Relation Between Adverse Childhood Experiences and Adult Health: Turning Gold into Lead. Perm J. 2002 Winter;6(1):44-47. doi: 10.7812/TPP/02.994. PMID: 30313011; PMCID: PMC6220625.
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Danielle Rousseau (2023): The Adverse Childhood Experiences Study
„The Adverse Childhood Experience (ACE) was the biggest study of its kind ever created (Rousseau, 2023). In 1958, Dr. Vincent Felitti and his colleague Dr. Robert Anda of Kaiser Permenente studied more than 50,000 patients, finding clear characteristics or commonalities (Rousseau, 2023).“ … „Additionally, the study revealed that the effects of trauma permeated these patients’ adult lives (van der Kolk, 2014).“ … „Incidents of abuse are never ‘standalone’ events, and for each additional adverse experience reported, the toll in later damages rises (van der Kolk, 2014).“ … „Felittti and his team also discovered that the impact of childhood trauma initially became noticeable in school (van der Kolk, 2014).“ sites.bu.edu/…
Sayon-Orea C. et al. (University of Navarra, Spain, 2013):
Association between Sleeping Hours and Siesta
and the Risk of Obesity: The SUN Mediterranean Cohort
Obes Facts 2013;6:337-347, (DOI:10.1159/000354746)
www.karger.com/…
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Daily Stressors, Past Depression, and Metabolic Responses to High-Fat Meals:
A Novel Path to Obesity
Biological Psychiatry, doi:10.1016/j.biopsych.2014.05.018
www.sciencedirect.com/…
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am: 30.10.2011
Aktualisiert am 11.1.2026
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10 thoughts on “Übergewicht, Schmerzen und Erschöpfung hängen eng zusammen. „Nur noch dieses eine Mal.“ Abschiedsgedanken sind auch bei der Ernährung zu berücksichtigen.”
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Liebe Dunja Voos,
Schlafmangel und Dauerstress haben mich dick gemacht. Schon mein Leben lang. Jede der unzähligen Diäten war Stress – und mit Traurigkeit verbunden – aber auch Sport in übermüdetem Zustand (Dank chronischem Schlafmangel quasi ständig) oder im Zeitstress. Dabei habe ich immer beobachtet, dass schlanke Menschen in meiner Umgebung „viel“ und sorglos essen, dabei auch mal eine Mahlzeit (ungeplant) knapper oder ausfallen lassen und viele davon sich nicht für Sport interessieren. Dieses Muster begegnet mir seit 27 Jahren Leidensgeschichte mit Übergewicht. Bisher war ich echt zu doof, um das auf mich anzuwenden – ich kämpfe und strampel immernoch…
Herzliche Grüße
Iris Ostseefloh
Guten Tag Frau Dr. Voss,
mit großer Aufmerksamkeit und Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Als selbst betroffene, was das Thema Übergewicht angeht, fand ich ihn außerordentlich informativ. Vor allem der Punkt Schlafmangel hat mich aufhorchen lassen. Als Krankenschwester im Schichtdienst, dachte ich immer ich bilde mir das nur ein, dass wenn ich zu wenig Schlaf bekomme, mein Körper in Sachen Gewicht verrückt spielt. Über die Jahre hinweg konnte ich beobachten, dass ich bei Schlafdefizit tendenziell zunehme, auch wenn ich beim Essen diszipliniert bin.
VG Bianca
Liebe Frau Dr. Voss,
ich möchte mich aufrichtig bei Ihnen bedanken zu diesem Thema. Lieder gibt es immer noch nicht genügend Informationen bei einer dissoziativen Identitätsstörung und Übergewicht und Übergewicht nach sexuellem Missbrauch in Therapie. Immerhin bin ich mächtig stolz, das ich es geschafft habe mein Gewicht von 138 kg auf 88 kg zu reduzieren.
Es war Kampf, ein unendlicher Kampf und wie gesagt, ich habe erkannt, diese Schlafstörungen und Flashbacks führten und führen immer noch dazu, dass ich esse, esse mich warm und erlebe dann erst einmal ein wohliges sattes Gefühl.
Es ist nur von kurzer Dauer und ich bin dankbar, das ich drei Hunde habe, die mir immer wieder sagen, lasse mal den Kühlschrank zu und laufe mit uns durch Wald und Feld.
Danke, das Sie mir und meinen Seelchen immer wieder eine große Hilfe sind, ich glaube ich habe es noch niemals gesagt … Danke, dass es Sie gibt.
Bleiben Sie behütet… Christina mit Seelchen…
Ich bin ebenfalls mit zwei Dutzend Kilos zuviel unterwegs. Mit Programmen wie dem berühmten WW kann ich nichts anfangen. Auf den guten Weg gebracht haben mich Aufmerksamkeitstechniken in Zusammenhang mit Essen, sowie Body-Feedback und Medidation. Und ganz, ganz viel Selbstmitgefühl und Selbstliebe.
Der wichtige Schritt ist, von den Selbstvorwürfen wegzukommen („Wieso hast du jetzt diese Schokolade gegessen und erst noch die ganze Tafel wenn du doch genau weisst, dass du abnehmen solltest….“) und hin zum (analytischen) Selbstmitgefühl: „Was hat mich so traurig/einsam/elend gemacht, dass ich so viel Schoki zum Trost essen musste, damit es mir besser ging?“
Ein weiterer Schritt ist zu lernen auf das zu achten, was man isst, wie man es isst, den Geschmack, den Geruch… Man isst dadurch viel bewusster und langsamer. Und hört auf, tagsüber hundert kleine Sachen in den Mund zu stopfen (wie die Brötchenreste des Kleinen, das halbe Joghurt, das er stehen liess …)
Der NEAT-Ansatz ist aber, wenn ich das richtig verstanden habe, bloße Theorie?
Mehr alltägliche Bewegung zu realisieren, ist wegen der alten Gewohnheiten schwierig – eine Frage der Motivation und des Umfelds. Sportvereine bieten wenig an, wo Übergewichtige sich wohlfühlen.
Bedingt wäre Qi-Gong zu empfehlen; ich vermute es jedenfalls. Konzepte, die die Selbstkontrolle erleichtern, kommen auch an die Grenzen des Machbaren. Zur Wirksamkeit von Psychotherapie und -Analyse bei Adipositas liegen m.W. noch nicht einmal Daten vor. Relativ sicher lässt sich aber belegen, dass das Interesse an dem Thema verhältnismäßig gering ist. Was den Ansatz, mit Selbsthilfegruppen wirksame Veränderungen zu ermöglichen, betrifft: Der ist völlig in Vergessenheit geraten, lange, bevoer er den Kinderschuhen entwachsen ist. Da wäre noch vieles möglich, wenn es gewollt wäre.
Liebe Silke, ja, das mit dem Kleinkind kenn ich auch. Ich glaube, in dieser Zeit bleibt einem fast nichts anderes übrig, als die mütterlichen Rundungen an sich zu akzeptieren. Für Schlaf und Bewegung ist dann später wieder mehr Zeit ;-).
Liebe Dunja,
ich habe mit Ineresse gelesen, dass Schlafmangel zu erhöhtem Appetit führt. Seitdem habe ich diesen Aspekt einmal bei mir beobachtet und stelle genau das bei mir fest: Zu wenig Schlaf zerstört meinen Biorhythmus, ich kann nicht richtig frühstücken, weil ich zu müde bin und habe im Laufe des Tages einen völlig chaotischen Appetit gekoppelt mit einer Unlust auf gesunde Lebensmittel. Von Spaß beim Kochen kann keine Rede sein und dadurch schmeckt das Essen auch nicht besser. Schokoriegel und Co. gehen in dieser Situation wirklich besser.
Da mein Schlafmangel häufig mit unterbrochenen Nächten durch ein kleines Kind verursacht ist, fühle ich mich jedoch etwas hilflos bezüglich der Ursachenbekämpfung und setze darauf, dass die Zeit es richten wird. Von per magna bin ich zum Glück noch sehr weit entfernt. :-)
Liebe Lotta, ich bin überzeugt, dass die Operation der schlechteste Weg ist und dass diese oft durchgeführt wird, obwohl noch viele andere Wege gegangen werden könnten. Die Verlockung, sofort etwas „Einschneidendes“ zu tun, ist natürlich groß. Doch ob man sich danach auf längere Sicht wirklich erleichtert fühlt, ist fraglich. Dunja
Liebe Lotta, ich bin überzeugt, dass die Operation der schlechteste Weg ist und dass diese oft durchgeführt wird, obwohl noch viele andere Wege gegangen werden könnten. Die Verlockung, sofort etwas „Einschneidendes“ zu tun, ist natürlich groß. Doch ob sich die Patienten hinterher auch auf längere Sicht wirklich so erleichtert fühlen, ist fraglich. Dunja
Also ich bin sicher, dass Adipositas einiges mit der Psyche und auch mit Vorsorge zu tun hat. Doch was macht man, wenn es schon passiert ist. Ich kann in meiner Situation keinen Sport treiben und durch FDH oder Vermeidung psychischen Stresses kann man auch nicht wirklich 50kg abnehmen. Ich habe auf der Seite adipositasmuenchen.de Informationan zu operativen Behandlungen gelesen und bin der Meinung, dass ab einem bestimmten Stadium fast nichts anderes mehr hilft.
LG Lotta