Ich-Attacke

Ich schaue auf meine Hand und werde gewahr, dass ich lebe. Ich schaue aus mir selbst heraus und bin ganz alleine. Ich denke und fühle: Ich. Ich, ich, ich. Grusel-ich! Auf einmal spüre ich nach aussen hin immer weiter ganz viele „Ichs“ und „Mich-Selbste“ – endlos sich anfühlend, als ob mich niemand jemals befreien oder zerstören könnte.

Ich stehe in meinem Kopf, sehe aus meinen Augen, während ich gleichzeitig innerlich nach außen renne, aber immer nur auf die nächste Ich-Schicht stoße. Ich. Es ist, wie wenn man zu lange auf ein Wort schaut und es dann seinen Sinn verliert – seine Verbindung zu anderen Worten. Nur noch Echo und Hall. Nur das eine Wort. Nur noch Spiegelbild. Ich. We-ich. Eingeschlossen in weiche Grenzen. Fies ist das. Absolut fies und dann doch oft am besten durch den Kontakt zu einem anderen Menschen zu beenden.

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Literatur:

Thomas Ogden (2000):
Frühe Formen des Erlebens. Psychosozial-Verlag, 2006

Fances Tustin (1986):
Autistic Barriers in Neurotic Patients. New Haven: Yale University Press, 1987, Taylorfrancis.com

Daniel Stern (1985):
The Interpersonal World of the Infant. New York: Basik Books

Beitrag vom 24.5.2026 (begonnen am 19.1.2017)

2 thoughts on “Ich-Attacke

  1. Dunja Voos sagt:

    Vielen Dank für diesen Kommentar, liebe Liz!

  2. Liz sagt:

    Ich kenne das Ich-Ich-Ich-Ich….-Trichter-Zwiebel…-Gefühl quasi umgekehrt.
    Und habe noch nie jemanden getroffen, der es auch kannte!
    Ich hatte es nur einmal (im vollen Umfang).
    Ich war ca. 18. Wahrscheinlich waren meine Eltern auf Urlaub und ich war nicht mitgefahren. (Mein Bruder offenbar schon.)
    Ich war allein und wurde gewahr, dass ich allein war. Noch dazu in dem Bereich meiner Mutter (Küche) und ohne Gefahr, dass sie bald kommen würde.
    Es war kein Hinuntergezogen-Werden, sondern ein Auftauchen.
    Von weit unten im Meer – immer weiter herauf – ich – ich -ich -ich …
    Blasen steigen auf…es wird heller… alles ist lichtdurchflutetes Blau-Türkis ….
    Es war ein bisschen beängstigend (weil nicht steuerbar), aber auch cool, interessant, auch irgendwie bedeutsam…
    Ich glaube, da hat sich mein ICH erstmals(?) getraut, ganz hervorzukommen.
    Anschließend (?) bin ich in die Badewanne gegangen, um zu duschen. Das Wasser war kalt, da konnte ich mich spüren.

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