Willkommen

Primärprozess und Sekundärprozess: vom Chaos zur Ordnung

Wenn wir träumen, sind uns Gegensätze, Widersprüche und Logik vollkommen egal. Wir orientieren uns nicht mehr an der Vernunft. Rechts kann im Traum auch links sein, oben und unten sind Eins (lateinisch: „altus“ = „hoch, tief“), zeitliche Abfolgen spielen keine Rolle. Diese Art des Denkens nannte Sigmund Freud den „Primärvorgang“, auch „Primärprozess“ genannt. Weiterlesen

Lieben und Arbeiten – Ziele der Psychoanalyse nach Sigmund Freud?

„Lieben und Arbeiten“ – oftmals wird gesagt, dass dies nach Sigmund Freuds Worten die Ziele der Psychoanalyse seien. Aber hat er das wirklich gesagt? Der amerikanische Sachbuchautor Ralph Keyes geht in seinem Buch „The Quote Verifier“ dieser Frage nach. Es gebe keinen Beweis dafür, dass Freud dies gesagt habe, so Keyes. Doch woher kommt das „Gerücht“? Keyes schreibt, dass es keinen Beweis für ein solches Freud-Zitat gebe. Keyes erwähnt das Buch des Psychoanalytikers Erik Erikson’s „Childhood and Society“ (1963). Dort schreibe Erikson, dass Freud einmal gefragt wurde, was eine normale Person gut können sollte. Freud habe in seinen alten Tagen – so werde berichtet – gesagt: „Lieben und arbeiten“. Erikson sei ehrlich genug gewesen zu sagen, dass Freud dies „angeblich“ sagte.Weiterlesen

Die Traumdeutung von Sigmund Freud (Buchtipp)

„Die Traumdeutung“ von Sigmund Freud ist immer noch der Klassiker – unverzichtbar für alle, die sich mit Träumen, Schlafen, der Psychoanalyse und dem Unbewussten beschäftigen. Der Träumer selbst kann seinen Traum am besten deuten – aber es ist kompliziert: „Es wird niemand erwarten dürfen, dass ihm die Deutung seiner Träume mühelos in den Schoß falle“ (Sigmund Freud, Die Traumdeutung, 1900: Zur Psychologie der Traumvorgänge, Projekt Gutenberg). Ähnlich, wie wir im Wachzustand unerwünschte Gedanken und Gefühle vermeiden oder verdrängen, so kann es für den Träumer auch schwierig sein, im Wachzustand frei über seinen Traum zu sprechen und ihn zu deuten.Weiterlesen

Wie werde ich Psychoanalytiker*in? „Sind Sie noch da?“

„Sind Sie noch da?“, fragt der Patient den Analytiker, wenn er still hinter der Couch sitzt. Hat der Patient traumatisierende, frühe Abwesenheiten von Mutter und Vater erlebt, dann wird die Vorstellung, der Analytiker könnte verschwunden sein, unter Umständen so stark, dass der Patient sich auf der Couch umdrehen und vergewissern muss, dass der Analytiker noch da ist. Das Gefühl, der andere sei da oder auch das Gefühl, man selbst ist da, ist nicht immer selbstverständlich. Weiterlesen

Es ist laut.

Es ist so laut, denkt das Kind. Die Eltern, sie streiten nur – fast jeden Tag. Das Kind darf nicht nach Hilfe suchen. Es wird geschlagen, wenn es erzählt. Es schweigt. Es ist ein ruhiges Kind – die Lehrer, sie mögen es sehr. Das Kind hat Bauchweh. Es hofft, dass der Kinderarzt es errät. Es ist der Lärm, der diese Bauchweh macht. Das Kind muss schweigen. Der Kinderarzt sieht nichts. Lärm kann man nicht sehen. Weiterlesen

Sexueller Missbrauch und die erotische Komponente: „selbst schuld“ am sexuellen Missbrauch? Wie du Schuldgefühle verstehen kannst

Sexueller (Kindes-)Missbrauch kommt in unzähligen Farben und Varianten vor. Er kann von Vätern, Müttern, Großeltern, Geschwistern, Lehrern und anderen Menschen ausgehen. Er ist meistens umso folgenschwerer, je näher der Täter/die Täterin dem Opfer stand und je chronischer das Geschehen war. Sexueller Missbrauch ist furchtbar. Die Opfer sind echte Opfer und verabscheuen selbst, was ihnen passiert ist. Das ist ein Teil. Was die Sache aber so ungeheuer schwierig macht, ist die „lustvolle“ Komponente, die während des Missbrauchs oder aber in der Erinnerung manchmal auftauchen kann. Weiterlesen

Lebensfreude

Das kleine Mädchen läuft auf den Papa zu. Es kribbelt in seinem Bauch, vor lauter Freude. Er nimmt es in seine Arme und wirft es hoch in die Luft. Das Mädchen jauchzt. Der gesunde Vater ist stark. So stark, dass er seine eigenen Gefühle kennt, hält, lenkt. Er freut sich mit seinem Kind. Die beiden sind glücklich. Und arglos. Und sie dürfen es bleiben, denn die Mutter schaut zu und freut sich. Weiterlesen

Durch die Wände

Es nutzt nichts. Sie kommt immer wieder. Egal, wieviel Schutz ich mir vor mich und um mich herumstelle: Sie dringt durch Mauern, durch meine Haut, durch mein Körperfett – direkt in mich ein. Und dann ist ihre Seele in mir und tobt. Sie macht mich krank. Sie schadet mir. Sie will mich aushöhlen, will mich töten. Irgendwo sitzt sie und schickt mir ihre bösen Gedanken, davon bin ich überzeugt. Ich spüre es, ich fühle es. Ich wünschte, sie würde sterben. Aber dann ist die Angst noch größer: Dann kann sie vom Himmel aus, von überall her in mich eindringen. Weiterlesen

Selbstliebe – wie geht das?

„Du musst lernen, Dich selbst zu lieben.“ Das ist so leicht daher gesagt, doch Selbstliebe und Selbstakzeptanz sind die schwierigsten Kunststücke unseres Lebens. „Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst“ – das ist oft so schwierig, weil man sich selbst oft eben nicht liebt, sondern sogar ablehnt. Es ergibt wenig Sinn, sich die Selbstliebe zwanghaft aufzuerlegen. Selbstliebe und Selbstinteresse entstehen vor allem dadurch, dass wir von anderen liebevoll und mit Interesse angeblickt werden – von Mutter und Vater, von Lehrern, vom Partner, vom Psychoanalytiker.Weiterlesen

„Ich wohne mit einem Mörder zusammen.“ Frühtraumatisierung und Lebensgefühl

Ich sitze ihm gegenüber. Dem Mörder. Er ist hoch-explosiv, gefährlich. Ich sage den anderen Bescheid, sie schauen kurz nach, aber sie können ihn nicht wirklich entschärfen. Sie zucken mit den Schultern und gehen wieder. Und ich sitze wieder da. Zusammen mit dem Mörder. Ich kann mich dabei nicht entspannen. Ich muss ihn im Blick behalten. Und in mir das ständige Gefühl des elektrischen Aufgeladenseins.Weiterlesen