Psychoanalyseausbildung: einen Praxisraum finden, teilen, kaufen, ein Praxisschild anbringen, Couch und Sessel finden

Als Praxisraum reicht eine Wohnung aus. Die Bau-Nutzungs-Verordnung (BauNVO) erklärt in §13 („Gebäude und Räume für freie Berufe“, dejure.org), dass ein Freiberufler in „allgemeinen Wohngebieten“ einen Raum zur Berufsausübung nutzen darf.

Möglichst ruhig sollte der Raum sein. Lärm, der untergeht, wie das Autorauschen von der Straße, ist vielleicht weniger problematisch als hervorstechender Lärm wie z.B. das Üben eines Trompeters nebenan. Dünne Wände und Fenster lassen manchmal Unterhaltungen oder Aktivitäten der Nachbarn durch, was eine Psychoanalyse sehr stören kann. Doch irgendwelche störende Einflüsse wird es wohl immer geben.

Du musst/kannst ein Praxisschild anbringen und es muss eine Patiententoilette vorhanden sein. Das Gesundheitsamt prüft gegebenenfalls, ob der Raum geeignet ist.

Braucht man als Arzt, Psychotherapeut oder Psychoanalytiker einen Gewerbeschein? Als Arzt, Psychotherapeut oder Psychoanalytiker braucht man keinen Gewerbeschein. Der Arzt bzw. der Psychoanalytiker ist ein Freiberufler.

Der Vermieter sollte einverstanden sein

Das Problem besteht manchmal darin, einen Vermieter zu finden, der damit einverstanden ist, dass man einen Raum als Praxisraum für Psychoanalysen nutzt. Ich selbst habe in einem ländlichen Raum nach einem Praxisraum gesucht. Hier traf ich teilweise auf sehr offene Vermieter und teilweise auf solche, die auf keinen Fall etwas mit „Psychos“ zu tun haben wollten.

Bei dem Versuch, eine Wohnung als Praxisraum zu kaufen, stieß ich zunächst auf Vorbehalte der Eigentümergemeinschaft. Einen Wohnraum als Praxisraum zu nutzen bedeutet ja auch, dass täglich mehrere Patienten über den Hof und durchs Treppenhaus laufen und auch Parkplätze beanspruchen. Diese „Laufkundschaft“ könnte als störend empfunden werden. Einige Vorbehalte konnte ich durch Gespräche ausräumen. Prinzipiell aber müssen die Mit-Eigentümer gar nicht zustimmen.

Was kostet ein Praxisraum?
Angehende Psychoanalytiker*innen geben im Kölner Raum zwischen 250-700 Euro und mehr monatlich für einen Praxisraum aus. (Quelle: Eigene Kollegenbefragung)

Den Praxisraum teilen?

Bei den teuren Mieten kommt schnell die Idee auf, sich einen Praxisraum zu teilen. Das ist aber oft nicht so einfach. Es ist zwar schön, dass es Foren wie die Praxis-Börse der Psychotherapeutenkammer NRW gibt, doch ob sie wirklich hilfreich sind, ist fraglich. Vielleicht klappt es in Großstädten – schwieriger wird es sicher in ländlichen Gebieten, einen passenden Praxis-Partner zu finden.

Da es sowieso schon eine hohe Kunst ist, die Termine der Patienten mit denen des eigenen Kalenders abzustimmen, kann es sehr kompliziert werden, wenn man dann noch den Kalender eines Kollegen mitberücksichtigen muss.

Darf ich den Raum einer Heilpraktikerin mit benutzen? Der Arzt muss mit seinem Praxisschild auf eigene Räume hinweisen. Durch verschiedene Eingänge, Zugänge und verschiedene Räume muss klar sein, wo der Arzt praktiziert und wo der Heilpraktiker. (§ 23a Abs. 1 Berufsordnung und § 30 Abs. 2 BO, siehe www.bundesaerztekammer.de/themen/recht/berufsrecht)

Ob man einen Praxisraum im Institut mietet oder eine Praxiswohnung gefunden hat – häufig kommt die Frage auf: Soll man den Analyse-Raum teilen? Der Psychoanalyse-Raum wird von manchen Autoren auch als „Uterus“ (Gebärmutter) beschrieben. Er ist eine schützende Hülle, ein Nest für Analytiker und Analysand. Wie empfindlich der Raum ist, zeigt sich bereits bei der Frage, ob man seinen Praxis-Raum fotografieren und auf der Website abbilden sollte oder nicht. Manche Patienten und Analytiker würden sich sehr unwohl damit fühlen, wenn ein Bild vom Behandlungsraum im Internet zu finden wäre.

Wer noch nie eine Psychoanalyse gemacht hat, wird vielleicht denken: „Wie kann man nur so ein Theater machen um den Raum machen?“ Ja, der Raum ist eine Bühne, auf der sich viel abspielt. Wer sich selbst auf die Couch legt und eine Psychoanalyse macht, wird schnell begreifen, warum man so ausführlich über einen Raum sprechen kann und warum man ihn so sehr schützen möchte. Oft wird der Raum als etwas Heiliges empfunden. Nicht selten ziehen sich Patienten die Schuhe aus, bevor sie den Raum betreten.

Teilen ist etwas Besonderes

Manche möchten anfangs den Raum teilen, um Kosten zu sparen. Doch manchmal kommt das Gefühl auf, dass man seinen „heiligen Raum“ für sich behalten möchte. Praktische Gründe, den Raum nicht zu teilen, werden vorgeschoben: Da gibt es private und berufliche Termine sowie die Lebenswirklichkeit der Patienten. Einen Behandlungs-Termin für einen Patienten zu finden, kann schon ein echtes Kunststück sein – umso mehr, wenn Patienten vier Mal pro Woche kommen. Dann noch einen Kollegen zu berücksichtigen, der auch seinen Stundenplan hat, ist oft sehr schwierig.

Manchmal ist das Teilen aber auch ganz leicht, z.B. wenn man halbtags in einer Klinik arbeitet und den Raum zu bestimmten Zeiten sowieso nicht nutzen könnte.

Der Raum bekommt seine Farbe

Als Analytiker kann man sich seine Patienten aussuchen. Man möchte bestimmen, wer diesen Raum betritt und wer nicht. Patienten empfehlen nicht nur den Therapeuten weiter, sondern indirekt auch seine Arbeitswelt. Ob man den Raum teilen möchte, hängt auch von der Person ab, mit der man den Raum teilen wird.

Der Raum in der Psychoanalyse
Die Philosophin Claudia Intelmann (geborene Guderian, „Magie der Couch“) hat ihre Doktorarbeit dem Thema „Der Psychoanalytische Raum“ (PDF) gewidmet. Hier beschreiben 20 ehemalige Analysanden, wie sie den psychoanalytischen Raum empfunden haben. Was bedeutet ihnen der Psychoanalyse-Raum? Welchen Einfluss hat er auf das Geschehen?

Am besten schaut man sich schon vor dem Vorkolloquium nach einem Praxisraum um. Einen Praxisraum zu kaufen, kann für ein besonders gutes Gefühl sorgen.

Einen Praxisraum kaufen

Wer Musik studieren will, braucht ein gutes Instrument. Wer Psychoanalytiker werden will, braucht einen guten Raum. „Der Raum symbolisiert den Mutterleib“, heißt es. Doch es ist nicht leicht, einen Raum zu finden, der Freiheit und Geborgenheit bietet und bei dem das Umfeld stimmt. Die Mieten für einen Praxisraum sind oft relativ hoch, sodass es sich lohnen kann, über den Kauf einer kleinen Praxiswohnung nachzudenken. Ich habe nach dem Vorkolloquium eine Wohnung gekauft und es bietet mir sehr viele Vorteile.

Es gibt vor allem ein gutes Gefühl, weil die Investition in die eigene Wohnung als weitere Investition in sich selbst empfunden werden kann – doch im Gegensatz zu den „geistigen Werten“, die man in der Psychoanalyse-Ausbildung für sein Geld erhält, kann man beim Wohnungskauf den materiellen Gegenwert fühlen. Ich habe die Wohnung übrigens ohne Eigenkapital gekauft und werde lange abbezahlen. Man muss vielleicht ein wenig länger nach einer Bank suchen, aber es lohnt sich.

Müssen Mit-Eigentümer zustimmen?

Ich habe eine Eigentumswohnung gekauft, die ich als Psychotherapie-Praxis nutze. Eine Psychotherapie-Praxis ist kein Gewerbe. Zwar habe ich die Wohnung erst nach Absprache mit den Nachbarn gekauft, doch nötig ist das nicht: „Nicht verweigern können die Miteigentümer ihre Zustimmung dagegen dann, wenn zum Beispiel ein freier Beruf ausgeübt werden soll und dies für die übrigen Eigentümer keine größeren als die üblicherweise von einer Wohnung ausgehenden Störungen verursacht.“
(„Ein Gewerbe darf die Miteigentümer nicht stören“, Tagesspiegel, 19.5.2007)

Ein Psychoanalytiker braucht (k)ein Praxisschild

Wer als Psychoanalytiker eine Praxis eröffnet, braucht (k)ein Praxisschild. Die Regelungen hierzu finden sich für Ärzte in der (Muster-)Berufsordnung der Bundesärztekammer und für psychologische Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen in der Musterberufsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer. Für Ärzte gilt: §17 Niederlassung (4) Der Praxissitz ist durch ein Praxisschild kenntlich zu machen. Ärztinnen und Ärzte haben auf ihrem Praxisschild den Namen, die (Fach-) Arztbezeichnung, die Sprechzeiten sowie ggf. die Zugehörigkeit zu einer Berufsausübungsgemeinschaft gem. §18a anzugeben.

Ärztinnen und Ärzte, welche nicht unmittelbar patientenbezogen tätig werden, können von der Ankündigung ihres Praxissitzes durch ein Praxisschild absehen, wenn sie dies der Ärztekammer anzeigen.

Für Psychologen gilt: § 23 der Musterberufsordnung: „Die Ausübung von Psychotherapie in einer Niederlassung muss durch ein Schild angezeigt werden, das die für eine Inanspruchnahme durch Patient*innen notwendigen Informationen enthält. Aus wichtigem Grund kann die Kammer auf Antrag befristete Ausnahmen zulassen.“

Und was ist mit der Bezeichnung „Psychoanalyse“?

Die Bezeichnung „Psychoanalyse“ ist einerseits kein geschützter Begriff. Andererseits kann ein Arzt oder Psychologe die Bezeichnung „Psychoanalyse“ offiziell als Zusatztitel erwerben. Den Zusatztitel „Psychoanalyse“ darf ein Facharzt der unmittelbaren Patientenversorgung nach abgeschlossener psychoanalytischer Ausbildung auf das Schild schreiben.

Was kostet so ein Praxisschild?
Praxisschilder gibt’s im Online-Handel schon ab ca. 70 Euro (z.B. bei www.praxisschilder-arztschilder.de), man kann für ein schönes Emaille-Schild mit Rahmen aber locker auch mehrere hundert Euro ausgeben. Und nun aus der Praxis: „Praxisschild? Was für ein Praxisschild? Ich hab‘ noch nie eins gehabt.“ Zitat einer Ärztin und Psychoanalytikerin. Wer „nur“ als Psychoanalytiker arbeitet und kein Praxisschild braucht oder haben möchte, kann mit der Ärztekammer Rücksprache halten.

Psychoanalysecouch und Sessel finden

Psychoanalyse-Couch und Analytiker-Sessel sind das Grundwerkzeug des Analytikers. Der berühmte „Ikea-Poäng“ ist in vielen Anfangs-Praxen zu finden. Doch ähnlich wie beim Spielen eines Musikinstruments ist es wichtig, dass man sich mit seinem Instrument wirklich wohlfühlt. Gute Schlagwörter bei der Google-Bilder-Suche sind „Daybed“, „Lounge Sessel“ und „Design“. Schlicht ist zum Beispiel das Lubi-Schlafsofa, mysofabed.de. Auch Einzelbetten mit einer guten Matratze eignen sich als Psychoanalyse-Couches. Zur Sessel-Suche kann ich „Home24.de“ empfehlen, wo ich meinen Sessel „Houston“ gefunden habe. Auch bei Habitat lassen sich schöne Sessel finden.

Korbsessel sind leicht, preiswert und bequem, aber sie knirschen, wenn man sich bewegt. Denke beim Sessel-Kauf auch daran, dass auch schwer übergewichtige Patienten Platz darin finden müssen.

Claudia Guderian hat in ihrem Buch „Die Magie der Couch“ (amazon) bunte Bilder von Couches aus psychoanalytischen Praxen gesammelt und zusammengestellt. Vielleicht einzigartig ist der US-amerikanische Designer Randall Thomas, der in Seattle Couches für Psychoanalytiker produziert: www.analyticcouch.com. Inspirierend finde ich auch die Sofamanufaktur von Wilmowski. Von einer Kollegin hörte ich, dass das Magazin in Bonn empfehlenswert sei.

Bei Sigmund Freud war es so: „Die Couch ist 1,86 m lang, 83 cm breit und 75 cm hoch; die Sitzhöhe beträgt 46 cm. Freud saß rechts vom Kopfende wegen seiner beginnenden Schwerhörigkeit auf dem rechten Ohr. Sein Sessel berührt die Couch nicht.“ Claudia Guderian: Von der Couch zum Tanz: Das ruhige Liegen auf der Couch. Vortrag, 24.4.2006 im Rahmen der Lindauer Psychotherapiewochen 2006, PDF

Wie gross sollte der Abstand zwischen Couch und Sessel sein? (ehemals Kapitel 65)

„Wie weit soll ich den Sessel von der Couch wegstellen?“, fragte ich mich beim Einrichten der Praxis. Auf Twitter habe ich im September 2017 (also vor der Corona-Krise) eine Mini-Umfrage gemacht: „Wie weit ist Ihr Sessel von der Couch entfernt (Stuhlmitte bis Kissenmitte)? Antwortmöglichkeiten: < 120 cm, 120-200 cm, > 200 cm? Es nahmen – falls es ehrliche Teilnehmer*innen waren – 17 Analytiker*innen teil. Knapp die Hälfte von ihnen gaben einen Abstand von 120-200 cm an (Stuhlmitte bis Kissenmitte). Ich wiederholte die Frage auf Englisch (Twitter, 27.9.2017). Es nahmen vier Personen teil. Zwei gaben einen Abstand von unter 120 cm an, zwei einen Abstand von 120-200 cm.

Bei der Psychotherapie im Sitzen sieht es so aus:

Von 35 Teilnehmern gab die Hälfte einen Abstand von 100-150 cm an. Die knappe andere Hälfte saß mehr als 150 cm vom Patienten entfernt und nur zwei Teilnehmer nahmen einen Abstand von weniger als einem Meter ein. (Twitterumfrage, 27.9.2017)

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Links

Gordon, Meryl (1992):
Analyzing the Analyst’s Couch
The New York Times, Published: March 19, 1992

In the shadow of Freud’s Couch
www.markgeraldphoto.com/

Beitrag vom 6.2.2026 (begonnen am 1.7.2014)

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